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Frankfurt: Kaffee trinken im Messeturm

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Von: Dennis Pfeifer-Goldmann

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Evan Jahn, Sohn des Architekten Helmut Jahn, und Steven Cook (l.) vor dem Messeturm. Michael Faust
Evan Jahn, Sohn des Architekten Helmut Jahn, und Steven Cook (l.) vor dem Messeturm. Michael Faust © Michael Faust

100 Millionen Euro hat der Umbau des bekanntesten Frankfurter Hochhauses gekostet

Die Ikone unter den Frankfurter Wolkenkratzern ist wieder fit für die Zukunft: 100 Millionen Euro haben die Besitzer ausgegeben, um das zweithöchste Hochhaus in der EU – nur der Commerzbank-Tower ist noch einen Meter höher – zu revitalisieren. Obschon teuer, zahlt sich das jetzt schon aus.

Auf einen Kaffee in den Messeturm? Über Jahrzehnte wäre das das Letzte gewesen, wozu man sich in der Lobby des Hochhauses neben dem Messe-Eingang getroffen hätte. Zwar 18 Meter hoch, aber dunkel und eng wirkte es. Keine Sitzbank, keine Pflanzen. „Die Lobby war Teil der Fluchtwege“, erklärt Geschäftsführer Steven Cook von Jahn Architects.

Vom deutsch-amerikanischen Architekt Helmut Jahn, nahe Nürnberg geboren, stammten die Pläne für den 1991 fertig gewordenen, 257 Meter hohen Turm. Cook arbeitete jahrzehntelang eng mit „Turmvater Jahn“ zusammen. Der Stararchitekt kam im Mai 2021 bei einen Fahrradunfall in seiner neuen Heimat Chicago ums Leben, kurz nachdem er noch einmal den Stand der Messeturm-Sanierung begutachtet hatte.

US-Großinvestor Blackstone kaufte die architektonische Ikone vor fünf Jahren. Deren Innenleben war veraltet, was sich in einer niedrigen Vermietungsquote der 62 000 Quadratmeter Büros von nur „über 60 Prozent“ zeigte. Zu hoher Energieverbrauch, ein unattraktives Restaurant im Untergeschoss und dann noch diese völlig abweisende Mini-Lobby. Eine Revitalisierung stand also an. „Da war es naheliegend, wieder mit Jahn zusammenzuarbeiten“, erklärt Holger Bergau von Officefirst, der Büroimmobilientochter von Blackstone. Die Planung von einst ermöglichte einige naheliegende Lösungen. Aufgabe Nummer eins: Die Lobby musste ihre Aufgabe als Fluchtweg verlieren und sie musste wachsen.

Die vier Pfeiler des Turms blieben im Sockelbereich ungenutzt hohl. Genau dort konnte Jahn nach 30 Jahren die Fluchttreppen einbauen, wie ganz zu Anfang geplant. Ein Zwischengeschoss im Fünften wurde eingezogen, damit Menschen von den oben innen- in die unten außenliegenden Fluchttreppenhäuser gelangen. So ist die Lobby kein Fluchtweg mehr – und kann „prächtig“ gestaltet werden.

Mit noch 15 Metern Höhe wirkt die Lobby unverändert beeindruckend – vor allem auch, weil sie 600 Quadratmeter größer wurde. Um mehr Platz zu erhalten, wurden die vier Seiten um vier Meter nach außen aufgeweitet. Gebogene Spezialglasscheiben, sie gehören zu den größten der Welt, fertigte Fassadenbauspezialist Seele aus dem bayerischen Gersthofen an. Bestanden die vorigen Scheiben nur aus Einfachglas, ist das neue das Nonplusultra in Sachen Sparsamkeit.

Nicht nur heller, offener, prächtiger sollte es durch den Umbau werden: Die ganze Haustechnik wurde ersetzt, alle 24 Aufzugskabinen erneuert. Neue Beleuchtung mit LED verbraucht nur noch einen Bruchteil Strom. Aktuell werden die Leuchtmittel der Pyramide auf dem Dach noch gegen LED ausgetauscht. Sie macht die Frankfurter Skyline nachts unverkennbar einzigartig.

„Ziel ist es, das Gebäude attraktiver zu machen für die Stadt“, sagt Steven Cook. Damit meint er auch ganz praktisch, dass nun jeder in der Lobby einen Kaffee trinken gehen kann.

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