Wirtschaft

Kein Jubel nach wirtschaftlichem Rekordjahr

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Die Wirtschaftsförderung blickt auf ein Jahr 2019 zurück, das angesichts von Corona niemandem mehr hilft. Unternehmen aus Logistik, Mobilität und Tourismus leiden besonders.

Die Wirtschaftsförderung Frankfurt blickt auf ein Rekordjahr 2019 zurück. Großer Jubel kam bei der Präsentation der Zahlen am Donnerstag angesichts der aktuellen Corona-Flaute allerdings nicht auf. „Wir präsentieren eigentlich einen Gruß aus der guten Zeit“, gestand Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU). So ist etwa der Rekord von 611 470 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen in Frankfurt eine vermutlich schon wieder vergangene Momentaufnahme.

Für den Beschäftigungszuwachs war auch ein Stück weit der Brexit verantwortlich. So kamen im Bereich der Finanzbranche allein im vergangenen Jahr trotz des allgemeinen Stellenabbaus in der Branche 1642 Arbeitsplätze dazu, 31 Finanzinstitute siedelten sich neu in Frankfurt an. Den größten Zuwachs an Arbeitsplätzen gab es im IT-Sektor, in dem die Zahl der Arbeitsplätze um 4700 auf knapp 40 000 stieg.

Wirtschaftsförderung Die Wirtschaftsförderung Frankfurt wurde 1987 gegründet und hat derzeit knapp 50 Mitarbeiter, so viele wie noch nie zuvor. Die GmbH ist ein Tochterunternehmen der Stadt Frankfurt, Vorsitzender des Aufsichtsrats ist Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU). Das Unternehmen unterstützt in Frankfurt ansässige Firmen bei Fragen und Anliegen. Es vermittelt Sponsoren oder Kredite der hessischen Wi-Bank. Wifö-Geschäftsführer Oliver Schwebel verweist stolz darauf, dass die Erweiterung der Außengastronomie in Frankfurt ebenfalls auf Initiative der Wirtschaftsförderung zustande kam. Auch bei Unternehmen, die sich in Frankfurt ansiedeln wollen, versucht die Wifö zu helfen. www. frankfurt-business.net Doch neben zuletzt boomenden Branchen gibt es auch solche, in denen sich auch vor der Pandemie nicht viel tat, nämlich jene, die auf gewisse Flächen angewiesen sind. Oliver Schwebel, der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung (Wifö), verweist darauf, dass die Stadt in den vergangenen fünf Jahren 60 Hektar Gewerbefläche verloren habe und das, obwohl eigentlich 140 Hektar zusätzliche Fläche notwendig seien. „Wir können Firmen, die sich hier ansiedeln wollen, nicht die Flächenangebote machen, die das Umland machen kann“, klagt Schwebel und auch Stadtrat Frank konstatiert, das Thema Flächen sei „ein schlimmer Flaschenhals“. Daher sei beabsichtigt, bei großen Flächen, die künftig entwickelt würden, 30 Prozent für die Entstehung von Arbeitsplätzen zu reservieren. „Wir wollen uns für gewerbliche Kunden noch stärker engagieren“, versprach Frank.

Die Branchen Logistik, Mobilität und Tourismus brauchen wohl erst mal keine zusätzlichen Flächen, denn diese Sparten würden derzeit am meisten unter der Corona-Krise leiden. Die Logistiker leiden unter der Flaute am Flughafen, der derzeit laut Frank nur 20 Prozent seiner Kapazität benötige. Den beiden anderen Branchen fehlen schlichtweg die Menschen. Touristen und Geschäftskunden bleiben aus und auch die Zahl der Einpendler ist gering, angesichts von aktuell 193 000 Menschen in Frankfurt, die als Kurzarbeiter gemeldet sind, und vielen Berufstätigen, die im Homeoffice arbeiten.

Die Wifö hat alle Branchen einzeln analysiert. Prognosen, wie viele Unternehmen durch die Corona-Krise auf der Strecke bleiben, vermag Schwebel jedoch nicht abzugeben. Betroffen seien vor allem junge Unternehmen, die noch keine ausreichenden Rücklagen gebildet hätten und solche, denen es auch schon vor der Corona-Krise schlecht gegangen sei. Restaurantketten wie Maredo oder Va Piano etwa seien schon aus dem Stadtbild verschwunden.

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