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Frankfurt: Keine Musik, keine Miete

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Von: Thomas Stillbauer

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Der Bunker am Marbachweg bleibt vorerst stumm.
Der Bunker am Marbachweg bleibt vorerst stumm. © Monika Müller

Im Marbachbunker schweigen die Instrumente, bis der Brandschutz gesichert ist. Die Bundesbehörde setzt solange die Miete aus.

Es lebe der Marbachbunker – es schweige der Marbachbunker. In den etwa 50 Proberäumen und Musikstudios im ehemaligen Luftschutzgemäuer am Dornbusch darf im neuen Jahr tatsächlich vorerst nicht mehr musiziert werden. Die drei Hauptmieter müssen dann aber auch keine Zahlungen an die Eigentümerin, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) leisten. Das hat die Bima in ihrer Antwort auf eine FR-Anfrage vom 22. Dezember mitgeteilt.

Zuvor hatte die Behörde eine Verlängerung der Mietverträge um bis zu drei Jahre in Aussicht gestellt und sogar angekündigt, die erforderliche Brandschutzertüchtigung des Gebäudes selbst zu übernehmen. Für Ernüchterung sorgte dann die Neuigkeit, dass die Räume bis dahin lediglich als Lager genutzt werden dürfen, sprich: Die Bands müssen ihr Equipment zwar nicht entfernen, können es aber auch nicht verwenden.

„Die Prüfung dauert an, ob und mit welchen Maßnahmen der Bunker brandschutztechnisch ertüchtigt werden kann“, teilte ein Sprecher mit. „Bis zum Abschluss der Prüfung können bedauerlicherweise keine Nutzungen stattfinden, weil die Sicherheit im Bunker derzeit nicht ausreichend gewährleistet ist.“ Eine Räumung des Bunkers müsse zwischenzeitlich nicht erfolgen. „Für diesen Zeitraum erhebt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben selbstverständlich keine Miete“, so der Sprecher weiter.

Damit geht die Hängepartie für die Musikerinnen und Musiker weiter – wie lang, kann derzeit niemand sagen. Kultur- und Immobiliendezernat hatten im Dezember in Verhandlungen mit der Bima erreicht, dass nicht schon zum Jahreswechsel endgültig der Schlussakkord erklingen musste.

Ursprünglich hatte die Bima zum 31. Dezember die Verträge gekündigt. Dann hätten Hunderte Musikschaffende auf der Straße gestanden, darunter auch private Musikpädagoginnen und -pädagogen.

Genug Bunker vorhanden

Immobiliendezernentin Sylvia Weber (SPD) hat versprochen, schnell mögliche Alternativen zum Bunker am Marbachweg zu prüfen. Alte Bunker gibt es genug: Vor gut fünf Jahren hat die Stadt die aus der Zivilschutzbindung entlassenen Gemäuer an der Friedberger Anlage, Eppenhainer, Petterweil-, Küfer-, Goldstein-, Lasalle- und Schäfflestraße vom Bund erworben. Sie sind aber entweder als Kultur- und Gedenkstätte in Betrieb (Friedberger Anlage) oder müssten ebenfalls erst ertüchtigt werden, weil sie bisher als Lager genutzt werden.

Weber bekundete generell, sie wolle Räume schaffen für Kunst und Kultur. Dafür sind nun im besten Fall drei Jahre Zeit. Dass die Bands in der Zwischenzeit andere Proberäume finden, scheint bei der Lage auf dem Immobilienmarkt unrealistisch.

Was aus dem Gelände am Marbachweg einst werden soll, ist jedenfalls klar: „Nach Beendigung der Nutzung möchte sich die Bima auf ihre Kernaufgaben konzentrieren und dort nach Möglichkeit bezahlbaren Wohnraum schaffen“, teilte die Behörde schon im Dezember mit.

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