Gelände der ehemaligen Adlerwerke im Gallus.
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Gelände der ehemaligen Adlerwerke im Gallus.

KZ-Lager Katzbach

Frankfurt: CDU jetzt doch für Katzbach-Gedenkstätte

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Die CDU in Frankfurt lehnt eine Gedenkstätte zum ehemaligen KZ-Außenlager Katzbach ab – und erntet dafür Kritik. Jetzt lenkt sie ein, aber äußert weiterhin Zweifel an „ortsfesten“ Einrichtungen.

Angesichts der scharfen Kritik an ihrer ablehnenden Haltung hat sich die CDU-Fraktion im Römer jetzt doch für eine Gedenkstätte zum früheren KZ-Außenlager Katzbach im Gallus ausgesprochen. Allerdings lässt die CDU die Form dieses Gedenkens weiter offen. „Das Gedenken und Erinnern an die Gräueltaten und Verbrechen des Nationalsozialismus bleibt jetzt und in Zukunft zwingend erforderlich“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende im Römer, Nils Kößler.

Der CDU-Politiker bekräftigte: „Ja, wir haben die Sorge, dass ortsfeste Gedenkstätten die Menschen nicht mehr ansprechen wie bisher.“ Es müssten deshalb „Formen eines modernen Gedenkens gefunden werden, die gerade angesichts einer immer kleiner werdenden Anzahl von Zeitzeugen Jugendliche und junge Erwachsene erreichen“. Es sei „geboten, darüber nachzudenken, wie zeitgemäßes Gedenken, das möglichst viele und insbesondere junge Menschen erreichen soll, heute in einer Welt mit verändertem Kommunikationsverhalten beschaffen sein muss“.

Kößler nannte als mögliches Vorbild für einen Gedenkort zu Katzbach die kürzlich erneuerte Gedenkstätte „Arbeitserziehungslager Frankfurt-Heddernheim“. Sie verbinde lokales Erinnern mit modernen technischen und künstlerischen Mitteln.

Die CDU stehe zu dem gemeinsamen Antrag der Römer-Koalition, demzufolge jetzt zunächst eine Ausstellung über das KZ-Außenlager Katzbach konzipiert und finanziert werden soll.

Der Ortsvorsteher des Ortsbezirks 1 (Bahnhof, Gallus, Gutleut, Innenstadt), Oliver Strank (SPD), sagte im Gespräch mit der FR: „Sehr viele Menschen im Gallus wünschen sich schon sehr lange eine feste und dauerhafte Gedenkstätte am Ort des schrecklichen Geschehens im KZ Katzbach.“ Gerade für junge Menschen bleibe ein verbindlicher und authentischer Ort wichtig, „der sich nicht digitalisieren lässt“. Künstlerische Aktionen, wie sie insbesondere die Grünen vorschlagen, könnten dieses feste und stabile Gedenken „ergänzen, aber nicht ersetzen“.

Renate Wolter-Brandecker, kulturpolitische Sprecherin der SPD im Römer, zeigte sich „erstaunt“, dass „Teile von CDU und Grünen“ einen festen Gedenkort ablehnten. Einige Stadtverordnete von CDU und Grünen hätten wohl den Antrag der Römer-Koalition nicht gelesen.

DGB-Chef Philipp Jacks nannte es „beschämend“, dass 75 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus darüber diskutiert werde, ob eine Gedenkstätte angemessen sei. Die Behauptung, feste Gedenkstätten seien nicht mehr zeitgemäß, ist in seinen Augen „ein Hohn“. Für Jacks ist es „extrem enttäuschend“, dass gerade die Grünen diese Zweifel äußerten. Sie widersprächen damit allen Fachleuten.

Stefan von Wangenheim, der kulturpolitische Sprecher der FDP, forderte, die feste Gedenkstätte endlich umzusetzen. Das schließe andere Formen der Erinnerung nicht aus.

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