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Sitzen im Schachbrettmuster ist doch nicht zulässig.

Lockerungen zurückgenommen

Keine geänderte Sitzordnung in den Städtischen Bühnen

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Stadt Frankfurt nimmt die Lockerung bei Städtischen Bühnen und anderen Theaterstätten bereits nach wenigen Tagen wieder zurück. Grund sei ein Fehler des Gesundheitsamts.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) zeigt sich „maßlos enttäuscht“. Die erst am 23. September von der Stadt verkündete Lockerung der Corona-Auflagen für die Städtischen Bühnen und alle anderen Theater musste wieder zurückgenommen werden. Das von Hartwig und Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) verkündete „Schachbrettmuster“ wurde vom städtischen Rechtsamt als klarer Verstoß gegen die Corona-Verordnung des Landes Hessen eingestuft.

Wie Majer sagt, wäre mit dem „Schachbrettmuster“ der vom Land vorgesehene Mindestabstand von 1,5 Meter zu den nächsten Sitznachbarn nicht einzuhalten gewesen. Geplant war, neben, vor und hinter einem Sitzplatz jeweils einen freizuhalten. Damit hätten nicht mehr wie bisher ganze Sitzreihen frei bleiben müssen, die Kapazität der Theater wäre von bisher 25 Prozent auf knapp 50 Prozent gestiegen.

„Es gab keinen Entscheidungsspielraum für die Stadt“, erklärt der Gesundheitsdezernent. Die Landesverordnung gehe vor und sei ausschlaggebend. Der Leiter des städtischen Gesundheitsamts, Réne Gottschalk, hatte nach den Worten der Kulturdezernentin das „Schachbrettmuster“ für „epidemiologisch unbedenklich“ erklärt.

Allerdings versäumte es das Gesundheitsamt nach den Angaben von Majer, beim Rechtsamt nachzufragen. Der Politiker räumt einen Fehler ein. Er erklärt ihn aber mit der immensen Belastung der städtischen Gesundheitsbehörde. „Dort arbeiten alle am Limit.“ Es fielen „Überstunden in enormem Umfang“ an.

Um die Situation zumindest ein wenig zu entspannen, hat der Magistrat jetzt 30 zusätzliche Stellen für das Gesundheitsamt geschaffen und sie auch kurzfristig zur Besetzung freigegeben. Das Gesundheitsamt zählte bisher 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Wie Majer sagt, müssen nach den Vorschriften des Bundes für die Nachverfolgung von Corona-Infektionen in den Gesundheitsämtern fünf Fachleute pro 20 000 Einwohner zur Verfügung stehen. Mit der Neuschaffung der 30 Stellen komme die Stadt Frankfurt diesen Anforderungen nach. Außerdem hätten sich mehr als 100 Freiwillige aus anderen Bereichen des Gesundheitswesens bei der Stadt gemeldet, um im Notfall das Gesundheitsamt zu unterstützen.

Majer beklagt, dass in der Bevölkerung die Disziplin bei der Befolgung der Corona-Vorschriften immer mehr nachlasse und die Fallzahlen deshalb stiegen. „Die 1,50 Meter Mindestabstand werden faktisch in der Realität immer weniger eingehalten, das ist ein großes Problem.“ Der Gesundheitsdezernent ist auch Leiter des dezernatsübergreifenden „Verwaltungsstabes Corona“ bei der Stadt.

Kulturdezernentin Hartwig hat die Städtischen Bühnen noch am Wochenende darüber informiert, dass das „Schachbrettmuster“ bei Oper und Schauspiel doch nicht eingeführt werden dürfe. Die Städtischen Bühnen hatten diese Lockerung beantragt, auch vom Konzerthaus Alte Oper liegt bereits ein Antrag vor. Hartwig hatte gehofft, die Neuregelung werde auch allen freien Theaterensembles in ihrer wirtschaftlichen Not helfen.

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