Die Stadt Frankfurt möchte die Mauer ab dem kommenden Jahr sanieren. Foto: Rolf Oeser
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Die Stadt Frankfurt möchte die Mauer ab dem kommenden Jahr sanieren. 

Innenstadt

Frankfurt-Innenstadt: Jüdische Gedenkstätte bröckelt

Ärger mit Parksündern und kaputtem Putz rund um die Gedenkstätte Börneplatz - die Jüdische Gemeinde wünscht sich mehr Beachtung für das Ehrenmal.

Jeden Tag parkten auf dem Gelände der Jüdischen Gedenkstätte am Börneplatz Autos, ärgern sich Anwohner. „Das ist unmöglich“, sagt Bernd Unger, der um die Ecke wohnt. Es gebe zwar Poller, doch die ließen sich einfach herausnehmen. „Das kann doch nicht sein!“ Denn schließlich sei auch der Schotterplatz Teil der Stätte. Ende der 80er Jahren gab es große Proteste um die Zukunft des Geländes – wie und ob an die deportierten Frankfurter Juden und das einstige jüdische Ghetto erinnert werde. „Damals haben wir noch dafür demonstriert, dass hier eine Gedenkstätte entsteht“, sagt Unger.

Auf dem Areal dürfe niemand ohne Berechtigung stehen, sagt Michael Lenarz, stellvertretender Direktor des jüdischen Museums, das sich um die Gedenkstätte kümmert. Es könne sein, dass dort im Moment Baufahrzeuge parken, weil die angrenzenden Stadtwerke Renovierungsarbeiten durchführen. Auch Fahrzeuge für Anlieferungen dürften dort stehen. Das werde von den Wachleuten kontrolliert, die sich um die Tiefgarage kümmern.

Die Gedenkstätte sollte nicht unangemessen genutzt werden, sagt Lenarz. Deshalb soll sie auch kein Parkplatz sein. Wenn das Museum feststellen müsse, dass dort regelmäßig widerrechtlich geparkt werde, „muss etwas passieren“.

Der Ortsbeirat 1 habe schon etliche Anläufe gegen das Parken gestartet, sagt Andreas Laeuen, Vorsitzender der Grünen-Fraktion. Nun habe man längere Zeit keine Beschwerden mehr gehört. Bereits 2013 hatte das Gremium einen Antrag zu dem Parkplatzproblem gestellt. Die Stadt hatte mit Pollern reagiert. Laeuen will sich erneut darum kümmern. „Das geht nicht.“

Der Ortsbeirat 1 fordert die Stadt außerdem auf, die Mauer um den alten jüdischen Friedhof zu sanieren. Besonders das Stück am Börneplatz sei in keinem guten Zustand, heißt es in dem CDU-Antrag. Die Mauer mit den Namen der Frankfurter Juden, die dem NS-Regime zum Opfer fielen, müsse wieder in einen würdigen Zustand versetzt werden. Viele Menschen kämen täglich dort hin und legten in Gedenken an die Ermordeten kleine Steine auf die Platten und erwiesen den Toten damit die letzte Ehre.

Das Kulturamt habe bereits 470 000 Euro, verteilt auf drei Jahre, für die Sanierung beantragt, teilt Sprecherin Jana Kremin mit. Die Mittel in Höhe von 150 000 Euro in 2020 und 2021 und 170 000 Euro in 2021 würden bereitgestellt. Die Planung sieht vor, pro Jahr eine Seite der Mauer zu sanieren, so Kremin. Das heißt, dass auf jeder Seite der Putz entfernt und durch einen neuen ersetzt wird. Sobald der Haushalt genehmigt sei, können die Arbeiten beginnen.

Die Jüdische Gemeinde begrüßt den Antrag zur Sanierung der Mauer. Sie dankt dem Ortsbeirat, dass er sich der Thematik angenommen hat und das Areal nicht aus den Augen verliert. „Leider ist unserer Meinung nach die Gedenkstätte Börneplatz noch immer nicht fest im Bewusstsein der Stadtgesellschaft angekommen und seine Relevanz als Gedenkort nicht umfassend angenommen worden“, teilt die Gemeinde mit. Sie wünscht sich, dass sich dies ändert und Bürgerinnen und Bürger aus Frankfurt und Umgebung sich intensiver damit auseinandersetzen.

Die Gemeinde erreichten viele Beschwerden zum Zustand des Platzes. „Daher appellieren wir an die Stadt und die verantwortlichen Behörden, ihrer Verantwortung nachzukommen und alles dafür zu tun, um die Würde dieses Gedenkortes zu wahren.“ Die Jüdische Gemeinde stehe für Gespräche zur Verfügung, wie man die Gedenkstätte und ihre Bedeutung als Erinnerungsort noch fester etablieren kann.

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