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Frankfurt: Kein Anspruch auf Schadenersatz nach Kofferklau

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Von: Oliver Teutsch

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Am Frankfurter Flughafen ging zuletzt häufiger Gepäck verloren. Foto: Michael Schick,
Am Frankfurter Flughafen ging zuletzt häufiger Gepäck verloren. Foto: Michael Schick, © Michael Schick

Fraport haftet nicht für gestohlenes Gepäck am Flughafen, selbst wenn es 300 000 Euro wert ist.

Wenn Gepäck am Flughafen gestohlen wird, kann dafür nicht der Flughafenbetreiber haftbar gemacht werden. Zwar gebe es eine Übereinkunft, wonach dieser die Gepäckabfertigung übernimmt, der Vertrag habe aber keine Schutzwirkung zugunsten der Passagiere, urteilte das Landgericht Frankfurt.

Geklagt hatte ein Paar aus Saudi-Arabien, das im Februar 2020 mit einem Flug aus Bahrein in Frankfurt gelandet war. Unterwegs waren die beiden mit fünf Koffern der Marke Louis Vuitton, in denen sich hochwertige Kleidung befunden haben soll.

Auf das Gepäck hatten es besonders trickreiche Diebe abgesehen. Denn während ein von Fraport beauftragter Mitarbeiter das Gepäck entlud, kamen ihm zwei Männer in schwarzen Hosen und gelben Warnwesten vermeintlich zur Hilfe. Die Männer waren mit einem Kleinwagen vorgefahren und veranlassten den Mitarbeiter, die Koffer ab- und in ihr Auto umzuladen. Dann verschwanden sie mit der Beute.

Die Reisenden klagten nach dem Verlust gegen Fraport und gaben den Wert ihres Gepäcks mit rund 300 000 Euro an. Das Landgericht lehnte die Klage ab. Fraport habe keine Verkehrssicherungspflichten verletzt. Das Gepäck war auf dem Vorfeld, einem besonders abgesicherten Bereich abhandengekommen. Die Täter hätten sich trickreich verhalten, ihr Auftreten sei plausibel gewesen.

„Durch ein solches Vorgehen wäre auch ein noch so sorgfältig ausgewählter und angeleiteter Mitarbeiter überlistet worden“, urteilte das Gericht. Ein Anspruch bestehe lediglich gegenüber der Fluggesellschaft – allerdings ist der nach dem sogenannten Montrealer Übereinkommen auf maximal rund 1600 Euro pro Gepäckstück beschränkt. Eine gesonderte Versicherung für das Gepäck hatte das Paar nicht abgeschlossen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Az. 2-28 O 238/21

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