Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Frankfurt. 09.09.2021. METAhub: Mapping Memories – Ver(antw)ortung Boerneplatz. Installation und Pop Up Event auf dem Gelaende der ehemaligen Synagoge. In Holzboxen sind Fundstuecke archaelogischer Grabungen am Boerneplatz zu sehen.
+
Frankfurt. 09.09.2021. METAhub: Mapping Memories – Ver(antw)ortung Boerneplatz. Installation und Pop Up Event auf dem Gelaende der ehemaligen Synagoge. In Holzboxen sind Fundstuecke archaelogischer Grabungen am Boerneplatz zu sehen.

JUDENTUM IN FRANKFURT

Frankfurt: Jüdisches Leben sichtbar machen

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
    schließen

Auf dem Börneplatz erweckt ein Kooperationsprojekt das ideelle Erbe der Synagoge. Bei Metahub arbeiten Jüdisches und Archäologisches Museum sowie Mousonturm und der Vereine NODE für Digitalkultur zusammen.

Als erstes fallen die Holzpaletten auf. Sie sind überall. Als Sitzgelegenheiten, Bühnenelemente, sie stützen die Monitore der Videoinstallation. Und sie tragen die Vitrinen mit den Überresten des Thoraschreins. Richtig gelesen. Auf dem Börneplatz sind derzeit Fragmente des Thoraschreins der früheren Börneplatzsynagoge zu besichtigen. Sie sind Teil des Kunstprojekts „Metahub: Mapping Memories – Ver(antw)ortung Börneplatz“, eine Kooperation von Jüdischem und Archäologischem Museum, vom Künstlerhaus Mousonturm und dem Verein Node zur Förderung Digitaler Kultur.

Das Projekt Metahub soll noch bis mindestens 2023 früheres jüdisches Leben wieder sichtbar machen, in Frankfurt, Offenbach, Darmstadt. Zum Auftakt haben die Projektpartner vier Tage Programm ersonnen, für den 9. bis 12. September. Eine architektonische Intervention auf dem Börneplatz selbst, die den Umriss der alten Synagoge sichtbar werden lässt, Performances, Führungen, Vorträge, Diskussionen und digitale Formate.

„Die Steine zum Sprechen bringen“, so nennt es Karin Wolff vom Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main bei der Pressekonferenz am Donnerstag. Sie neu in den städtischen Raum integrieren und in die Herzen der Menschen, über Musik, Theater, Performance, Partizipation.

Was würden sie sagen, wenn sie sprechen könnten, die Steine? Würden sie von der unmenschlichen Gewalt des Naziregimes berichten? Es muss sehr anstrengend gewesen sein, den Schrein so zu zertrümmern, wie es die Nazis in der Reichspogromnacht 1938 getan haben. Würden sie über die Brutalität des Vergessenwerdens klagen? Nach dem Krieg diente die Brache als Parkplatz, auch mal als Standort der Blumengroßmarkthalle.

Thema des Gesprächs wäre sicher auch der Börneplatzkonflikt. 1987 legten Arbeiter beim Bau des Kundenzentrums für die Stadtwerke unter anderem Fundamente der Synagoge frei. Die Stadtoberen lehnten aber einen Baustopp und eine Änderung der Pläne ab. Daraus entwickelte sich eine bundesweite Debatte über den angemessenen Umgang mit den Überresten jüdischer Kultur. Nach massiven Protesten entstanden als Kompromiss das Museum Judengasse zum jüdischen Alltagsleben im frühneuzeitlichen Ghetto und die Gedenkstätte für die Opfer der Shoa – hinter den Stadtwerken.

„Heute würde dieses Gebäude niemals gebaut werden“, sagt Nikolaus Hirsch. Der Architekt gehört zu den Schöpfern der Gedenkstätte, mit seinem Kollegen Michael Müller hat er die architektonische Intervention der aktuellen Ausstellung entworfen. Die Paletten erinnern daran, dass das Baumaterial, die Steine des früheren Judenghettos und der Synagoge, einst einfach eingelagert war.

Womöglich würden die Steine aber auch von freudigeren Tagen berichten. Börneplatz und die angrenzenden Quartiere sind pulsierende Orte jüdischen Lebens in der Moderne gewesen. 1882 eröffnet, entwickelte sich besonders die Synagoge zum Kristallisationspunkt der jüdischen Renaissance. „Diese Zeit ist seltsam unsichtbar geworden“, sagt Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums. Dabei sind die Ideen aus dieser Zeit heute wieder gefragt bei jungen Jüdinnen und Juden. Eine Bewegung von Künstlerinnen und Künstlern und Denkerinnen und Denkern hat die jüdische Tradition unter modernen kulturellen Vorzeichen neu entdecken und weiterentwickeln wollen.

Das Projekt Metahub lade nun die Bürgerinnen und Bürger der Stadt ein, „sich mit der Geschichte des Platzes auseinander zu setzen“, sagt Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Und das „originell und zukunftsweisend“. Es gehe darum, „Denkmuster zu hinterfragen“ und „Wissenslücken zu schließen“. Mehr noch: um den Wandel in der Erinnerungspraxis, künstlerische Erinnerungsstrategien, die Verbindung von digitalen und analogen Formaten in Kunst und Kultur. Die Stadt fördert das bis 2023 mit 260 000 Euro. Die Kulturstiftung des Bundes gibt sogar eine Million Euro.

Programm und Info unter: www.metahubfrankfurt.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare