1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Internationaler Protest an der alten Oper

Erstellt:

Von: Alina Hanss

Kommentare

Ein syrisches Schiff erinnert auf dem Opernplatz an die Opfer des Krieges.
Ein syrisches Schiff erinnert auf dem Opernplatz an die Opfer des Krieges. © ROLF OESER

Menschen aus Syrien, der Ukraine und China demonstrieren für Frieden und Freiheit für ihre Landsleute.

Drei Schweigeminuten bringen nacheinander Stille auf den Platz der Alten Oper in Frankfurt. Die erste gilt den Ukrainer:innen, die unter dem Krieg in ihrem Land leiden. Die zweite soll an die Opfer in der syrischen Widerstandsbewegung erinnern. Und die dritte Schweigeminute ist den Uiguren gewidmet, die unter chinesischer Unterdrückung leben müssen. Die Fahnen der drei Völker hängen den Menschen über den Schultern. Die Flagge der uigurischen Unabhängigkeitsbewegung, der weiße Halbmond und Stern auf hellblauem Grund, ist auf einem großen Banner zu sehen. Einige Frauen aus der Ukraine tragen Wyschywanka-Hemden mit traditionellen Strickereien. Die Kundgebung beginnt mit arabischer Musik.

Was auf den ersten Blick nur wenig miteinander zu tun hat, wird nach Erklärungen von Ayman Sabbagh klar. Der Deutsch-Syrer ist in Deutschland geboren und engagiert sich schon länger in der Community in Frankfurt. Er hat die Kundgebung organisiert. „Mir geht es heute darum, auf das Elend der Menschen in Syrien, in der Ukraine und der Uiguren in China aufmerksam zu machen. Alle drei Völker vereint die Unterdrückung durch Diktatoren dieser Welt.“ Es gehe um Menschenrechte, Würde und Freiheit.

Der Krieg gegen das Volk verbinde, sagt Sabbagh. „Wer, wenn nicht wir in Syrien, kennen es, wenn wahllos Krankenhäuser und Schulen bombardiert werden.“ Es seien die gleichen Verbrechen, die damals in Syrien und heute in der Ukraine durch Russland verübt würden. „Mit tatkräftiger Schützenhilfe Russlands, militärisch sowohl politisch, wurden in Syrien ganze Städte systematisch eingekesselt und von Nahrung und Medizin abgeschnitten. Ähnliches beobachtet man nun auch wieder in der Ukraine“, sagt Sabbagh auf der Kundgebung am Opernplatz.

Für ihn und alle Anwesenden ist es der erste Versuch, alle drei Völker miteinander zu verbinden. Schon zuvor sah Sabbagh darin eine „Mammutaufgabe“, zwischen den drei betroffenen Gruppen zu wechseln und alle Bedürfnisse zu respektieren. Nach Einschätzung der Polizei kommen zur Kundgebung rund 150 Teilnehmer:innen.

Batur Osman ist als Vertreter des Weltkongresses der Uiguren, die Organisation der Exil-Uiguren, auf der Kundgebung dabei. „Seit 70 Jahren möchte China uns zu Chinesen machen. Dass das allein schon aufgrund verschiedener Kultur, Religion und Sprache nicht funktioniert, wird dabei völlig außenvorgelassen.“ Der 34-Jährige ist in Urumtschi, der Hauptstadt des Uigurischen Autonomen Gebietes Xinjiang, geboren und mit 12 Jahren nach Deutschland gekommen.

Ähnliches kann auch Svitlana Artemnko beobachten. Die Ukrainerin ist vor drei Monaten vor dem Krieg in ihrem Land geflüchtet und jetzt mit ihrer Mutter in Deutschland. „Putin versucht, sich die Ukraine zu eigen zu machen und dabei unsere kulturelle Unabhängigkeit zu übergehen. Dass wir auf so vielen Ebenen nie zu Russland gehören werden, muss der Welt klar sein.“ Die Bürokauffrau aus Kiew möchte so schnell wie möglich in ihr Heimatland zurück und demonstriert heute auch für ein Ende des Krieges. In diesem Ziel sind sich alle Anwesenden sowieso einig.

Auch interessant

Kommentare