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Frankfurt: Jugendeinrichtungen rufen nach Hilfe

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Von: Steven Micksch

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Nach dem Verzicht in der Pandemie, droht Kindern nun erneut der Wegfall von Angeboten.
Nach dem Verzicht in der Pandemie, droht Kindern nun erneut der Wegfall von Angeboten. © Renate Hoyer

Wegen der gestiegenen Gas- und Strompreise könnten einige Angebote für Kinder und Jugendliche in Frankfurt reduziert werden. Auch die Seniorenheime sorgen sich.

Johannes Löschner ist ratlos. „Ich weiß nicht, wie es gelingen soll, dass wir am Ende des Jahres auf null kommen“, sagt der Leiter des Arbeitsbereiches „Offene Kinder- und Jugendarbeit“ beim Evangelischen Verein für Jugendsozialarbeit in Frankfurt und meint damit die Bilanz der 20 Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, die der Verein in der Stadt hat. Seit April sei man mit der Stadt in Gesprächen, ob eine finanzielle Unterstützung möglich ist. „Falls nicht, kann das zu massiven finanziellen Problemen führen.“

Das Problem seien zum einen natürlich die gestiegenen Energiekosten. Beim Strom rechnet Löschner mit einer Verdopplung, beim Gas mit dem 3,5-fachen der bisherigen Kosten. Zum anderen komme noch hinzu, dass viele Einrichtungen große und alte Liegenschaften seien, die energetisch nicht gerade sparsam sind. Beim 1000 Quadratmeter großen Jugendhaus am Bügel habe man üblicherweise eine Gasrechnung von 16 000 Euro pro Jahr. Mit der neueren Teuerungsrate wäre man bei 56 000 Euro. Allein für eine Einrichtung.

Doch auch andere Preissteigerungen, etwa bei Lebensmitteln oder schlicht der Müllabfuhr, tragen zu steigenden Aufwendungen bei. Bei den Lebensmitteln müsse man sich entscheiden, ob man an der Qualität oder der Quantität sparen wolle.

Löschner fordert deswegen, dass die Stadt die Betriebskosten eins zu eins übernehmen soll, statt eine Pauschalbezuschussung durchzuführen. Und: „Ich hätte die Lösung gern jetzt schon.“ Dann hätten die sorgenvollen Tage ein Ende.

Doch so muss sich Löschner unliebsamen Gedankenspielen widmen. Erfolgt keine adäquate Unterstützung, sei die Zukunft ungewiss und Angebote müssten reduziert werden. Doch „gerade in der jetzigen Situation braucht es eigentlich mehr Angebote, mehr Öffnung, mehr Begleitung.“ Pädagogisch sei das der richtige Weg und nach den Schließungen während Corona eigentlich auch zwingend nötig.

Die andere Möglichkeit wären Einsparungen im Personalbereich, was Löschner auch nicht für sinnvoll hält. „Und im Kalten sitzen ist keine Option“, sagt er. Mittelfristig müsse man mit der Stadt auch über den Investitionsstau bei den alten Liegenschaften des Trägers sprechen. Aber diese Probleme stehen beim Arbeitsbereichsleiter momentan hintenan. Löschner wäre es lieber, seine Sorgen für diesen Winter würden verschwinden.

Auch die Senioreneinrichtungen in Frankfurt schauen mit bangen Blicken auf die kommenden Monate. „Die Preisentwicklung wird spannend“, sagt Frédéric Lauscher, Vorstandsvorsitzender des Frankfurter Verbandes für Alten und Behindertenhilfe. Der Verband betreibt unter anderem acht Altenpflegeheime und vier Tagespflegeheime. Zum 31. Dezember laufe in einigen Einrichtungen der Gasvertrag aus. Wie sich der Preis dann entwickle, wisse er noch nicht. Er habe von anderen Häusern gehört, die das Zehnfache zahlen mussten. „Wenn der Staat nicht rechtzeitig eingreift, wird es zu richtig gravierenden Preissteigerungen kommen.“

Dass die steigenden Preise auch zu höheren Unterbringungskosten für die Bewohner:innen führen werden, sei nicht unwahrscheinlich. Lauscher erklärt, dass der Eigenanteil der älteren Menschen je nach Fall momentan bei 2800 bis 3000 Euro liegt.

Bei den meisten Menschen trage aber der Sozialträger diesen Anteil, da er normalerweise die Rentensumme übersteige. Schlussendlich belasten die Aufschläge bei den Energiepreisen also die Gemeinden.

Gerhard Eiselen, Leiter der Abteilung Alten- und Krankenhilfe bei der Caritas Frankfurt, findet angesichts dieses Finanzierungssystems müsse man mit der Politik zusammen die Pflegeversicherung reformieren.

Das System der Teilzuzahlung durch die Pflegekassen sei nicht mehr praktikabel. „Welcher ältere Mensch kann sich eine monatliche Zuzahlung von 3000 Euro oder mehr denn überhaupt leisten?“, fragt er. Diese Summen könne man nicht mehr einfach ausweiten. „Es kann so nicht weitergehen.“

Die steigenden Energiepreise zeigen nun, dass im System eine Spirale einsetze, die nur einen Weg kennt. Eiselen selbst sagt, er sei noch nicht auskunftsfähig, welche konkreten Auswirkungen Gas und Strom bei den Caritas Altenpflegeeinrichtungen haben werden. Er sprach aber von enormen Steigerungen. „Wir wissen nicht, wo das noch hingeht.“

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