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Im Februar organisierte die Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden den „Jewish Women Empowerment Summit“ in Frankfurt.

Jüdisches Leben

Frankfurt: Jüdische Akademie kann kommen

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An der Senckenberganlage in Frankfurt soll eine jüdische Bildungseinrichtung entstehen. Nun hat das Großprojekt eine Baugenehmigung erhalten.

Der geplante Bau einer Jüdischen Akademie in Frankfurt hat eine wichtige Hürde genommen. Wie das Finanz- und das Planungsdezernat am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten, wurde dem Bauprojekt, das am südlichen Ende der Senckenberganlage entstehen soll, die Baugenehmigung erteilt. Stadtkämmerer und Bürgermeister Uwe Becker (CDU) und Planungsdezernent Mike Josef (SPD) zeigten sich erfreut, dass ein „Jüdischer Thinktank“ mit bundesweiter Relevanz damit Wirklichkeit werden könne.

„Frankfurt am Main ist der richtige Ort für diese wichtige Institution und wir freuen uns, dass die Umsetzung Gestalt annimmt“, sagte Uwe Becker, der zugleich Antisemitismusbeauftragter des Landes Hessen ist. Die Stadt verdanke ihre heutige Bedeutung „gerade auch den großen jüdischen Familien, die hier gelebt, gewirkt und gestaltet haben“. Das Judentum habe die Geschichte Europas seit dem Mittelalter geprägt und das religiöse, kulturelle und gesellschaftliche Leben in Frankfurt bereichert, sagte Becker. „Die Jüdische Akademie wird diese Bandbreite einer lebendigen Religion jenseits von Angst einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen können.“

Planungsdezernent Mike Josef sagte, er freue sich, „dass die Bauaufsicht mit guter Bauberatung und zügiger Genehmigung des Bauantrages zur Realisierung der Jüdischen Akademie beitragen konnte“. Die Akademie werde „den gesamten Campus Bockenheim bereichern und die gute Tradition der jüdisch geprägten Sozialwissenschaften an diesem Ort fortsetzen“. Die „jüdische Tradition des Weiterdenkens und Diskurses“ erhalte mit der Jüdischen Akademie einen weiteren wichtigen Ort in Frankfurt.

Debatten und Seminare

Die Jüdische Akademie soll nach einem Entwurf des Frankfurter Architektenbüros Turkali an der Senckenberganlage 7-9 unweit des Marriott-Hotels entstehen. Beim Bau wird eine alte Professorenvilla einbezogen. Die Diskussion um die Bildungseinrichtung läuft schon länger, den Anstoß dazu hatte die Arbeit der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland gegeben. In der Akademie sollen Veranstaltungen und Seminare stattfinden, unter anderem zum Thema Antisemitismus. Im Februar 2018 hatten sich die Stadt, die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG und der Zentralrat auf den Bau an der Senckenberganlage geeinigt. Das Projekt wird vom Bund, dem Zentralrat, der Stadt und dem Land Hessen finanziert.

Mit der nun erteilten Baugenehmigung sei der Zentralrat der Juden „der Verwirklichung seiner wegweisenden Bildungseinrichtung einen großen Schritt näher gekommen“, sagte Harry Schnabel, Mitglied des Zentralrats der Juden und des Vorstands der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt. Wenn alles planmäßig weiterlaufe, könne im Spätsommer mit den Bauarbeiten begonnen werden. Das Angebot der Akademie werde sich gleichermaßen an Juden und Nichtjuden richten, sagte Schnabel. „Die von der Akademie vermittelten Inhalte dienen der Aufklärung, die nach Überzeugung des Zentralrats der Juden auch eine präventive Wirkung gegen zunehmenden Antisemitismus haben wird.“

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