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Tania Rubio ist Frankfurter Stadtkomponistin.

Kultur

Frankfurt hat jetzt eine Komponistin

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Die Mexikanerin Tania Rubio nimmt ihre Arbeit als „Composer in Residence“ auf.

Wer frühmorgens in Frankfurt eine Frau mit einem großen Mikrofon durch einen Park gehen sieht, ist sehr wahrscheinlich Tania Rubio begegnet. Die 31 Jahre alte Mexikanerin ist die neue Frankfurter Stadtkomponistin, und sie ist dabei, Vogelstimmen aufzunehmen. Gestern ist sie offiziell im Archiv „Frau und Musik“ begrüßt worden. Bis zum 22. Oktober wird sie als „Composer in Residence“ in der Stadt bleiben. Eine ihrer Aufgaben ist es, für Frankfurt ein kammermusikalisches Werk zu komponieren. Ihres wird sich mit der Bio-Akustik von Wasservögeln beschäftigen.

„Ich nehme im Freien die Tiergeräusche auf, analysiere das Material und suche dann Instrumente, mit denen sie simuliert oder überhöht werden können, und komponiere dann“, erläutert Tania Rubio ihre Arbeit. Die Mexikanerin musste sich gegen 56 Mitbewerberinnen aus 28 Ländern durchsetzen, um Stadtkomponistin in Frankfurt zu werden. Ihr besonderes Interesse gilt der traditionellen Musik ihrer Heimat und den Instrumenten indigener Völker. Beides kombiniert sie mit Naturgeräuschen, westlichen Instrumenten sowie Elektronik.

Die mexikanische Musikerin Tania Rubio ist bis zum 22. Oktober als „Composer in Residence“ Gast in Frankfurt.

Ein Abschlusskonzert wird sie am Donnerstag, 17. Oktober, 19 Uhr, an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt, Eschersheimer Landstraße 29, geben.

„Sie hat eine spannende Künstlerpersönlichkeit. Ihre Kreativität und ihr Umgang mit unterschiedlichen Techniken hat sie für uns so interessant gemacht“, sagt die Cellistin Katharina Deserno, eines der Mitglieder der fünfköpfigen Jury, die die Komponistin und transdisziplinäre Künstlerin ausgewählt hat. „Und wir haben ihr zugetraut, innerhalb der Zeit, in der sie hier ist, ein Werk zu komponieren“, ergänzt die Dirigentin Linda Horowitz, ebenfalls Jurymitglied.

Das Programm „Composer in Residence“, das das Archiv „Frau und Musik“ in Kooperation mit der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) und dem Institut für zeitgenössische Musik seit 2009 ausschreibt, richtet sich ausschließlich an Komponistinnen. „Ein wichtiges Ziel ist es, Komponistinnen bekannter zu machen, sie zu unterstützen und ihnen neue Perspektiven zu eröffnen“, sagt Elisabeth Brendel, Sprecherin des Archivs, das in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert. „Die Gesellschaft hat sich an Instrumentalistinnen gewöhnt, nicht aber an Komponistinnen. Davon sind wir noch meilenweit entfernt“, sagt Stefan Fricke vom Hessischen Rundfunk, der einer der beiden Männer in der Jury war. Den meisten Menschen falle allenfalls der Name von Clara Schumann ein, wenn man sie nach Komponistinnen frage, bestätigt Archiv-Sprecherin Brendel. Deshalb seien das Archiv und das Programm „Composer in Residence“ so wichtig.

Ab Oktober in Linz

Tania Rubio freut sich auf ihre Zeit in Frankfurt. „Ich kann mich hier ungestört dem Komponieren widmen“, sagt die 31-Jährige, die im Oktober nach Linz gehen wird, um dort ihre Doktorarbeit zu beginnen. Und sie wird es genießen, in dem Archiv stöbern, in dem sich die Werke von über 1800 Komponistinnen befinden.

Auf eine Kostprobe ihrer Arbeit können sich die Frankfurter bei ihrem Abschlusskonzert freuen. Für dieses wird sie mit Studierenden der HfMDK die Komposition, die sie während ihres Aufenthalts schreibt, einüben. Und sie wird mit einer 10. Klasse der Offenbacher Mathildenschule im Rahmen des Schulprojektes „Response“ eine musikalische Antwort auf eines ihrer Werke erarbeiten. „Für mich gehört alles zusammen: Musik, Tanz, Theater, visuelle und akustische Erlebnisse“, sagt Tania Rubio.

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