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Verschiedene Nutzungen, verschiedene Wasserqualitäten – so kann es auch in den Privathaushalten gelingen.
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Verschiedene Nutzungen, verschiedene Wasserqualitäten – so kann es auch in den Privathaushalten gelingen.

Wasserknappheit

Frankfurt kann von Namibia und Angola lernen

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Wenn das Wasser knapp wird, müssen wir es endlich mehrfach nutzen, fordern Fachleute. Dazu sollten wir neue Wege gehen – bevor es zu spät ist.

Wie viel Wasser brauchen wir künftig und wo soll es herkommen? Mit den Fragen setzen sich Forscher nicht erst auseinander, seit die Trockensommer eine Antwort besonders dringend erfordern. „Es wird immer brisanter“, sagt etwa Stefan Liehr, Forschungsschwerpunktleiter Wasserressourcen und Landnutzung beim Institut für sozial-ökologische Forschung (Isoe) jüngst bei einer Onlinediskussion.

„Es hat viel geregnet in diesem Frühjahr – aber die Bodenfeuchte ist noch lange nicht auf dem Normalzustand“, sagt Liehr. „Dürrejahre bauen ein Defizit auf, das nicht so schnell ausgeglichen werden kann.“ Sein Kollege Robert Lütkemeier, Fachmann für Wasserressourcen und Landnutzung, macht auf ein Phänomen aufmerksam: „Lange Zeit ist die Wasserentnahme aus der Natur gestiegen – seit den 90er Jahren stagniert sie aber oder ist sogar leicht rückläufig.“

Das liege an der technischen Entwicklung, aber auch am Verbraucherverhalten, löse das Problem aber nicht. Zugleich steige nämlich der Verbrauch besonders stark an, je heißer es werde, und vor allem habe Corona eine große Veränderung gebracht.

In einem Testgebiet bei Hamburg zeigte sich, dass die morgendliche Wasserverbrauchsspitze glatte zwei Stunden später eintrat als vor der Pandemie, und dass die zweite Spitze am Nachmittag stärker ausgeprägt war. „In dem Gebiet hat sich der Wasserverbrauch um 14 Prozent erhöht“, sagt Stefan Liehr, deutlich mehr als bei den üblichen Schwankungen wegen Hitze und Trockenheit.

Als „ganz zentralen Punkt“ nennen die Fachleute die sogenannte Grauwassernutzung – also die Wiederverwendung des einmal genutzten Frischwassers. Da lasse sich aus den Erfahrungen anderer Länder lernen, sagt Lütkemeier, der unter anderem in Namibia und Angola geforscht hat. „Dort fällt sechs Monate im Jahr gar kein Regen. Man muss lernen, damit auszukommen.“ Dabei helfen unterschiedliche Qualitätsstufen für unterschiedliche Wassernutzungsarten: „Das Wasser, mit dem man geduscht hat, kann man für die Toilettenspülung verwenden.“ Die Toilette säuft übrigens fast ein Drittel des Verbrauchs in Privathaushalten. Größte Entnehmerin von Wasser aus der Natur ist aber laut Isoe die Energiewirtschaft mit 50 Prozent.

Sparen ist dringend geraten, aber wie? Wasser teurer machen sei ein Weg, sagen die Experten. Paul Guckelsberger von der Hochschule Rhein-Main fordert, natürliche Rückhalteflächen zu reaktivieren, in denen der Wald einst selbst für trockene Zeiten Wasser sparte. „Das Wasser in der Landschaft halten“, rät er, „und die Städte zu Schwammstädten machen – nicht alles drainagieren.“

Mainwasser sei im Übrigen nicht zwangsläufig die Lösung, sagt Stefan Liehr: „Was ist, wenn der Main im Sommer zu wenig Wasser führt? Flüsse sind im Klimawandel nicht mehr die völlig sichere Wasserquelle.“ Wichtig sei, dass die Städte sich jetzt an den Klimawandel anpassten und auch Geld dafür investierten, betont Liehr. „Sonst werden die Folgen des Klimawandels kommen, und dann kann das kippen.“

Es gehe darum, Lasten gleichmäßig zu verteilen und die nötige Schritte „zentral zu regulieren“. Da fühlt sich Hans-Georg Dannert angesprochen, Stadtklima-Experte im Frankfurter Umweltamt. „Wir sind unterwegs zu einer Gestaltungssatzung Freiraum und Klima“, sagt er. Darin seien unter anderem Vorgaben für den Häuserbau enthalten, was Regenwasserrückhalt und -nutzung angehe. Wichtig seien Wasserstauflächen. „Das Problem ist, dass die meisten Flächen in Frankfurt bebaut oder in privater Hand sind. Aber wir sind dran.“

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