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Gerichtsgebäude in Frankfurt. (Symbolbild)

Justiz

Frankfurt: Intensivtäter kommt mit milder Strafe davon

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Ein mehrfach vorbestrafter Mann klaut teure Nippesfiguren und bekommt nicht nur Ärger mit der Justiz, sondern auch mit seiner Frau. 

Zeit seines Lebens war Miroslav G. ein rechter Tunichtgut. Der heute 36-Jährige sammelte Vorstrafen wie andere Leute Porzellanfigürchen. Allein sechs Eintragungen umfasst seine Jugendakte, als Erwachsener liegt er im deutlich zweistelligen Bereich: Diebstahl, Waffenbesitz, Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung, Drogenbesitz: für all das war Platz auf G.s Kerbholz, doch wie durch ein Wunder fuhr er nicht einmal in ein Zuchthaus ein, denn Zeit seines Lebens war Miroslav G. zumindest in Bewährungsfragen ein rechter Glückspilz. So lebte Miroslav G. mehr schlecht als recht von Gaunereien und Hartz IV und würde diese wohl noch heute tun.

Doch dann traf er im September 2017 das Blumenmädchen. Bei Lorey, in der Nippes-Abteilung. „Die stand da einfach nur rum, nicht irgendwie eingesperrt oder so“, erinnert er sich an das erste Date, und da das freie Blumenmädchen aus feinstem Meissener Porzellan mit einem Preis von rund 2500 Euro ausgezeichnet war, steckte Miroslav G. es ein und nahm es mit nach Hause. Auf dass sich das Blumenmädchen dort nicht so einsam fühle, sackte G. auch noch drei ihrer Freunde ein: den Geflügelhändler, den Herzbuben und das Gärtnermädchen mit Gemüsekorb in einem Gesamtwert von rund 9000 Euro.

Nicht ohne Herzbuben

Und dann begann das Wunder. Miroslav G.s Ehefrau fand das Blumenmädchen und beschied ihrem Gatten, wenn er nicht sofort mit dem Klauen, dem Saufen und dem Koksen aufhöre, dann sei sie weg, und der dreijährige gemeinsame Sohn auch, und er könne mit den Nippesfiguren glücklich werden. Miroslav G. versteckte das geklaute Porzellanquartett daraufhin bei seiner Mutter, wo es die Polizei kurz darauf bei einer Wohnungsdurchsuchung fand.

Seit jenem Tag hat Miroslav G. nach eigenen Angaben dem Kokain und dem Alkohol entsagt. Er hat erstmals in seinem Leben eine geregelte Arbeit angetreten und ist am Ball geblieben – und kann das sogar beweisen. Ebenso hat er eine schriftliche Bestätigung, dass er jetzt jeden Tag den gemeinsamen Sohn von der Kita abholt. Es ist ein neuer, verbesserter Miroslav G., der seitdem keine einzige Straftat mehr begangen oder sich zumindest nicht erwischen lassen hat. Das Amtsgericht verurteilt ihn darum auch nur zu einer milden Freiheitsstrafe von 13 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Freiheit, Frau, Kind und Mutter sind Miroslav G. also geblieben. Nur das Blumenmädchen ist fort – und niemand weiß, wohin. Sie wartet wohl wieder in der Nippes-Abteilung von Lorey auf den nächsten Tunichtgut, den sie auf den rechten Pfad führen kann. Sie wird nicht lange warten müssen. Frankfurt ist voll von solchen.

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