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Ein Absperrband sichert eine abgestorbene Buche im Wald bei Eppstein.

Klimakrise

Frankfurt pflanzt 5000 junge Bäume

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Große Aktion am Sonntag in Niederrad: 5000 junge Bäume sollen der Klimakrise trotzen. Eine Waldkonferenz am Montag im Frankfurter Grünflächenamt sucht nach Lösungen.

Frankfurt - Stirbt der Wald? Der Verdacht liegt nahe. Nur drei Prozent der Frankfurter Bäume sind noch ganz gesund, hat der städtische Waldzustandsbericht unlängst ergeben. Besonders die ganz schweren Schäden haben zugenommen. So kann es nicht weitergehen, es muss sich was tun. Und auch wenn das Problem lokal allein nicht zu lösen sein wird: Frankfurt tut immerhin was. Frankfurt pflanzt.

„Rettet den Stadtwald“ heißt es am Sonntag, 24. November. Das Grünflächenamt und die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) haben gerufen – und viele, viele kommen. 450 Personen, mit Kindern sicher 500, hätten sich angemeldet, berichtet Sandra Rosenkranz aus dem Geschäftszimmer des Grünflächenamts. „Es haben sich noch viel mehr beworben, wir mussten irgendwann die Liste schließen.“ Wer diesmal nicht zum Zuge kommt, konnte sich schon fürs nächste Jahr registrieren lassen – dann soll es wieder eine Pflanzaktion geben.

Frankfurt: 5000 neue Bäume sollen gepflanzt werden

Wie wird die Aufforstung am Sonntag ablaufen? Zwischen 10 und 16 Uhr kommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Carl-von-Weinberg-Waldspielpark, mit festen Schuhen und entsprechender Kleidung, und pflanzen Bäume. Forstleute zeigen, wie man’s macht. Spontane Mitmacher können leider nicht berücksichtigt werden.

Außer den Aktiven, die sich zum Pflanzen anmeldeten, haben auch viele Menschen Geld gespendet, mit dem die 5000 Eichen-, Buchen- und Esskastaniensetzlinge bezahlt werden. Stadträtin Heilig äußerte sich glücklich über die Resonanz.

Hintergrund der Aktion: Der Stadtwald als wichtigste klimatische Ausgleichsfläche Frankfurts ist durch Hitze und Trockenheit der vergangenen Sommer stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Forstabteilung im Grünflächenamt hat so viele todkranke oder bereits abgestorbene Bäume fällen müssen, dass der Wald als Wirtschaftsfaktor und Einnahmequelle völlig wegfällt; Bäume für den Verkauf zu schlagen ist kein Thema, die Holzpreise sind ohnehin ins Bodenlose gefallen. Käfer und Pilzerkrankungen hatten mit den enorm geschwächten Bäumen leichtes Spiel. Der feuchte Herbst 2019, der dem trockenen Sommer folgte, tut der Vegetation daher gut – und bietet den 5000 jungen Bäumchen hoffentlich günstige Startbedingungen.

Frankfurt: Was soll mit dem Wald passieren?

Was darüber hinaus passieren muss, soll eine große Waldkonferenz besprechen, die Heilig schon im Frühjahr ankündigte, als eine charakteristische Hängebuche in Sachsenhausen der Klimakrise zum Opfer fiel. Termin und Programm stehen inzwischen fest: Am Montag, 25. November, treffen sich Fachleute aus mehreren Bundesländern im Frankfurter Grünflächenamt. Sie diskutieren etwa, ob die Waldschäden nur erste Vorboten des Klimawandels sind, welche Baumarten und welche forstlichen Schritte jetzt notwendig sind – Stichwort: natürlich nachwachsen lassen oder gewünschte Bäume pflanzen?

Mit dabei sind Forstexperten aus Hessen, Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und dem Saarland, von Universitäten, Forst- und Grünflächenämtern, Ministerien und Umweltverbänden.

„Schon erklingt der Ruf nach einer Waldwende analog zur Agrarwende“, heißt es in der Vorschau zur Konferenz, zu der Umweltdezernentin Heilig eingeladen hat: „Muss sich die Art und Weise der Forstwirtschaft ändern und wenn ja wie? Was bedeutet das für die Ziele von Waldbau und Waldnaturschutz allgemein und für die Kommunalwälder im Besonderen?“

Ideen sind gefragt. Ob sie helfen, wird nicht allein vom Umgang mit dem Forst abhängen. Die Krise des Waldes können nur alle gemeinsam lindern.

Derartige Aktionen sind auch bitter notwendig. Wie aus einem Bericht hervorgeht, stirbt der Wald in Hessen - der Klimawandel lässt grüßen.

Pflanzaktion

450 Teilnehmer sind für Sonntag, 24. November, zum Bäumepflanzen im Niederräder Carl-von-Weinberg-Waldspielpark angemeldet. Sie können zwischen 10 und 16 Uhr helfen, die etwa 5000 jungen Bäumchen in die Erde zu bringen. 

Wer nicht angemeldet ist, darf sich diesmal nicht beteiligen; Interessenten können sich für eine ähnliche Aktion 2020 registrieren lassen. Warum die Bäume ausgerechnet an dieser Stelle gepflanzt werden, war vorab nicht zu erfahren – das soll erst am Sonntag verraten werden, hieß es aus dem Grünflächenamt. Ebenso geheim waren gestern die konkreten Baumsorten für die Pflanzaktion. Beim Spendenaufruf im Sommer hatte es geheißen, junge Eichen, Buchen und Esskastanien seien geplant.

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