+
Um ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen zu setzen, gab es vielseitige Aktionen in Frankfurt. Wie die Kunstinstallation mit dem Titel „Tatorte von Mitgliedern des Arbeitskreises Interventionen bei Gewalt gegen Frauen und des Arbeitskreises gegen häusliche Gewalt Frankfurt West.

Frankfurt

Kerzen und Demo am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen

  • schließen

In Frankfurt gibt es viele Aktionen gegen häusliche Gewalt. Alte Oper und andere Gebäude leuchten orangefarben. Außerdem demonstrieren 300 Menschen in Bornheim gegen Gewalt an Frauen.

Kerzenlichter beleuchten die Umrisse der getöteten Frauenkörper rund um den Brunnen der Alten Oper am Montagabend. Es gibt auch Absperrbänder. Ein Mann bleibt schockiert stehen und fragt: „Was ist hier denn passiert?“ Calogera von Auw, die bei Caritas Frankfurt arbeitet, beruhigt ihn. Sie erklärt ihm, dass dies keine echter Tatort sei, sondern die Kunstinstallation „Tatorte“. Diese ist Teil der Aktionen in Frankfurt zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen.

Am Opernplatz sind Mitglieder des Frauenreferats Frankfurt, des Arbeitskreises Interventionen bei Gewalt gegen Frauen sowie des Arbeitskreises gegen häusliche Gewalt Frankfurt West. Auch die Polizei hat einen Stand.

„Wir wollen auf das Problem der häuslichen Gewalt aufmerksam machen. Das fängt bei Worten, die erniedrigen, an hin zu Schlägen bis zum Tötungsdelikt“, sagt von Auw von der Caritas. Gabriele Wenner, Leiterin vom Frauenreferat sagt: „Wir wollen, dass Leute neugierig werden und mit uns ins Gespräch kommen.“

Gewalt gegen Frauen: „Der Täter muss mehr in Verantwortung genommen werden.“

Um noch mehr Aufmerksamkeit zu erregen, ist das Frauenreferat zum ersten Mal in Kooperation mit den beiden Frankfurter Zonta-Clubs auch Teil von „Orange your City“. Das ist eine weltweite Aktion von UN Women. In Frankfurt sind am Abend die Alte Oper, die Paulskirche, das Deutsche Filmmuseum, sowie das DGB-Gewerkschaftshaus und die Frankfurt School of Finance & Management orange angestrahlt.

Eine Passantin fotografiert fleißig. Dann sagt sie: „Also ich habe gestern Abend einen Film gesehen, wo ein Mann seine Frau schlug. Ehrlich gesagt, dachte ich nicht, dass so etwas im realen Leben passiert. Das ist mir fremd. Es bräuchte viel mehr solcher Aktionen wie heute an der Alten Oper.“

Der Arbeitskreis gegen häusliche Gewalt Frankfurt West zeigt die Ausstellung „Gewaltige Liebe“ noch bis zum 29. November in der Apostelkirche, Heusingerstraße 1.

Die Eröffnung ist am 26.11. von 19 bis 21 Uhr. Auch gibt es Infos zu den Beratungsstellen und die Auswirkung von häuslicher Gewalt auf Kinder. rose

Christa Wellershaus arbeitet seit 30 Jahren in der Beratungsstelle und dem Frauenhaus „Frauen helfen Frauen“. „Alle 72 Stunden tötet ein Mann seine Partnerin in Deutschland“, sagt sie. Alle sozialen Schichten seien betroffen. „Es kann jeder Frau passieren. Es wird zwar heutzutage mehr über das Thema gesprochen, aber die Gewalt bleibt leider.“ Wichtig seien nicht nur härtere Strafen für die Täter, sondern auch, dass nicht die Frauen in Frauenhäuser fliehen müssten, während der Mann in der Wohnung bleiben dürfe. „Der Täter muss mehr in Verantwortung genommen werden.“ Sie habe viele krasse Fälle in Frankfurt erlebt. „Einmal hat ein Mann auf seine Frau eingestochen, während sie das Baby noch im Arm hielt und der vierjährige Sohn direkt daneben stand.“ Sie habe gerade so überlebt.

Gewalt gegen Frauen: Friedliche Demo in Bornheim

Eine Frau vom Jugendamt sagt: „Ein großes Problem ist, dass die Kinder oft die Gewalt gegen ihre Mütter sehen und dann so traumatisiert sind, dass sie später im Leben oft auch zum Opfer oder Täter von häuslicher Gewalt werden.“

Am gleichen Abend versammeln sich laut Polizei 250 Menschen in Bornheim. Sie sind Teil verschiedener feministischer und queerfeministischer Gruppen. Sie ziehen vom Uhrtürmchen über das Fünffingerplätzchen und demonstrieren lautstark und doch friedlich gegen Gewalt an Frauen.

Am Ende legen sie schweigend Kerzen und Blumen vorm Rewe in der Heidestraße nieder. „Dort, wo vor wenigen Wochen eine junge Frau von ihrem Ex-Freund erstochen wurde,“ sagt Eva Isselstein, eine der Demo-Veranstalterinnen.

Von Kathrin Rosendorff

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare