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Nicht nur im Europaviertel wird noch kräftig gebaut.

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Keine Oesterling-Linie in Sicht

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Eine Bilanz der bisherigen Amtszeit von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling in Frankfurt.

Über Helmut Heuser, den früheren verkehrspolitischen Sprecher der CDU im Römer, wird gesagt, er habe sich so lange für die Straßenbahnlinie 17 in Frankfurt starkgemacht, dass sie eigentlich Heuser-Bahn heißen müsste. Nun hat sich der Volksmund bekanntlich anders entschieden, die 17 heißt weiterhin 17, ohne Spitznamen. Aber für einen Politiker oder eine Politikerin ist es, davon abgesehen, das größte Vermächtnis, wenn sie oder er etwas schaffen kann, das bleibt.

Beim Ressort Verkehr erinnert sich Frankfurt lebhaft an Lutz Sikorski, der die Einbahnstraßen für Radfahrende öffnete und die Hauptwache kurzerhand vom Autoverkehr befreite.

Wo ist nun das bleibende Projekt von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD)? Die roten Radwege, gewiss. Und im Nahverkehr?

Oesterling ließ die Linie 14 durch die Innenstadt fahren und an neuen Stationen im Gallus und in der Altstadt halten. Die aber nicht barrierefrei sind. Obwohl der gesamte Nahverkehr laut EU-Vorgaben bis 2022 barrierefrei sein soll. Eine Vorgabe, die die Stadt nicht mehr erreichen kann.

Großer Nahverkehrsfan

Auch die Stationen Westend, Römerstadt und Niddapark warten noch auf einen Aufzug – bei den beiden letzteren kann das noch dauern. Beim Niddapark hängt der Aufzug mit dem Bau der S-Bahn-Station Ginnheim zusammen, die Ende 2023 fertig sein könnte. Ob der Aufzug bei der Römerstadt jemals kommt, ist aufgrund der Lage fraglich.

Das größte Projekt in Oesterlings Amtszeit, die S-Bahn nach Gateway Gardens, wurde von der Deutschen Bahn geplant und gebaut.

Dabei ist Oesterling vielleicht ein noch größerer Nahverkehrsfan als Helmut Heuser. Er fährt jeden Tag mit der U-Bahn zur Arbeit. Wenn er in den Urlaub fährt, dann mit dem Zug. Sein Vater arbeitete schon für die Stadtwerke Frankfurt, er selbst war lange beim Umlandverband, dem Vorgänger des Regionalverbands.

Spötter sagen, Oesterling kenne die Fahrpläne auswendig – was nichts anderes heißt, als dass sich niemand besser auskennt in der kommunalen Verkehrspolitik als er.

Fragt man Oesterling, was bleibe, zählt er zunächst die zusätzlichen Fahrzeuge auf, die die Stadt kauft. 45 Straßenbahnen und 22 U-Bahnen, die die vorhandenen Züge teilweise verlängern und mehr Menschen befördern werden. Dann nennt er die Regionaltangente West – im Nordteil soll im nächsten Jahr die Planfeststellung erteilt werden. Fahren wird sie frühestens 2026/2027. Bei diesem Projekt wirkte auch sein Amtsvorgänger Stefan Majer mit.

Er erwähnt die Verlängerung der U5 vom Hauptbahnhof ins Europaviertel, wo gerade eine der beiden Tunnelröhren fertig geworden ist. Hier sollen 2025 die ersten Bahnen fahren, falls die Stadtverordneten es beschließen, auch noch weiter zum Römerhof, ebenfalls bis 2025.

2028 könnte die U2 von Gonzenheim zum Bad Homburger Bahnhof verlängert sein, sagt er. In diesem Jahrzehnt würden wohl auch die Straßenbahnen von Frankfurt nach Bad Vilbel, über Neu-Isenburg nach Dreieich sowie nach Offenbach aufs Gleis gebracht.

Klaus Oesterling ist Verkehrsdezernent in Frankfurt. Die Amtszeit des 68-Jährigen läuft bis Frühjahr 2022.

Ebenfalls in diesem Jahrzehnt könnte die U4 von Bockenheim nach Ginnheim verlängert werden, wobei Oesterling die Anbindung des Campus Westend bevorzugt. Daran hänge auch die sogenannte Ringstraßenbahn von Ginnheim über Dornbusch zur Friedberger Warte. Das Ergebnis der Nutzen-Kosten-Untersuchung soll zur Kommunalwahl 2021 vorliegen.

Die Stadt plane auch, die Straßenbahn von der Zuckschwerdtstraße zum Bahnhof Höchst zu verlängern, ein Vorhaben, das schon 92 Jahre alt ist. Auch die Verlängerung der U5 von Preungesheim zum Frankfurter Berg ließe sich in den kommenden Jahren bauen – eine günstige Nutzen-Kosten-Untersuchung liege vor.

Alles Projekte für das laufende Jahrzehnt. Bis Frühjahr wird keine Oesterling-Trasse fertig sein.

Wenn die Kommunalwahl im März 2021 eine neue (oder alte?) Regierungskoalition auf den Weg bringt, naht das Ende seiner kommunalpolitischen Karriere. Gewählt ist er bis Frühjahr 2022. Eine weitere Amtszeit strebt der 68-Jährige nicht an. Die neue Koalition könnte ihn auch direkt abwählen, was wahrscheinlich ist, falls die SPD nicht mehr mitregiert.

Was kommt bis 2021? Viele Radwege – und im Nahverkehr die Erkenntnis: Bauvorhaben dauern so lange, dass sie nicht mit einer Person verbunden werden können.

Er selbst sagt: „Es ist ja nicht so, dass nichts gebaut würde, mit dem Umbau des Hauptbahnhofs, der Regionaltangente West, der S6 nach Bad Vilbel und den weiteren Projekten verbauen wir vier Milliarden Euro in diesem Jahrzehnt.“

Sein Lieblingsprojekt sei übrigens die Bahnstrecke nach Höchst. Die sei den Anwohnern und Anwohnerinnen schon im Eingemeindungsvertrag von 1928 versprochen worden.

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