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Kraniche dürfen reisen, wie sie wollen, egal, ob gerade Pandemie ist. Über Rhein-Main sind sie zurzeit auch wieder unterwegs.
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Kraniche dürfen reisen, wie sie wollen, egal, ob gerade Pandemie ist. Über Rhein-Main sind sie zurzeit auch wieder unterwegs.

Vogelzug

Ja, ist denn schon wieder Frühling?

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Viele Kraniche kommen aus den Winterquartieren zurück – sie pokern um gute Brutplätze. Der menschengemachte Klimawandel zwingt sie zu einem gewagten Spiel.

Zuerst nimmt man es gar nicht richtig zur Kenntnis. Weil es eigentlich gar nicht sein kann. Weil es zum Oktober gehört. Und zum März. Aber dann bleibt das Geräusch doch so hartnäckig in der Luft, dass man den Kopf hebt und schaut und denkt: Das sind doch … Kraniche!

Ja, ist denn schon wieder Frühling? Nein. Aber die Welt ist ja auch nicht mehr die Welt, wie sie mal war. Sie verändert sich, und die Natur verändert sich mit. „Eine gewaltige Anpassungsleistung“, sagt Matthias Werner von der Staatlichen Vogelschutzwarte in Frankfurt voller Respekt.

Die Internetseite Ornitho.de hat schon viele Punkte auf der Deutschlandkarte, die Kranichsichtungen im Januar anzeigen, davon auch einige über Hessen. Dazu passend vermerkten Vogelfreunde aus Karben jüngst: 40 Kraniche unterwegs nach Norden. Überm Bingenheimer Ried wurden 45 gezählt. Und über dem Frankfurter Riedberg zog ebenfalls ein aerodynamisches Vogel-V vorbei; wir hätten gesagt: 25. Aber vielleicht waren es auch mehr. Das Originalfoto können wir uns sparen. Erkennen Sie mal 25 oder 40 Kraniche weit oben am Himmel zwischen Schneegestöber, ohne ihre Rufe zu hören.

Aus Frankreich zurück

Der Nabu hat sie schon am 11. Januar auf seiner Internetseite vermerkt, die ersten Kranichzug-sichtungen des neuen Jahres. „Es waren aber keine Kälteflüchtlinge, denen die leichte Schneedecke in manchen Teilen Deutschlands nicht gefiel“, schreiben die Fachleute. „Im Gegenteil: Mehrere Hundert machten sich bereits auf den Rückflug in die Brutgebiete.“ Der größte Teil sei aus Frankreich kommend via Saarland und Rheinland-Pfalz weiter entlang der hessischen Flugkorridore unterwegs.

Ob das wirklich eine gute Idee sei, müsse sich erst noch erweisen. Aber wenn kein allzu starker Wintereinbruch mehr kommt, haben die Januar-Rückkehrer beim Gerangel um die besten Brutplätze die Schnäbel vorn. Wie heißt es so schön: Der frühe Vogel gewinnt beim Poker.

Noch am 25. Dezember hatten viele Kraniche die zunehmende Kälte zum Anlass genommen, gen Süden abzurauschen, Richtung Eifel, Mosel und weiter in die Champagne. Da mutmaßte der Nabu aber schon, die Flugroute sei durchaus noch variabel, je nach Wetter: „Folgen wieder milde Episoden, kann es sein, dass die Kraniche noch im Winter wieder zurückkehren.“

„Früher wäre das total ungewöhnlich gewesen“, sagt Ornithologe Werner. Früher zogen die 300 000 Kraniche im Herbst aus dem Norden in die Estremadura nach Spanien und Portugal, um zu überwintern. „Aber seit einigen Jahren hat sich das geändert. Das ist jetzt mehr ein Hin-und-Zurück.“ In den vergangenen Tagen seien auch schon größere Trupps unterwegs gewesen.

Warum? Klimawandel? „Auf jeden Fall“, sagt Werner. „Die Vögel kriegen ja mit, dass sich die Welt verändert. Die Natur reagiert.“ Weil es früher im Jahr warm wird, kämen die Vögel früher aus dem Süden zurück, viele flögen erst gar nicht mehr so weit weg, bereit, in die eine oder andere Richtung zu reagieren. Aber trotz aller Flexibilität: „Viele schaffen es nicht früh genug.“ Weil der menschengemachte Klimawandel einfach zu schnell fortschreite. „Sie erleben es ja selbst, das klassische Frühjahr wird immer kürzer – schwupp ist es Sommer.“

Zum Leidwesen der Tiere. Guten Flug, liebe Kraniche.

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