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Frankfurt: Keine Erdwärme fürs Heizkraftwerk West

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Von: Florian Leclerc

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Blick über die Gleise auf das Heizkraftwerk West. Foto: Peter Jülich
Blick über die Gleise auf das Heizkraftwerk West. Foto: Peter Jülich © Peter Juelich

Der Energieversorger Mainova hält an der Umstellung von Kohle auf Gas fest. Den Einsatz von Geothermie hat die CDU Frankfurt-Sachsenhausen gefordert.

Trotz hoher Gaspreise hält der Frankfurter Energieversorger Mainova an seinem Vorhaben fest, das Heizkraftwerk West (HKW) im Jahr 2026 von Steinkohle auf Erdgas umzustellen. Bagger haben auf dem Gelände des Kraftwerks bereits Platz geschaffen für die beiden neuen Gasturbinen. Sie lösen zwei Kohleblöcke ab.

Die Gasturbinen sollen in der Lage sein, Wasserstoff zu verbrennen und Strom und Heizwasser herzustellen. Das Heizwasser fließt ins Frankfurter Dampfnetz, das Fernwärmenetz, an das unter anderem die DFB-Akademie, der Uni-Campus Westend und der Palmengarten angeschlossen sind.

Laut Unternehmensangaben fließt Heizwasser mit einer Temperatur von bis zu 130 Grad Celsius und einem Druck von 13 Bar durch die Fernwärmeleitungen. Das Fernwärmenetz ist 300 Kilometer lang.

Heizkraftwerk soll Erdgas und Wasserstoff verbrennen können

„Das Heizkraftwerk wird von Beginn an ‚H2-ready‘ gemacht“, sagte der Sprecher Sven Birgmeier. Die Gasturbinen könnten zu 75 Prozent Wasserstoff nutzen und später auf 100 Prozent „Wasserstofffähigkeit“ umgerüstet werden, sagte er.

Allerdings sei Wasserstoff noch nicht in ausreichendem Maße verfügbar. Solange bleibe „Erdgas eine tragende Säule der zuverlässigen Fernwärmeversorgung und Stromerzeugung“.

Erdgas ist beim Verbrennen weniger klimaschädlich als Steinkohle. Durch die Umstellung stößt das Heizkraftwerk Unternehmensangaben zufolge von 2027 an jährlich etwa 400 000 Tonnen weniger Kohlendioxid aus. Demnach reduziert sich der CO2-Ausstoß damit um die Hälfte. Die Investition kostet 300 Millionen Euro.

Die Steinkohle, die im Heizkraftwerk West verbrannt wird, stammt aus den Vereinigten Staaten und aus Russland. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine prüft die Mainova, wie sie weniger Kohle aus Russland beziehen kann.

Einen Einsatz von Erdwärme lehnt das Unternehmen aus technischem und räumlichen Gründen ab. „Der Einsatz von Geothermie ist für die Anforderungen des Kohleersatzes am HKW West nicht geeignet“, sagte der Sprecher. Um das Fernwärmenetz zu speisen, müsse Dampf mit bis zu 340 Grad Celsius und 18 Bar Druck zur Verfügung stehen. Das Heizwasser aus Geothermie sei aber kühler und habe weniger Druck.

München baut Geothermie aus

Auf dem Kraftwerksgelände gebe es außerdem nicht genug Platz, um neben den beiden neuen Gasturbinen weitere Anlagen für Geothermie zu errichten, führte der Sprecher aus. „Der Umstieg auf Gase ist derzeit die technisch und wirtschaftlich sinnvollste Lösung für den Standort“, sagte er.

Die Forderung nach einer Umstellung des Heizkraftwerks West auf Tiefengeothermie statt auf Gas kommt von der CDU Frankfurt-Sachsenhausen und deren Vorsitzenden Jochem Heumann. Er wies darauf hin, dass das Wasser im Oberrheingraben und im Untergrund von Frankfurt in zwei bis drei Kilometern Tiefe bis zu 170 Grad warm sei. „Dieser natürliche Schatz muss gehoben und zur Gewinnung von Fernwärme, Strom und grünem Wasserstoff verwendet werden“, sagte er.

„Gas ist ein fossiler Brennstoff und somit klimaschädlich. Hingegen ist Tiefengeothermie klimaneutral und in unserer Region nahezu unbegrenzt verfügbar“, stellte Heumann fest.

In München versorgen die Stadtwerke bereits Tausende Wohnungen mit Fernwärme aus heißem Thermalwasser. Dort befindet sich unter anderem die größte Geothermieanlage Deutschlands, die Wärme für 80 000 Menschen liefern kann.

„Erdwärme wird ein wesentlicher Baustein der klimaneutralen Erzeugung von Wärme, Strom und grünem Wasserstoff werden. Frankfurt liegt geografisch günstig und muss endlich handeln“, sagte Heumann.

In Frankfurt wurde auf dem Rebstockgelände bereits erfolgreich nach Erdwärme gebohrt. Probebohrungen führte die Landesenergieagentur auch in 16 weiteren hessischen Kommunen durch. Das neue Rebstockbad in Frankfurt soll mit Erdwärme beheizt werden.

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