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Frankfurt: Kämpfer für bessereArbeitsbedingungen

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Von: Steven Micksch

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Eric Dittrich ist Pfleger am Frankfurter Uniklinikum.
Eric Dittrich ist Pfleger am Frankfurter Uniklinikum. © ROLF OESER

Eric Dittrich brennt für seinen Pflegeberuf, aber die tägliche Belastung ist oft zu hoch. Mit dem Entlastungstarifvertrag für das Universitätsklinikum Frankfurt soll das anders werden.

Eins kann man Eric Dittrich nicht vorwerfen: Dass er nicht für seinen Beruf brennen würde. Seit zehn Jahren ist der Gesundheits- und Krankenpfleger im Zentrum für Psychiatrie am Universitätsklinikum Frankfurt tätig. Sein erster Arbeitgeber, auch die Ausbildung hat er dort absolviert. Aber der 35-Jährige will sich nicht verbrennen lassen. Deswegen fordert er, wie viele Angestellte des Uniklinikums, einen Entlastungstarifvertrag.

„Die zunehmende Belastung hat sich über die Jahre eingeschlichen“, sagt der gebürtige Erfurter. Anfangs sei noch deutlich mehr Personal in den psychiatrischen Abteilungen gewesen. Dann nahm die Zahl der Mitarbeiter:innen ab, aber die Fallzahlen stiegen. Dittrich kennt noch die Zeiten, in denen vier Pflegende in der Frühschicht waren. Heute seien es meist zwei, davon nur eine Fachkraft. So sinke die Qualität, auch wenn die Kolleg:innen ihr Bestes gäben, wenn sie sich um 18 Patientinnen und Patienten auf seiner Station kümmern müssten.

Fakt sei aber auch, dass zunehmend mehr Kolleginnen und Kollegen dem Beruf den Rücken kehrten oder ihre Arbeitszeiten reduzierten, um der Belastung entgegenzuwirken. Auch Dittrich, der mittlerweile in Frankfurt lebt, sagt, er habe oft darüber nachgedacht, ob er aus „dem Hamsterrad“ aussteigen solle. „Aber ich habe mich bewusst immer wieder für den Beruf entschieden.“ Trotzdem habe er vollstes Verständnis für jene, die gegangen sind oder reduziert haben. „Ich weiß ja noch, wie es besser sein kann.“

Damit es wieder besser wird, sind Dittrich und viele andere bereit zu kämpfen. Dass es ausgerechnet jetzt passiert, obwohl die Bedingungen seit Jahren schlecht sind, habe wohl auch mit der Pandemie zu tun. „Es wäre schon vor Jahren Zeit gewesen, etwas zu ändern. Aber wir wollen nun den ganzen Kreislauf durchbrechen, damit es in Zukunft besser wird.“

Zum einen, um den zu behandelnden Menschen wieder gerechter zu werden, aber auch dem Berufsbild. Zum anderen gehe es auch darum, die eigene Situation zu verbessern. Chronische Belastungen seien keine Seltenheit. Der dreifache Familienvater selbst fühlt sich mitunter müde und hat wenig Antrieb, noch etwas zu unternehmen. Mit Fußball und etwas Laufen versuche er für Ausgleich zu sorgen. „Man braucht ein funktionierendes soziales Umfeld, sonst schafft man es nicht“, sagt Dittrich.

Für die bevorstehenden Verhandlungen sei er sehr optimistisch. „Alle Kolleginnen und Kollegen sind bereit, für eine Verbesserung unserer Situation aktiv zu werden. Wir können viel bewegen.“

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