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Frankfurt: Kampf um Wallanlagen bekommt neue Dynamik

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Planungsdezernent Mike Josef (SPD) will den öffentlichen Raum rund um die City möglichst ohne Eingriff ins Grün beleben.

Sie haben ihren 200. Geburtstag schon hinter sich, die grünen Wallanlagen rund um die Frankfurter Innenstadt. Denn sie waren entstanden, nachdem die Stadt Frankfurt zwischen 1806 und 1812 alte Befestigungswerke hatte schleifen lassen, weil sie militärisch sinnlos geworden waren. Stadtplanerisch ist das Grün schon lange umkämpft, und Eingriffe hat es auch früher schon gegeben. Ein Beispiel aus jüngerer Zeit ist der Bau des Luxushotels Sofitel an der Alten Oper, für dessen Tiefgarage alte Bäume gefallen waren.

Doch jetzt bringt die Diskussion um die Zukunft der Städtischen Bühnen, aber auch der ins Auge gefasst neue Hochhaus-Rahmenplan neue Dynamik in den Kampf ums Grün. Im Gespräch mit der FR erklärt es Planungsdezernent Mike Josef (SPD) zum Ziel, „rund um die Wallanlagen Belebung reinzubringen“. Heute noch „tote Ecken“ sollen künftig Passanten anziehen: „Ich möchte das isolierte Bankenviertel öffnen.“

Mögliche Standorte für die Städtischen Bühnen. 

Diese Ziele sollen auch in dem neuen Hochhaus-Rahmenplan verankert werden, den der Planungsdezernent jetzt vorbereitet. Einer der neuen Hochhaus-Standorte ist die Fläche Neue Mainzer Straße 57-59, auf der ein 200 Meter hoher Turm der Helaba mit Büros gebaut werden soll. Als Anziehungspunkt für die Menschen ist eine Dependance des Museums Weltkulturen im Erdgeschoss im Umfang von 600 Quadratmetern gedacht.

Derzeit verhandeln Helaba und Stadt noch darüber, wie lange das Museum mietfrei in den neuen Turm einziehen könnte. Das ursprüngliche Versprechen, in dem Hochhaus das English Theatre unterzubringen, ist vom Tisch. Das dürfte bei der fremdsprachigen Bühne für Verdruss sorgen.

Dieser Turm, das versichert der Planungsdezernent, werde nicht in das geschützte Grün der Wallanlagen eingreifen. Anders kann das schon bei den Standorten sein, die jetzt für einen Neubau der Städtischen Bühnen ins Auge gefasst werden.

Die Wallservitut

Die Wallservitutist eine Regelung, die den Anlagenring in der Frankfurter Innenstadt vor Bebauung schützt. Das betrifft unter anderem auch den Abstand, die Höhe und die Tiefe von Gebäuden, die in Nachbarschaft des Anlagenrings gebaut werden sollen.

Die Regelungwurde 1827 erlassen und zuletzt 1907 bestätigt. Der Name leitet sich von Lateinisch servitus ab, also Sklaverei oder Knechtschaft, und bezeichnet laut Duden eine Dienstbarkeit. Das Wort Servitut wird dem Duden gemäß weiblich oder als Neutrum verwendet, also die oder das Servitut.

Ausnahmenvon der Wallservitut haben die Stadtverordneten jeweils mit eigenem Beschluss zugestimmt, etwa beim Bau der Alten Oper bis 1880 oder der Städtischen Bühnen bis 1963. Die Wallanlagen wurden von 1806 bis 1812 geschleift. Stadtgärtner Sebastian Rinz legte die Spazierwege ab 1806 an. 

Das gilt zum Beispiel für eine mögliche neue Oper, die sowohl SPD wie Grüne gegenüber des Konzerthauses Alte Oper auf der anderen Seite des Opernplatzes für möglich halten. Josef stimmt dabei mit der Position der Grünen überein, dass sich die Fläche des geschützten Grüns insgesamt nicht verringern dürfe. Das heißt aber auch: Eine Verschiebung von Flächen ist durchaus möglich.

Das bedeutet im Falle des Opernhauses am Opernplatz: Der hier nötige Eingriff in die Wallanlagen soll an anderer Stelle ausgeglichen werden. „Der Eingriff dort ist in meinen Augen nicht sensibel“, sagt der Planungsdezernent.

Er will in der nächsten Zeit für die neuen Städtischen Bühnen nicht nur Grundstücke prüfen, die in den Wallanlagen liegen oder diese berühren. Auch der alte Campus der Goethe-Universität in Bockenheim, also der künftige Kulturcampus, sei nach wie vor eine Option.

Die Wallservitut, die 1827 beschlossen und zuletzt 1907 von Kaiser Wilhelm II. 1907 bestätigt wurde, soll den Anlagenring vor einer Bebauung schützen. Die Stadt Frankfurt kann diese Regelung, die sie sich gegeben hat, aber auch aufweichen.

„Ausnahmen von den Bestimmungen dieses Gemeindebeschlusses können nur im öffentlichen Interesse auf Grund besonderen Gemeindebeschlusses gewährt werden“, heißt es darin. So geschehen etwa beim Bau der Alten Oper oder der Städtischen Bühnen.

Eingriffe in die Wallanlagen habe die Stadt in der Vergangenheit aber „stets sehr zurückhaltend vorgenommen, sagte Mark Gellert, der Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef.

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