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Benjamin Näßlers (30) Kampagne dreht sich um Homosexualität im Fußball. 

Benjamin Näßler

Mr. Gay Germany: Frankfurter Fußballer gewinnt die Wahl

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Benjamin Näßler ist Mr. Gay Germany 2020! Der Frankfurter setzt sich für die Akzeptanz von Homosexualität in Fußballvereinen ein.

  • Benjamin Näßler ist Mr. Gay Germany 2020
  • 30-Jähriger engagiert sich gegen Homophobie im Fußball
  • Mr. Gay Germany nimmt an Mr. Gay Europa und Mr. Gay World Wahlen teil

Update, 16.12.2019: Der Frankfurter Benjamin Näßler hat die Wahl zum Mr. Gay Germany 2020 gewonnen. Er setzte sich am Samstag im Finale in Köln gegen Mitbewerber durch. In seiner Kampagne warb der 30-Jährige um Akzeptanz von Homosexualität im Fußball. Junge Fußballer in Dorfvereinen sollten keine Angst haben, sich zu outen, sagte er.

Näßler selbst spielt beim FVV, dem Frankfurter Volleyball Verein, der als einer der größten schwul-lesbischen Sportvereine in Europa gilt. Durch die Wahl zum Mr. Gay Germany kann Näßler auch bei den Wettbewerben Mr. Gay Europa und Mr. Gay World antreten. Außerdem wird er Repräsentant bei den bundesweiten Christopher-Street-Day-Veranstaltungen. 

Erstmeldung

Als Benjamin Näßler mit 17 in seinem Dorfverein kickt, sind Sprüche auf dem Spielfeld wie „schwuler Pass“ oder „schwuler Ball“ ganz normale Umgangssprache. „Am schlimmsten war es für mich, wenn wir nach dem Training mit Bier angestoßen haben – und da immer der Spruch kam: ‚Absetzen, sonst gibt es schwule Kinder!‘ Da wusste ich, in diesem Umfeld werde ich mich niemals outen“, erzählt der mittlerweile 30-Jährige.

Frankfurt: Schwul sein im Fußball - Das Thema von Benjamin Näßler

Er ist einer der zwei Frankfurter Finalisten bei der bundesweiten Wahl zum Mr. Gay. Das Finale ist an diesem Samstag auf einem Laufsteg inmitten von Kölns schwul-lesbischen Weihnachtsmarkt Heavenue. Dort geht es nicht nur um Model-Qualitäten. Sondern jeder der Kandidaten muss unter anderem auch auf Deutsch oder Englisch Fragen zu politischen Themen beantworten können. Und jeder von ihnen muss eine eigene Kampagne präsentieren. Näßlers Thema: Homosexualität im Fußball.

„Es ist jetzt kein Ziel, dass sich ein aktiver Promi-Fußballer outet. Das kann ich auch nicht beeinflussen. Ich möchte aber, dass junge Fußballer gerade in ihren Dorfvereinen keine Angst mehr haben müssen, sich zu outen.“

Näßler will erreichen, dass in der Fußballwelt, wo Heterosexualität noch eine unausgesprochene Verpflichtung ist, ein Umfeld geschaffen wird, in dem es egal sein sollte, wen man liebt. Näßler arbeitet im Außendienst für eine Versicherung. In seiner Freizeit kickt er beim FVV, dem Frankfurter Volleyball Verein, der als einer der größten schwul-lesbischen Sportvereine in Europa gilt.

