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Ende einer Ära: Fotios Papatziamos und seine Frau Katina vor der Goldenen Gerste.
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Ende einer Ära: Fotios Papatziamos und seine Frau Katina vor der Goldenen Gerste.

Gastronomie

Frankfurter Gasthaus schließt nach 47 Jahren

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Familie Papatziamos schließt ihr gar nicht so griechisches Lokal und Hotel in Bonames. Gekocht werden soll dort aber auch künftig.

Frankfurt – Auf Wiedersehen, Hirtenspieß. Kalinichta, Kalamari. Salve, Souvlaki. Tschüss, Schafskäsesalat. Eine Institution dreht den Herd ab. Das Gasthaus zur Goldenen Gerste macht dicht. Im Norden von Frankfurt endet eine Ära. Am 31. Dezember ist für die Familie Papatziamos Schluss – nach fast 47 Jahren.

Warum? „Wir sind einfach zu jung“, sagt Chefin Katina Papatziamos. Und lacht. Im Ernst: „Es reicht“, sagt Chef Fotios Papatziamos. „Wir haben keine Kraft mehr.“ Die beiden Wirtsleute sind 74 und 77 Jahre alt. Sie haben die Gerste, wie sie über die Bonameser Grenzen hinaus alle nennen, durch die Jahrzehnte gebracht, auch durch Corona, aber jetzt muss Feierabend sein. „Wir haben genug geschafft“, sagt Katina.

Frankfurt: Gasthaus zur Goldenen Gerste macht zu

Seit Jahren schon hat die Familie versucht, Personal zu finden, einen Pächter, Leute, die den Betrieb weiterführen wollen. Vergeblich. Die nächste Generation konnte auch nicht voll einsteigen. „Wir haben unsere eigenen Berufe“, sagt Tochter Elena, „und jetzt mit Corona war auch keine gute Zukunftsprognose in Sicht.“ Keine gute Zeit, einen sicheren Job hinzuwerfen und in die Gastronomie einzusteigen.

Aber eine Gelegenheit, auf die kuriose Geschichte zurückzublicken. Katina und Fotios stammen aus demselben griechischen Landkreis – und lernten sich 1968 in Bonames kennen, bei einem Fußballspiel des SV Panserraikos. Sie arbeitete damals in einer Schuhfabrik vor Ort, er in der Kelsterbacher Glanzstofffabrik. Katinas Bruder hatte zwei Gaststätten, die Gerste und die Zwiebel ein paar Häuser weiter, konnte aber nicht beide gleichzeitig führen. „Da haben wir 1975 gesagt: Probieren wir’s!“

Frankfurt: Eines der ältesten Häuser

Das klappte. So gut, dass das Paar 1988 das Haus kaufte. Es ist nicht irgendein Haus – es ist eines der ältesten weit und breit. Man weiß, dass es 1747 renoviert wurde; wie lang es da schon stand, weiß man nicht. Die Familie baute um und machte aus den oberen Etagen ein Hotel. Kaum jemand weiß, dass das Gerste-Areal einst viel größer war. Es gab noch einen zusätzlichen Saal. Auf dem Gaststättengelände von einst stehen heute sieben Reihenhäuser.

Die goldene Zeit der Goldenen Gerste war die Zeit, als die US-Army noch den Alten Flugplatz nutzte und täglich mit ihren Hubschraubern über Bonames und Kalbach knatterte. Die Soldaten kamen mittags mit den Kameraden und abends mit ihren Familien zum Essen. Und sie kamen sogar noch, als sie schon abgezogen waren, im Urlaub aus Amerika – und in die Gerste. Erinnerungstafeln hängen am Tresen. Darüber die vielen Bierkrüge. An der Wand die Bembel. Und in der anderen Ecke des Gastraums das stets kristallklar saubere Aquarium.

Frankfurt: Gasthaus zur Goldenen Gerste war nicht immer griechisch

„Wir haben so oft von frühmorgens bis 1 oder 2 Uhr nachts gekämpft“, sagt Fotios Papatziamos, irgendwann gehe es eben nicht mehr, „aber zum Glück sind wir gesund“. Man merkt den beiden an, wie schwer es ihnen fällt loszulassen. „Von den ersten Stammgästen kommen heute die Urenkel“, sagt Katina. Sie würde sich am liebsten bei allen bedanken. Die Lieblingsspeisen der Familie? „Käseschnitzel!“

Und Krasato, ein Fleischgericht in Weinsoße. „Ich mag aber sehr die bürgerliche Küche“, sagt Fotios. „Wenn ich zwei Wochen in Griechenland bin, sind meine Gedanken hier – bei Sauerkraut und Schweinshaxe.“ Die Familie lacht wieder. Die Papatziamos, von den Großeltern bis zur Enkelin, sind Vollblut-Bonameser:innen, und sie bleiben selbstverständlich hier. Eine kleine Wohnung in der Nähe. „Und dann einfach nur Wohnzimmer, Schlafzimmer“, sagt Katina. Statt ein riesiges Haus zu unterhalten mit Frühstück für Hotelgäste und Abendbetrieb im Restaurant, sechs Tage die Woche.

Das Haus ist an einen Investor verkauft, im Sommer soll eine neue Pächterfamilie ein neues Lokal eröffnen – italienisch. Das wird anders, aber es passt zum vielfältigen Stadtteil. Auch die Goldene Gerste, wo sich übrigens der Autor einmal als Ober versuchte, war nicht immer griechisch. Sie war schon mal jugoslawisch, sie war schon mal italienisch. Und es würde niemanden wundern, wenn sie auch schon mal germanisch war. Die Papatziamos aber haben dann viel Zeit für sich. Ihr Ferienhaus in Griechenland müsste auch mal renoviert werden. Mit Heißhunger auf Sauerkraut, versteht sich. (Thomas Stillbauer)

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