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Passanten bleiben stehen und hören den Glocken zu. Rolf Oeser
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Passanten bleiben stehen und hören den Glocken zu. Rolf Oeser

Frankfurt

Frankfurt: Kein Gedränge beim Stadtgeläut

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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Nach zehnmonatiger Unterbrechung erklingen die Glocken wieder live.

Die Arme hinter dem Rücken verschränkt, steht Fritz Koch am Samstagnachmittag auf dem Römerberg. Während zahlreiche Passant:innen vorbeilaufen, lauschen er und mehrere verstreut stehende Menschen dem „Großen Stadtgeläut“, das nach zehnmonatiger Unterbrechung erstmals wieder live von den Glocken der Innenstadtkirchen erklingt. Angefangen mit den ersten Glockenschlägen an der Paulskirche, die noch vor dem offiziellen Beginn um 16.30 Uhr eingesetzt haben, vervielfältigt sich das Geläut über die Katharinen- und die Alte Nikolaikirche bis zum Dom.

Koch, der im Westend wohnt und mit Frau und Kindern da ist, lässt den Blick über den Rathausplatz schweifen. „Man sieht ja, es ist nicht richtig viel los“, sagt er. Zu der „schönen Frankfurter Tradition“, wie der 63-Jährige es formuliert, sei er mit der Familie schon oft gekommen, meist zu Weihnachten, um bei einem „Gläschen Sekt Freunde zu treffen“. Da sei es bedeutend voller gewesen. An Heiligabend ist neben dem Samstag vor dem Ersten Advent sowie dem Samstag vor Pfingsten der vierte Termin des Stadtgeläuts.

Eine Frau aus dem Nordend, die ihre Kinder im Lastenrad mitgebracht und am Paulsplatz gehalten hat, wo sich die Zuhörer:innen ebenfalls relativ weitläufig verteilen, sagt, „das bringt was Feierliches in diese beschissene Tristesse“. Schon seit 20 Jahren habe sie das Stadtgeläut vor Ort hören wollen, sei jedoch immer auf Reisen gewesen. Und das wäre ohne die Einschränkungen durch die Pandemie auch dieses Mal der Fall gewesen. „Eigentlich würden wir jetzt mit einem Hausboot auf der Havel schippern“, sagt die 41-Jährige. „Superschön“ findet sie die Klangkulisse des Stadtgeläuts.

Das große Gedränge bleibt auch in der neuen Altstadt, auf dem Weg zum Dom, aus. Lediglich vor der Schirn hat sich eine gemischte Gruppe mittleren Alters, rund ein Dutzend Frauen und Männer, alle ohne Masken, mit Getränken und Brezeln um einen Stehtisch versammelt.

Die meisten aber, etwa in der Altstadtgasse Markt, stehen mit Maske und reichlich Abstand zueinander am Rand des Wegs. Einige wenige halten Handy oder Aufnahmegerät Richtung Dom, um das Geläut aufzunehmen. Dabei kann es auf der Internetseite der Stadt heruntergeladen werden. Erstmals überträgt auch ein Radiosender live. In der Seitenstraße des Doms, Am Pfarrturm, stehen zwei junge Männer, die aus Portugal zu Besuch sind. „Relaxing“ findet der eine das Glockenspiel. Einige Meter entfernt steht Siggi Tröppner mit ihrer Freundin Renate Schmidt. Tröppner folgt den letzten Glockenschlägen mit Handbewegungen wie eine Dirigentin. Fast alle Stationen des großen Geläuts seien sie abgeschritten, berichten die Sachsenhäuserinnen und Tröppner zieht dazu ihren handgeschriebenen Plan aus der Tasche, auf dem Minutenangaben für die jeweilige Verweildauer sowie die Zahl der Glocken notiert sind.

„Nur das Karmeliter- und Dominikanerkloster haben wir nicht geschafft“, sagt sie. „Die einzelnen Glocken bewusst zu hören“, gefällt Schmidt am besten. Beide Frauen sind sich einig: Die knapp 12 000 Kilogramm schwere „Gloriosa“, eine der neun Glocken im Dom, klingt mit ihren tiefen Tönen am besten. Das findet übrigens auch Fritz Koch.

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