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Frankfurt: „Kanaken“-Sprüche vor dem Neujahrsempfang der Stadt

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Von: Pitt von Bebenburg, Timur Tinç

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Der Frankfurter Gewerkschafter Michael Erhardt berichtet über rassistische Bemerkungen von PR-Berater Moritz Hunzinger. Es wäre nicht die erste Entgleisung des CDU-Mitglieds.

Frankfurt - Der PR-Berater Moritz Hunzinger soll beim Warten auf den Einlass in den Römer vor dem Neujahrsempfang der Stadt Frankfurt mehrfach das Wort „Kanaken“ gesagt haben. Das berichtet Michael Erhardt, Erster Bevollmächtigter der IG-Metall-Geschäftsstelle Frankfurt. In einem Gedächtnisprotokoll hat er die Konversation von vor einer Woche mit Hunzinger festgehalten. Hunzinger selbst äußerte sich auf FR-Anfrage nicht.

Nach diesem Gedächtnisprotokoll soll sich die Angelegenheit so zugetragen haben: Beim Warten habe jemand erzählt, dass er mit öffentlichen Verkehrsmitteln gekommen sei, und über die Mitfahrenden gesagt, dass in der U-Bahn vielleicht die Hälfte eine Maske trage. „Die Kanaken tragen keine“, habe er hinzugefügt. Darauf habe sich Erhardt umgedreht und den Mann aufgefordert, diesen Begriff zu unterlassen. Zu dem Zeitpunkt wusste er noch nicht, dass es sich um Hunzinger handelte. Dieser soll erwidert haben: „Aber das sind Kanaken.“ Erhardt habe ihm gesagt, dass das rassistisch und menschenverachtend sei. „Daraufhin sagte er, ich nenne sie weiter Kanaken, ob Ihnen das passt oder nicht“, berichtet Erhardt weiter.

Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg fand beim Neujahrsempfang auch klare Worte gegen Rassismus.
Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg fand beim Neujahrsempfang auch klare Worte gegen Rassismus. © Rolf Oeser

Frankfurter Neujahrsempfang: Rassistische Entgleisung von CDU-Mitglied

In seinem Protokoll schildert Erhardt weiter, er habe dem Mann entgegnet, dass so jemand wie er nicht nach Frankfurt und auch nicht auf diesen Neujahrsempfang gehöre. Es habe anschließend noch eine Diskussion über die Konstablerwache gegeben, und das Gespräch habe vorerst damit geendet, dass Erhardt in Aussicht gestellt bekommen habe, eine Visitenkarte seines Gegenübers zu bekommen. „Bei der Einlasskontrolle bat ich dann um seine Visitenkarte. Er sagte, er hätte jetzt doch keine dabei. Sein Name sei jedoch Hunzinger. Er sei über Google zu finden. Moritz Hunzinger“, berichtet Erhardt.

Es wäre nicht die erste Entgleisung von Hunzinger. Im August 2019 hatte der damalige CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer auf seiner Facebook-Seite einen alten Brief von Helmut Kohl veröffentlicht, der über den Kurs der Union informiert. Das verleitete Hunzinger zu der Aussage: „Mit Kohl gäbe es diese scheußliche Masseneinwanderung von Wilden hierzulande nicht.“

Im September 2019 musste der Chef der hessischen Filmförderung, Hans Joachim Mendig, seinen Hut nehmen, weil er sich mit dem AfD-Vorsitzenden Jörg Meuthen getroffen hatte. Mit dabei war auch Moritz Hunzinger.

Frankfurt: Hunzinger tritt seit Jahren im Umfeld der hessischen Politik in Erscheinung

Im Januar 2022 war Hunzinger, der nach eigener Aussage seit 1975 Mitglied in der CDU ist, an einer Online-Veranstaltung der Werte-Union beteiligt, die sich als „konservative Basisbewegung“ von Unionsmitgliedern beschreibt. Die Veranstaltung ist auf Youtube abrufbar. Darin sagte der PR-Berater: „Ich bin nicht Mitglied der CDU geworden, damit zwei Millionen erkennbar unintegrierbare Muslime vorwiegend aus Steinzeitländern zu mir nach Deutschland kommen.“

Moritz Hunzinger tritt schon seit Jahren im Umfeld der hessischen
Moritz Hunzinger tritt schon seit Jahren im Umfeld der hessischen Politik in Erscheinung. © imago/Jan Huebner

Ferner beklagte er unter anderem, dass zu viele Journalisten mit Migrationshintergrund in öffentlich-rechtlichen Sendungen zu sehen seien: „Wenn ich das Morgenmagazin anschaue, um auf Temperatur zu kommen, haben wir da jetzt über die Hälfte Gesichter, die definitiv einen Migrantenhintergrund haben. Das ist mir zu überdimensioniert“, sagte er.

Hunzinger tritt schon seit Jahren im Umfeld der hessischen Politik in Erscheinung. Im Jahr 1998 förderte er den Wahlkampf des damaligen CDU-Spitzenkandidaten Roland Koch mit einer massiven Werbekampagne für dessen Buch „Vision 21“. Koch gewann die Landtagswahl 1999 – mit einem umstrittenen Wahlkampf gegen die doppelte Staatsbürgerschaft. (Timur Tinç/Pitt von Bebenburg)

Vor kurzem gab es auch in der Frankfurter SPD eine rassistische Entgleisung. Thomas Bäppler-Wolf aus dem Frankfurter Stadtparlament wollte die Randalierer der Berliner Silvesternacht dorthin zurückschicken, „wo sie hergekommen sind“. Später entschuldigte er sich für die Äußerung.

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