Frankfurt: Beratung für Opfer von Schwulenhass, Rassismus, Gewalt

„Ich setze mich dafür ein, dass es in Zukunft in Amateur-Fußball-Vereinen Aushänge mit Ansprechpartnern für Homosexuelle gibt, die sich nicht trauen, sich zu outen. Aber auch Opfer von Rassismus und körperlicher und sexueller Gewalt sollen sich anonym beraten lassen können.“ Er habe alle Landesverbände bereits angeschrieben, sagt Näßler. „Der badische Landesverband will das nächstes Jahr umsetzen. Die Beratung kann von den meisten Vereinen nicht selbst geleistet werden. Ansprechpartner wären dann NGOs oder Psychologen.“ 

Außerdem sei es wichtig, Jugendleiter bei Fortbildungen für das Thema zu sensibilisieren. „Dann kann man auch direkt eingreifen. Und den Spielern sagen, dass sie beispielsweise nicht mehr ‚schwuler Pass‘ sagen und warum sie das nicht tun sollten.“ Ganz wichtig sei es zudem, auch die Fußballfans abzuholen. „Mit Darmstadt 98 habe ich bereits vereinbart, dass wir zusammen einen Aktionsspieltag machen, wo es beispielsweise Eckfahnen in Regenbogenfarben geben soll und sich auch schwul-lesbische Netzwerke vor dem Stadion präsentieren.“

Wahl zum Mister Gay: "Mittlerweile finde ich Frankfurt mega" 

Aufgewachsen ist Näßler als Nesthäkchen von vier Geschwistern im schwäbischen Bad Saulgau. Seine älteste Schwester ist 17 Jahre älter. Bis zum Abitur trainiert er mehrmals die Woche für Leichtathletikturniere. Doch als er anfängt, BWL in Ravensburg zu studieren, kann er das Trainings-Pensum nicht halten. Als er sich mit 18 Jahren outet, erfährt es als erste seine beste Freundin.

Er hatte zunächst Hemmungen gehabt,  seinen Eltern zu sagen dass er schwul ist, weil seine Mutter für die katholische Gemeinde arbeitete und es für sie auf der Arbeit komisch hätte werden können, sagt er. „Aber meine Mutter hat mich gleich in den Arm genommen und gesagt: ,Wir lieben dich immer, du bist unser Sohn. Daran ändert sich nie was.‘“

Seinen jetzigen Mann lernt Näßler mit 19 Jahren kennen. Seit sechs Jahren leben sie gemeinsam in Frankfurt. „Meinen Mann hat es beruflich hierher verschlagen. Anfangs war ich skeptisch, ich kannte nur das Bahnhofsviertel. Aber mittlerweile finde ich Frankfurt mega.“

Frankfurt: Wahl zum Mister Gay - "Kampf immer noch notwendig"

Wenn er gewinnen sollte, wird Näßler beispielsweise bei bundesweiten Christopher Street Day-Veranstaltungen als Repräsentant dabei sein. Der Gewinner wird auch bei der Wahl zum Mr. Gay Europe und Mr. Gay World antreten. „Mr. Gay zu sein, ist eine ehrenamtliche Tätigkeit. Egal, wer gewinnt, wir kämpfen alle für die Anerkennung unserer Community. Leider ist dieser Kampf immer noch notwendig“.

Auch Chris Gaa will Mr. Gay werden, auch er lebt in Frankfurt. Er kämpft mit seiner Kampagne gegen Homofeindlichkeit im Alltag und für die Einfügung des Merkmals der sexuellen Identität in Artikel 3.

Mr. Gay

Bei der bundesweiten Wahlzu Mr. Gay Germany werden, wie der Veranstalter auf seiner Website schreibt: „mehr als hübsche Gesichter und trainierte Bodys“, gesucht. „Wir suchen den Repräsentanten der Gay-Community Deutschlands. Ein Role-Model und Vorbild – kurz einen Helden der Szene.“

Dieser Held, der für ein Jahr gewählt wird, solle das Selbstbewusstein haben, für eine gerechte Sache einzustehen. So muss jeder Kandidat eine Kampagne vorstellen, die etwas in der schwulen Szene bewegt.

An diesem Samstagist das Finale des bundesweiten Wettbewerbs in Köln. Unter den sechs Finalisten sind auch zwei Frankfurter Kandidaten. Der Gewinner wird auch bei der Wahl zu Mr. Gay Europe und Mr. Gay World antreten. (rose)

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