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Frankfurt bleibt sein traditionsreiches Kaufhaus Karstadt auf der Zeil vorerst erhalten.

Einzelhandel

Frankfurt: Karstadt bleibt bis 2025

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Einigung zwischen Vermieter und Konzern / Neubau auf Gelände von Karstadt-Sport

Frankfurt bleibt sein traditionsreiches Kaufhaus Karstadt auf der Zeil vorerst erhalten. Nach langen, zähen Verhandlungen einigten sich der Vermieter und die Geschäftsführung des Konzerns am Freitag darauf, die bestehende Filiale bis zum 31. Januar 2025 zu erhalten. Damit soll der Konzern noch das Weihnachtsgeschäft 2024 komplett mitnehmen können.

Anfang April hatte das Unternehmen berichtet, es erwarte 2020 durch Corona einen Umsatzverlust von einer Milliarde Euro. Mitte Juni kündigte der Warenhausriese dann an, insgesamt 62 der 172 Warenhäuser schließen zu wollen.

„Wir haben einen guten, guten Tag heute“, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Rainer Hopf. Für die noch rund 210 Mitarbeiter sei die Nachricht „eine große Erlösung zwischen Tränen und Freude gewesen“, ergänzte Betriebsratskollegin Kati Strack. Die schon ausgesprochenen Kündigungen zum 31. Oktober sollen zurückgenommen werden.

Auch der Vermieter, die Sahle Wohnen, zeigte sich mit dem Deal zufrieden. „Das ist für alle Leute gut. Wir können in Ruhe planen und in der Stadt klafft kein Loch“, sagte eine Unternehmenssprecherin der FR. Großen Anteil an der Rettung soll laut Betriebsrätin Strack auch das Planungsdezernat von Mike Josef (SPD) gehabt haben. Josef hatte in den monatelangen Bemühungen um eine Einigung immer wieder zwischen dem Vermieter und dem Konzern Signa als Eigentümer von Galeria Karstadt Kaufhof moderiert. „Es ist ein guter Tag für Frankfurt und den Einzelhandel“, sagte Josefs Sprecher Marcus Gwechenberger.

Das Planungsdezernat kündigte zudem umfassende Änderungen in der Innenstadt an. So soll für die nördliche Zeil ein Rahmenkonzept erarbeitet werden, um sie für den Einzelhandel wieder attraktiver zu machen. Die Vertragsgarantie bis Anfang 2025 helfe daher nicht nur, die Arbeitsplätze bei Karstadt zu sichern, sondern auch, in Ruhe ein nachhaltiges Zukunftskonzept für den Block zwischen Zeil, Brönnerstraße und Schäfergasse zu entwickeln, betonte das Planungsdezernat.

Signa um den österreichischen Unternehmer Rene Benko ist Eigentümer mehrerer Schlüsselgrundstücke in der Frankfurter Innenstadt. Neben dem Kaufhof an der Hauptwache auch der Karstadt Sport an der Katharinenkirche und das Grundstück am Opernplatz 2. In den Verhandlungen könnte die Stadt Benko Zugeständnisse für die Bebauung der anderen Grundstücke gemacht haben.

Eine getroffene Vereinbarung zwischen der Stadt und der Signa sieht jedenfalls vor, dass der Kaufhof an der Hauptwache auf einen Teil des Nachbarobjekts Upper Zeil erweitert wird. Auf dem Gelände von Karstadt Sport soll ein neues Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Die derzeitige Filiale wird abgerissen, an der Kreuzung Kleiner Hirschgraben/Katharinenpforte soll Gastronomie entstehen.

Am Opernplatz 2 will Signa ebenfalls ein größeres Büro- und Geschäftshaus errichten. Die Stadt werde nun prüfen, ob an der Stelle, wo früher das bekannte Restaurant Mövenpick

war, „ein Hochhaus städtebaulich begründbar ist“, so Gwechenberger. Eine zusätzliche Verschattung des Opernplatzes soll vermieden werden.

An eine Rettung der Karstadt-Filiale auf der Zeil hatten zuletzt nur noch die kühnsten Optimisten geglaubt. Immer wieder waren weitere Filialen von der ominösen Schließungsliste der Konzernspitze verschwunden, zuletzt auch der Kaufhof Stachus in München. Doch bei dem Karstadt-Haus auf der Zeil schienen die Verhandlungen trotz guter Umsätze und der attraktiven Lage festgefahren.

Umso glücklicher sind die Mitarbeiter jetzt. „Die letzten Monate wünscht man seinem ärgsten Feind nicht“, bekannte Betriebsrat Hopf. Vor allem der Ausverkauf, bei dem Schnäppchenjäger wie Heuschrecken über das Haus hergefallen waren, sei für die Mitarbeiter in der ungewissen Situation sehr belastend gewesen. Es seien Umsätze wie zur Weihnachtszeit gemacht worden, aber dies nur mit einem Drittel der früheren Belegschaft.

Wie lange der Abverkauf jetzt noch läuft, konnte Hopf nicht sagen, da gelte es aber, Fristen einzuhalten. „Wir werden auf alle Fälle einige Wochen brauchen, um das Haus wieder auf Vordermann zu bringen, das war zuletzt ein Schlachtfeld“, bekannte Hopf. mit dpa

Die Stimmung bei den Mitarbeitenden in der geretteten Karstadt-Filiale auf der Zeil in Frankfurt ist angespannt. Die Kundinnen und Kunden freuen sich über die Neuigkeiten.

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