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„Trauriger“ Ausverkauf im Frankfurter Karstadt: Die Hoffnung schwindet

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Auf der Zeil in Frankfurt hat der Ausverkauf im Karstadt begonnen. Mitarbeiter, sowie Kunden bangen um den Erhalt des Kaufhauses. Hunderte Arbeitsplätze sind betroffen.

  • Im Karstadt auf der Zeil beginnt der Ausverkauf.
  • Ende Oktober soll die Karstadt-Filiale in Frankfurt schließen.
  • Die Hoffnung auf eine Rettung des Karstadt in Frankfurt schwindet.

In pinkfarbener Schrift auf knallgelbem Hintergrund steht am Karstadt-Schaufenster auf der Zeil: „Wir schließen“. Die fröhlichen Farben wirken mehr als zynisch bei der bitteren Wahrheit, dass 240 Karstadt-Mitarbeiter sehr wahrscheinlich ihre Arbeitsstelle verlieren. Kundin Claudia (27) schaut sich an diesem Donnerstag Ringe an, die wie fast alles hier im Kaufhaus reduziert sind. Beim „großen Sortimentsabverkauf bis zu 50 Prozent“. Kein Massenandrang, keine Kundinnen, die sich am Wühltisch um eine Hose reißen.

Ihren vollen Namen will Claudia nicht nennen. Aber die Frankfurterin will etwas zur drohenden Schließung sagen: „Ich habe eben erst mitbekommen, dass sie Ende Oktober schließen. Das geht doch nicht. Meine ganze Familie geht zu Karstadt. Karstadt ist Kult und gehört einfach zur Zeil. Ich liebe die Stoffabteilung, so eine Auswahl gibt es sonst nirgends in der Stadt.“

Die Karstadt-Filiale auf der Zeil schließt Ende Oktober

Ausverkauf bei Karstadt: 400 Arbeitsplätze in Frankfurt betroffen

Matthias Schäfer, Gewerkschaftssekretär, Fachbereich Handel, von Verdi Frankfurt sagt: „Die Schließung ist noch nicht zu 100 Prozent sicher, wir haben noch Resthoffnung. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hatten versprochen sich einzusetzen. Aber desto länger die Zeit vergeht, desto mehr schwindet die Hoffnung.“ Genau einen Monat zuvor hatten Karstadt-Mitarbeiter auf der Zeil gegen die Schließung protestiert. Es war eine von mehreren Protestaktionen. Insgesamt seien 400 Arbeitsplätze betroffen. „Es gibt auch noch die Leute, die beispielsweise in der Lebensmittelabteilung arbeiten, aber eben keine Karstadt-Mitarbeiter sind“, sagt Marcel Schäuble von Verdi. 50 von 172 Filialen der Kette Galeria-Karstadt-Kaufhof sollen bundesweit schließen.

Karstadt-Schließung in Frankfurt: Ausverkauf mit einem „schlechten Gefühl"

„Also, ich habe keine Hoffnung mehr. Ich habe auch schon angefangen, Bewerbungen zu schreiben. Aber in Corona-Zeiten ist das sauschwer“, sagt ein Mitarbeiter. Seine Kollegin will nichts mehr zu der Situation sagen. Eine 60-Jährige sagt, der Ausverkauf sei nicht der Grund, weshalb sie hier sei, sondern sie brauche eine Grußkarte. „Ich bin mit einem schlechten Gefühl reingegangen, es ist traurig. Für die Mitarbeiter eine Katastrophe.“

Amelie (24) will sich reduzierte Calvin-Klein-Unterwäsche holen. „Klar, freue ich mich über die Reduzierung, wünschte mir aber, dass sie einen anderen Grund hätte.“ Eine 79-Jährige sagt, sie werde die Mitarbeiterinnen vermissen, die so freundlich, geduldig und fachkundig seien. „Als ich vor 50 Jahren nach Frankfurt zog, gab es noch so viele tolle Kaufhäuser auf der Zeil. Ich habe Angst, dass es zukünftig nur noch diese Modeketten für junge Leute gibt. Ich kann doch in meinem Alter dort nicht mehr einkaufen gehen und dann mit diesen knallbunten Shirts rumlaufen.“

Ausverkauf in Frankfurt: Auch Karstadt Sports wird dichtmachen

Wenige Gehminuten weiter hat auch der Ausverkauf bei Karstadt-Sports begonnen. „Wir schließen definitiv Ende Oktober“, sagt eine Verkäuferin. 30 Mitarbeiter sind betroffen. Die Verkäuferin gibt einer Kundin einen Briefvordruck an Karstadt-Kaufhof-Eigentümer René Benko: „Mit Entsetzen habe ich festgestellt, dass Sie Ihren Mitarbeitern nicht mal eine Transfergesellschaft finanzieren wollen.“ Laut Verdi hatte die Belegschaft auf der Zeil zumindest diese Option. So hätten sie sechs Monate Zeit für Schulungen und würden nicht gleich in die Arbeitslosigkeit rutschen.

Rubriklistenbild: © Christoph Boeckheler

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