Studio Naxos

Naxoshalle erhält keinen Mieterlass

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Theatermann Willy Praml wendet sich mit der Bitte um Mieterlass an die Frankfurter Stadtverordneten - die nur eine Stundung der Miete gutheißen.

Den Stadtverordneten wird dieser Auftritt in Erinnerung bleiben. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages fielen in den Großen Saal des Dominikanerklosters, wo der Kulturausschuss tagte, da trat Theatermann Willy Praml an die vorderen Tische, um auf Einladung der Kulturdezernentin die Situation in der Naxoshalle darzustellen.

Es ist keine rosige Situation. „Das günstigste wäre für uns, gar nicht zu spielen“, sagte er. Denn auch wenn das Theater Willy Praml und das Studio Naxos die denkmalgeschützte Industriehalle mittlerweile umfunktioniert haben - die Schauspielerinnen und Schauspieler treten auf, wo sonst die Zuschauer sitzen, und die Zuschauerinnen und Zuschauer sitzen wiederum weit verteilt in der Halle - so reichten doch die Karten, die verkauft werden könnten, nicht aus, um den Betrieb wirtschaftlich zu halten.

„Ein Jahrhundertloch klafft im Etat, ein ich weiß nicht wie zu schließendes Finanzloch“, sagte der 79-Jährige mit der tiefen, rauen Stimme. Dann sprach er die Stadtverordneten an, bat sie: „Dieses Gremium ist in der Lage, das Thema Miete ändern zu können. Sie können die Miete, die wir für die Naxoshalle zahlen, streichen.“

Dazu ein Exkurs zu den Finanzen: Das Theater Willy Praml hat 2020 eine städtische Förderung von 85 000 Euro für sein Ensemble bekommen und 188 500 Euro für den Betrieb der Naxoshalle. Das Studio Naxos, eine Plattform für die regionale freie Szene, bekam 50 000 Euro. Insgesamt also 323 500 Euro - womit die Naxoshalle bei der Förderung mit an der Spitze der freien Theater steht, aber immer noch weit entfernt von Schauspiel, Oper oder Mousonturm.

Seit 2000 inszeniert das Theater Willy Praml in der alten Schleifmaschinenfabrik von 1906, die der Stadt gehört, und zahlt inklusive Nebenkosten 4500 Euro im Monat, also 54 000 Euro im Jahr, wie Jana Kremin, die Sprecherin von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) mitteilte. 150 Veranstaltungen - Theater, Kino, Konzerte, Lesungen, Diskussionen - stellt die Naxoshalle im Jahr auf die Beine.

Die Miete für die Naxoshalle habe die Stadt in diesem Jahr gestundet, teilte Günter Murr, der Sprecher von Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU), mit - wie es auch Stundungen gegeben habe für weitere städtische Liegenschaften, in denen etwa Frisöre, Gaststätten und Praxen untergebracht sind. Auch die Miete für die Batschkapp wurde demnach gestundet. „Wir prüfen jede Stundung im Einzelfall“, sagte Murr. Ein Mieterlass sei „aus haushalterischen Gründen nicht möglich“, sagte er, und verwies auf Vorgaben von Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU).

Auch Thomas Dürbeck (CDU) sagte im Kulturausschuss, man könne Geld immer nur einmal ausgeben „und wenn wir ihnen entgegenkommen, entstehen irgendwo anders neue Löcher.“ Renate Wolter-Brandecker (SPD) meinte, die erste Stundung sei gut gewesen und eine zweite Stundung wäre auch gut. „Was wünscht sich die freie Theaterszene noch außer der Mietübernahme?“, fragte Martin Kliehm (Linke). Die Antwort: Den Umbau der Naxoshalle zum Zentrum der freien Theaterszene. Das Konzept liegt der Römer-Koalition mittlerweile vor.

Mehr Glück als bei den Stadtverordneten hatte die Naxoshalle übrigens bei ihren Gästen. Die spendeten mittlerweile 57 246 Euro - genug für die Jahresmiete.

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