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Ironman Frankfurt: „Undenkbar Unmenschliches geleistet“

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Von: Kathrin Rosendorff

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Denis Chevrot
Der Triathlet Denis Chevrot aus Frankreich läuft jubelnd ins Ziel ein. © Joaquim Ferreira/dpa

Bei der 20. Ausgabe des Frankfurter Ironman treten knapp 3000 Menschen an. Während die Sportlerinnen und Sportler hart kämpfen, ist die Stimmung beim Publikum extrem entspannt.

Aus den Lautsprecherboxen dröhnen unweit des Eisernen Stegs fröhliche Popsongs wie „I am so excited“ von The Pointer Sisters oder auch „Traum“ von Cro: Die Stimmung am Rande der Laufstrecke bei der 20. Ausgabe des Frankfurter Ironman ist auf der Stadtseite eine Stunde, bevor der Sieger, der Franzose Denis Chevrot, kurz vor 14.30 Uhr einlaufen wird, sehr entspannt: Ein Vater groovt sich mit dem Kinderwagen am Sonntag durch: Zuschauer:innen tragen Hawaiiketten, trinken Bier oder Aperol Spritz mit Eis oder essen Wassermelonenstückchen (ein Teller kostet 3 Euro).

Die Athlet:innen hingegen trinken Wasser aus den Pappbechern, den Rest des Wasser schütten sie direkt über sich, so zur Abkühlung, denn es ist bei 29 Grad schon gut warm. Unter den Zuschauer:innen gibt es wenig Gedränge im Vergleich zu den Vor-Corona-Jahren. Ein Herr aus Jena hat die eigenen Camping-stühle für sich und die Schwiegertochter dabei: „Mein Sohn läuft mit“, sagt er. Während der Sohn in der prallen Sonne noch weit vom Ziel in Hochstadt radelt, sitzt der Vater bequem im Schatten.

3000 Athlet:innen aus ganz Europa sind dabei. Und tun sich, wie eine Zuschauerin bemerkt, „undenkbar Unmenschliches“ an, das aber gleichzeitig eine „bewundernswerte Leistung“ für jede einzelne Disziplin sei. Sie würde keine einzige davon schaffen: 3,8 Kilometer Schwimmen im Langener Waldsee, dann das Radfahren über 182 Kilometer und schließlich noch ein bisschen Marathonrennen, also genau sind es 42,195 Kilometer: Der Erstplatzierte Chevrot schafft das alles in unter acht Stunden (7:52:49). Dabei sieht er frisch aus, muss sich nicht mal nach Erreichen des roten Teppichs am Römer hinlegen und erzählt sogar erste Witze.

Das bemerkt der Ironman- Hawaiisieger von 2014 Sebastian Kienle, der diesmal nicht selbst antritt, sondern als Experte mit dem HR-Reporter kommentiert. Er und andere Favorit:innen sind diesmal nicht in Frankfurt dabei. Denn sie starten bei der Konkurrenzveranstaltung Challenge am folgenden Wochenende in Roth. „Zwei große Brocken hintereinander schafft man nicht“, sagt ein Fan. Aber es sind vor allem viele Nichtprofis und deren Fans am Start.

Humor am Rande der Radstrecke.
Humor am Rande der Radstrecke. © Monika Müller

Etwas euphorischer als der Campingstuhl-Vater aus Jena ist beim Anfeuern Lucia Klotz (20). Für ihre Schwester Sabrina Klotz (23) hat sie ein Schild gebastelt auf dem „Go Sabi“ steht. Die ganze Familie ist aus dem bayrischen Gundelfingen an der Donau angereist. Vater Jürgen verfolgt am Mittag auf der Ironman-App, wo seine Tochter gerade ist: „Sie hat gerade 131,7 Kilometer mit dem Rad hinter sich gebracht“, sagt er. Mutter Silvia sagt, sie sei von der Familie am aufgeregtesten: „Meine Tochter kommt aus dem Schwimmsport. Letztes Jahr ist sie in Roth beim Challenge angetreten. Das war ihr erster Triathlon: Sie war da gleich deutsche Meisterin ihrer Altersklasse: Im Schwimmen ist sie saugut.“ Nach 11:37 Stunden ist sie im Ziel und wird zweite ihrer Altersklasse.

Die Startgebühr für Nichtprofis ist teuer: mindestens 672 Euro müssen Teilnehmende zahlen. Dafür gibt es aber nicht nur eine Finisher-Medaille, sondern noch eine Massage nach dem Rennen. Auch auf dem Eisernen Steg und auf der Sachsenhäuser Seite schauen Menschen zu: Männer am Mainufer tragen T-Shirts auf denen „No shortcuts bitches“ oder „Love is the Pain“ steht.

Eine treue Ironman-Zuschauerin ist Sylvia (45): „Der Ironman ist als Frankfurterin Pflichtprogramm“, sagt sie. Sie hofft sehr, dass die Lokalfavoritin Daniela Bleymehl aus Darmstadt als erste Frau am Römer ins Ziel kommt. Um 14.46 Uhr führt diese und hat noch 4:24 Minuten Vorsprung vor ihrer Konkurrentin Nikki Bartlett, die nach dem Radfahren komplett ihr Outfit fürs Laufen gewechselt hatte. Bleymehl sei richtig übel, berichtet der HR-Reporter, der sie begleitet: Aber sie könne zumindest wieder Flüssigkeit aufnehmen, immerhin ist es zwischendrin immer wieder bewölkt.

Rebecca (35) aus Bergen-Enkheim ist zum ersten Mal an der Laufstrecke am Mainufer dabei: „Ich sehe sonst immer die Radstrecke in Bergen-Enkheim, aber heute dachte ich, dass ich mir mal die Laufstrecke anschauen sollte. Ich war sowieso in der Stadt, um spazieren zu gehen.“ Für Nichtprofis ist eine Zwölf-Stunden-Grenze das Ziel. Nach spätestens 15 Stunden sollte Schluss sein: Um 22 Uhr wird der Zielbereich auf dem Frankfurter Römerberg geschlossen.

Aus Mailand ist Anna Vicini (31) mit ihrem einjährigen Sohn angereist. Sie essen Pommes an einer Bude, ihr Mann führe noch Rad: „Mein Mann Marco macht jetzt seinen achten Ironman, ich bin nicht mehr aufgeregt“, sagt sie und lacht. Und dann ist es so weit: Daniela Bleymehl ist nach 9:02:55 Stunden als erste Frau ins Ziel gekommen. Die Palmen, die am Rand des roten Teppichs aufgestellt sind, bemerkt sie wahrscheinlich kaum. Sie ist so kaputt, dass sie erst mal behandelt werden muss.

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