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Riederwaldtunnel: Käfer könnte Ausbau der A66 in Frankfurt stoppen

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Von: Thomas Stillbauer, Florian Leclerc

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Für den Riederwaldtunnel soll die A66 in Frankfurt ausgebaut werden. Umweltschützer fordern nun den Rodungsstopp im Fechenheimer Wald.

Frankfurt - Geschwächten Eichen rückt der Heldbockkäfer gern zu Leibe. Wenn es nach dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Frankfurt und den Waldschutzinitiativen geht, könnte das Insekt auch den Autobahnbau piesacken. Der Umweltschutzverband fordert, die geplante Rodung im Fechenheimer Wald zu stoppen – dem Heldbock zuliebe, auch Großer Eichenbock oder sogar Riesenbock genannt.

Zuvor hatten Waldschützerinnen und Waldschützer nach eigenen Angaben Exemplare des Käfers in dem Teil des Forsts gefunden, der dem Ausbau der Autobahn 66 zum Riederwaldtunnel weichen soll. Der BUND will, dass der Lebensraum der FFH-geschützten Tierart bewahrt und ein Moratorium über die für Oktober geplante Rodung von etwa drei Hektar Wald verhängt wird.

Frankfurt: A66 soll zum Riederwaldtunnel ausgebaut werden - BUND fordert Rodungsstopp im Fechenheimer Wald

Den Nachweis des Heldbocks in dem Waldstück hält der BUND für erbracht. „Einer der Waldbesetzer hat ein Käferweibchen an einem der Bäume bei der Eiablage beobachtet und gefilmt“, berichtet BUND-Vorstand Rüdiger Hansen. Auf Initiative des Aktionsbündnisses Unmenschliche Autobahn seien ein Käferexperte mit der Sondierung beauftragt und Rechtsberatung eingeholt worden. Ergebnis: Es drohe die Schädigung von Arten und natürlichen Lebensräumen. Weil der Eichenbock so streng geschützt sei, dürfe seine Fortpflanzungsstätte nicht entfernt, beschädigt oder zerstört werden. Gesetzlich verboten ist es, ihm auch nur den Fühler zu krümmen.

Das Foto legt der BUND seiner Pressemitteilung bei. Es soll ein Eier legendes Heldbock-Weibchen im Fechenheimer Wald zeigen.
Das Foto legt der BUND seiner Pressemitteilung bei. Es soll ein Eier legendes Heldbock-Weibchen im Fechenheimer Wald zeigen. © BUND

Der Fund des kleinen Riesenhelden kommt den Waldschützer:innen gelegen. Fast 97 Prozent der Bäume im Frankfurter Stadtwald seien krank oder bereits tot, daran sei gerade erst wieder beim Waldkongress im Zoogesellschaftshaus erinnert worden, stellt der BUND fest. Der Fechenheimer Wald dagegen sei nachhaltig gesund, „denn er steht auf den feuchten schweren Böden ehemaliger Mainauen“, sagt Vorstandssprecher John Dippell. Angesichts der Schäden im Stadtwald dürfe kein Teil dieses gesunden Forsts für ein Stück Autobahn geopfert werden: „Das widerspricht auch den Zielen von Verkehrs- und Klimawende.“

Linke in Frankfurt fordert Ausbaustopp für A66 - Artenschutz an oberster Stelle

Das Bündnis Verkehrswende will sich an diesem Freitag zu Artenschutz und Ausbaustopp im A66-Projektgebiet äußern. Die Autobahn-GmbH teilte auf Anfrage mit, ihre Fachleute beschäftigten sich mit dem Käferfund, Ergebnisse lägen noch nicht vor. Die Obere Naturschutzbehörde kündigte eine Stellungnahme nicht vor kommender Woche an.

Für die Linken-Fraktion im Frankfurter Römer bekundete die verkehrspolitische Sprecherin Daniela Mehler-Würzbach: „Wir unterstützen die Forderung des BUND nach einem Rodungsmoratorium für das Waldstück.“ Sie forderte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig und Verkehrsdezernent Stefan Majer auf, „aktiv zu werden“. Der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (alle Grüne) müsse sich sofort beim Bundesverkehrsminister für einen Baustopp des Riederwaldtunnels einsetzen. (Thomas Stillbauer und Florian Leclerc)

Das Aktionsbündnis „Unmenschliche Autobahn“ dringt auf einen Stopp des Autobahnprojekts Riederwaldtunnel in Frankfurt. Sie weist nicht zuletzt auf die immens gestiegenen Kosten hin.

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