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Sie wollen sie selbst sein.

Mädchentag

Mädchentag in Frankfurt: Kampfansage an alte weiße Männer

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Selbstbewusst und mit viel Elan wird beim „Walk of Girls“ mehr Gerechtigkeit auf der Welt und in Frankfurt gefordert.  

Am Treffpunkt Willy-Brandt-Platz werden um die Mittagszeit dunkelblaue T-Shirts, Trillerpfeifen und Buttons verteilt. Etwa zweihundert Mädchen zwischen 6 und 19 Jahren haben sich eingefunden, um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass sie sich Anmache nicht gefallen lassen und ihren eigenen Weg gehen wollen: „Ich bin eine Frau, soll ich es Buchstabieren: BOSS“ lautet der Text von mehreren Plakaten. Eine 16-Jährige erklärt, dass es sich um eine ernst gemeinte Kampfansage handelt. „Wir wollen auch mal bestimmen“, sagt sie. „Was die alten weißen Männer können, können wir schon lange“, ergänzt eine Mitschülerin.

Es ist Freitag, der letzte Ferientag, und natürlich sind auch wieder die Fridays-for-Future-Leute unterwegs. Linda Kagerbauer vom städtischen Frauenreferat betont in ihrer Begrüßungsrede, dass die Mädchen die Forderungen der Umweltaktivisten unterstützen. Wer sich für eine gerechte Welt engagieren möchte, werde sich auch für die Umwelt einsetzen, sagt sie. Die wichtigsten drei Silben an diesem Nachmittag aber sind: „Mäd-chen-tag“. Unzählige Male werden sie am Willy-Brandt-Platz und später beim „Walk of Girls“ durch die Innenstadt gebrüllt.

Hauptwache, Zeil und die Berger Straße sind nur einige der Stationen an denen immer wieder „Mäd-chen-tag“ gerufen wird. Von Jahr zu Jahr würden sich mehr Mädchen beteiligen, meint eine Mitarbeiterin des Frauenreferats. Inzwischen sei es „cool“ geworden, auf die Straße zu gehen. In der Mädchenarbeit sei es gelungen, „sexistische Strukturen“ sichtbar zu machen und die Mädchen zu ermutigen, sich gegen gängige Klischees zur Wehr zu setzen. So lautet der Spruch, der in diesem Jahr auf dem blauen T-Shirt steht: „Beauty does not need make up“. Frei übersetzt: Frauen sind auch ohne Schminke schön.

Oft sind die Mädchen in Gruppen aus den Stadtteilen gekommen: etwa von der Kinder- und Jugendgruppe der evangelischen Kirche in Griesheim oder vom Kinderzentrum Herxheimer Straße im Gallus. „Wir sind hier und wir sind laut“, heißt ein anderer Spruch und tatsächlich dröhnt es immer wieder unüberhörbar aus dem fröhlichen und bunt gemischten Demonstrationszug heraus: „Mäd-chen-tag“. Bis zum Heideplatz im Nordend laufen die Mädchen. Dann geht die Party mit Musik, Tanz, Workshops und etwas zu essen im Jugendhaus weiter. Immer noch haben die jungen Leute jede Menge Power und Selbstbewusstsein. Einen Nebeneffekt dürfte es allerdings geben: Die große Heiserkeit nach dem „Mäd-chen-tag“.

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