Ein Schild verweist auf die Corona-Regel des Abstandhaltens.
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Eine Corona-Regel besagt, Abstand zu halten.

Corona-Auflagen

Jugendhaus Bonames: Unmut über ungleiche Abstandsregeln

  • Fabian Böker
    vonFabian Böker
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Die Einrichtung in Frankfurt-Bonames muss Kinder vom Mittagstisch ausschließen, weil der Abstand nicht eingehalten werden kann. Dass die Corona-Regeln in Kitas lockerer sind, können Eltern nicht verstehen.

  • Im Jugendhaus Bonames gelten aufgrund des Coronavirus Abstandsregeln
  • Weil in anderen Einrichtungen ganz andere Corona-Regeln gelten, herrscht bei vielen Eltern Unmut
  • Mehrere Kinder müssen vom Mittagstisch ausgeschlossen werden

Normalerweise werden beim pädagogischen Mittagstisch im Kinder- und Jugendhaus Bonames 24 Kinder betreut. Aktuell stehen nur 15 Plätze zur Verfügung. Der Grund ist in Zeiten wie diesen klar: Corona und die damit verbundenen Abstandsregeln. Doch nicht alle Eltern können das nachvollziehen.

Dabei sind es nicht die Abstandsregeln an sich, die Nil Salditt und ihre Mitstreiterinnen nicht verstehen. Worum es ihnen geht, sind die Unterschiede zwischen einer Einrichtung wie dem Kinder- und Jugendhaus auf der einen Seite und Kitas oder Horten auf der anderen. „Warum gelten beim pädagogischen Mittagstisch größere Abstandsregeln als im 200 Meter entfernten Hort?“, fragt Salditt. Konkret beziehen sich die Eltern auf die Fünf-Quadratmeter-Regel, die in der Einrichtung gelte, in Kitas und Horten aber nicht.

Jugendhaus Bonames: Corona-Regeln sorgen für Unverständnis

Eine Antwort auf diese Frage ist nicht so einfach zu finden. Im Ortsbeirat 10, in dessen jüngster Sitzung einige Eltern ihr Anliegen vorgetragen haben, konnte sie niemand geben. Auch das Sozialdezernat, in dessen Zuständigkeit Kinder- und Jugendhäuser fallen, äußerte sich bis Redaktionsschluss nicht.

Die Lösung liegt vermutlich in dem Charakter der Kinder- und Jugendhäuser. So sagt beispielsweise Sabine Kremer, die Leiterin des Kiju Kalbach: „Wir sind ein Haus mit einem offenen Konzept, geschlossene Gruppen sind hier nur schwer möglich.“ Eine solche geschlossene Gruppe, eine feste Kohorte, sei in Kitas oder Horten dank der jeweiligen Gruppenverbände leichter durchsetzbar. Oder durch Klassen in Schulen.

Corona-Regeln im Jugendhaus Bonames: Nicht alle Kinder können am Mittagstisch sitzen

„Doch in die Kinder- und Jugendhäuser kommen nachmittags ja ganz bewusst Schüler unterschiedlicher Schulen oder Kinder aus verschiedenen Kitas.“ Die Regeln seien also nicht einfach übertragbar.

Auch das kann Nil Salditt nachvollziehen. Ihr geht es auch nicht um das gesamte Angebot des Kinder- und Jugendhauses an sich, sondern explizit um den pädagogischen Mittagstisch. Diesen legt die Stadt seit 2009 auf, 545 000 Euro stehen dafür jährlich zur Verfügung, mehr als 40 Einrichtungen in Frankfurt nutzen das Angebot. Darunter das Kinder- und Jugendhaus Bonames.

Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren bekommen dort täglich von 11.45 bis 15 Uhr ein reichhaltiges Mittagessen und werden bei der Erledigung der Hausaufgaben unterstützt. Doch derzeit dürfen eben nur 15 von 24 angemeldeten Kindern dieses Angebot wahrnehmen. Laut Nil Salditt beruft sich die Einrichtung auf die Fünf-Quadratmeter-Regel; von der Einrichtung selbst gibt es in dieser Woche keine Auskunft, da sich die Leiterin im Urlaub befindet. Ihre Kollegin im Jugendhaus Am Bügel, Svenja Klemen, kennt solche Sorgen nicht, denn dank großzügiger Außenanlagen kann ihre Einrichtung sämtliche Vorgaben umsetzen. „Ein Privileg“, wie sie findet.

Jugendhaus Bonames: Überall gelten andere Corona-Regeln

Im nahen Eckenheim, im dortigen Kinder- und Jugendhaus, gelten explizit die fünf Quadratmeter. In Höchst, im Jukuz, ist von eineinhalb Metern die Rede,

Alles etwas unklar also, eine gewisse „Grauzone“, wie es Svenja Klemen nennt, weil Einrichtungen wie die Kinder- und Jugendhäuser etwas anderes seien als eine Kita oder ein Hort.

Nil Salditt und den anderen Eltern würde es reichen, wenn der Mittagstisch als etwas Hortähnliches, mit der Möglichkeit der Kohortenbildung, anerkannt würde. In der nächsten Sitzung des Sozialausschusses wollen sie ihr Anliegen noch einmal vortragen. (Fabian Böker)

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