Dicht an dicht standen die Menschen am Römer.
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Dicht an dicht standen die Menschen am Römer.

Proteste

Frankfurt: Keine Großdemos während der Pandemie am Römer

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Die Kundgebung „Black lives matter“ sorgt weiterhin für Debatten. Wegen des starken Andrangs soll die Demonstration nicht mehr am Frankfurter Römerberg stattfinden.

Demonstrationen in der Größenordnung der Kundgebung unter dem Motto „Black lives matter“ am vergangenen Samstag wird es am Römerberg in der Corona-Krise voraussichtlich nicht mehr geben. Die Anmelder der Versammlung seien „im Hinblick auf besser geeignete Örtlichkeiten beraten“ worden, sagte Polizeisprecher Thomas Hollerbach. Der Sprecher des Ordnungsamts, Ralph Rohr, erklärte auf FR-Anfrage: Hätten die Anmelder angegeben, dass mehrere Tausend Menschen kommen würden, hätte es die Kundgebung vor dem Rathaus vermutlich nicht gegeben. Eine mögliche Alternative wäre das Rebstockgelände gewesen.

Zu dem Protest am Samstagnachmittag waren rund 8000 Menschen gekommen. Von den Anmeldern vorhergesagt waren laut Rohr nur 800. Die Bilder vom proppevollen Römerberg lösten vor allem in den sozialen Netzwerken eine emotionale Debatte aus. Zum einen waren viele begeistert ob des breiten Engagements gegen Rassismus. Auf der anderen Seite äußerten viele Menschen ihr Unverständnis, dass die Demonstranten dicht an dicht stehen durften.

Auch der sicherheitspolitische Sprecher der CDU im Römer, Christoph Schmitt, nannte die Bilder im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau „befremdlich“. Zwar sei das Ansinnen der Demonstranten zu begrüßen, offenbar habe es aber massive Probleme mit der Einhaltung der Abstandsregeln gegeben. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der vor dem Rathaus eine Rede hielt, hätte die Menschen darauf hinweisen müssen, dass sie nicht zu dicht nebeneinander stehen dürften, sagte Schmitt.

Auflösung war nie geplant

Die Polizei zeigte sich am Montag in ihrem Resümee unaufgeregt. Die „weit überwiegende Mehrheit“ der Demonstrantinnen und Demonstranten habe eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen, sagte Thomas Hollerbach. Dadurch werde auch bei engerem Beisammensein eine Übertragung von Viren deutlich erschwert.

Zudem hätten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zumindest versucht, „auch die Abstandsregel zu beachten, so lange dies faktisch möglich war“. Als es immer enger wurde, habe die Polizei – wie vorher mit den Anmeldern besprochen – den Paulsplatz als Versammlungsfläche ausgewiesen.

Überlegungen, die Versammlung wegen der fehlenden Abstände aufzulösen, habe es seitens der Polizei nie gegeben, sagte Hollerbach. Ein solcher Eingriff in die Versammlungsfreiheit wäre unverhältnismäßig gewesen. Auch in Zukunft werde es eine Entscheidung im Einzelfall bleiben, wie die Polizei auf Verstöße gegen die Regelungen zum Schutz vor dem Coronavirus reagiere. Erfreulich sei vor allem, „dass es die Menschen hier verstehen, ihren Protest friedlich kundzutun“.

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