Die Nachbarschaftshilfe informiert am Fünffingerplätzchen in Bornheim über Gentrifizierung. 
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Die Nachbarschaftshilfe informiert am Fünffingerplätzchen in Bornheim über Gentrifizierung.

Immobilien

Frankfurt: Keine Mietwohnungen in Eigentum umwandeln

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Die Nachbarschaftshilfe NBO demonstriert gegen das Unternehmen Franconofurt, welchen gegen die Milieuschutzsatzung klagt.

Das Geschäftsmodell des Immobilienunternehmen Franconofurt ist sehr einfach. Es kauft Miethäuser auf, wandelt die Mietwohnungen in einzelne Eigentumswohnungen um und verkauft sie gewinnbringend weiter.

Ein Geschäftsmodell, das Vorstand Christian Wolf auch vor Gericht verteidigen will. Gegen die Milieuschutzsatzung der Stadt Frankfurt in drei Gebieten, welche sich im Nordend und in Sachsenhausen befinden, hat das Unternehmen eine Normenkontrollklage eingereicht.

„Bei den drei von uns infrage gestellten Gebieten um den Oeder Weg und um die Schweizer Straße ist der Strukturwandel so weit fortgeschritten, dass die Definition für ein Milieuschutzgebiet nicht mehr greift“, argumentiert Wolf.

Das sieht die Nachbarschaftshilfe NBO, das steht für Nordend, Bornheim, Ostend, anders. Sie hat am Samstag in Bornheim gegen das Immobilienunternehmen demonstriert.

„Franconofurt ist dafür bekannt, Häuser zu kaufen, schnellstmöglich weiterzuverkaufen und dabei den höchstmöglichen Profit zu machen. Langjährige Mietergemeinschaften, die sich kein Eigentum leisten können, bleiben auf der Strecke“, sagt Barbara Kaiser von der NBO.

Sie selbst kann ein Lied davon singen. Ihre langjährige Mietergemeinschaft in der Martin-Luther-Straße 61 ging verloren, nachdem Franconofurt das Haus aufgekauft und weiterverkauft hatte. „Eine 150 Quadratmeter große Wohnung kostete dort eine Million Euro“, sagt Kaiser. Mondpreise, die sich die einfachen Frankfurterinnen und Frankfurter schon lange nicht mehr leisten können.

Dass die Preise für Mieten und Eigentum immer weiter steigen, ist auch der Stadt Frankfurt bekannt. Sie hat Milieuschutzsatzungen auf den Weg gebracht, die in 21 Gebieten gelten – etwa auf der Berger Straße, in Nordend-Süd und -Mitte, in Bockenheim, in Sachsenhausen-Nord.

Die Milieuschutzsatzungen können Luxussanierungen verhindern, indem die Bauaufsicht entsprechende Modernisierungen nicht genehmigt. Beim Verkauf von Mietshäusern kann die Stadt ein Vorkaufsrecht ausüben oder eine Abwendungsvereinbarung abschließen. Abwendungsvereinbarung heißt, dass der Eigentümer sich verpflichtet, keine bezahlbaren Mietwohnungen in Luxuswohnungen umzuwandeln. Das alles geht dem Geschäftsmodell von Franconofurt natürlich zuwider – deshalb die Klage.

Franconofurt sieht sich dabei im Recht – auch moralisch. Wenn ein Haus in mehrere Eigentumswohnungen aufgeteilt würde, hätten auch Menschen, die nicht drei oder vier Millionen Euro für ein Haus ausgeben könnten, die Möglichkeit, sich eine Eigentumswohnungen zu kaufen, so Wolf. „Wir haben uns nichts vorzuwerfen“, sagt er. Rund 15 Prozent der Wohnungen gingen an die früheren Mieter, 65 Prozent an Kapitalanleger und 20 Prozent an Eigennutzer.

„Es ist doch völlig absurd, dass eine 60 Quadratmeter große Wohnung in der Böttgerstraße 2, die Franconofurt verkauft, 420 000 Euro kostet“, sagt Kaiser. Diese Preistreiberei wirke sich auch auf das Umfeld aus, wo bald die Mieten und Kaufpreise steigen würden.

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