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Vormittags wird trainiert, nachmittags gespielt.

Inklusion in Frankfurt

Frankfurt: Kinder mit und ohne Behinderung trainieren zusammen

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In Sachsenhausen gibt es erstmals ein Fußballcamp ohne getrennte Gruppen für Kinder mit Behinderung. Das soll zukünftig auch bei den Vereinen Schule machen.

An einer separaten Stelle des Fußballplatzes spielen Kinder vier gegen vier auf zwei Tore. Die Kleinen mit den roten Jacken sind im Angriff, der Ball wird von einem Abwehrspieler abgefälscht und landet vor den Füßen von Henry. Der fackelt nicht lange und drischt den Ball in die Maschen. Die Kinder jubeln kurz, doch dann müssen sie schon wieder zurückrennen, weil ihre Gegner postwendend attackieren.

Es ist der vorletzte Tag des inklusiven Fußballcamps auf dem Gelände des SV Sachsenhausen. Seit Montag trainieren 43 Kinder an der Gerbermühlstraße. Besonders daran ist, dass sechs Kinder mit Behinderungen darunter sind. „Die Kinder sind nicht in einer eigenen Gruppe, sondern in den Gruppen verteilt“, sagt Jan Zwingenberger, „das klappt sehr gut.“ Zwingenberger ist Campleiter und Gesellschafter bei der gemeinnützigen Unternehmergesellschaft Im-Pulse, die das Camp in Kooperation mit dem SV organisiert hat.

Sieben Übungsleiter und drei Jugendspieler betreuen die Kinder, wobei die Erwachsenen teilweise Trainer und teilweise Pädagogen sind. Im Laufe des Camps habe man das Angebot an die Bedürfnisse der Kinder angepasst, sagt Zwingenberger. Während am Vormittag Übungen und Spiele auf dem Programm stehen, haben die Kicker nach dem Mittagessen etwas Zeit für sich. Anschließend werden Turnierspiele gespielt. „Es ist für die Kinder eine Herausforderung den ganzen Tag Sport zu treiben,“ sagt Zwingenberger. Weil die Konzentration am Nachmittag nachlasse, werde dort nicht mehr in Kleingruppen trainiert.

Kein einziges Mädchen ist beim Fußballcamp dabei

Der siebenjährige Viktor spielt im Verein in Kalbach und findet das Camp toll. „Es gefällt mir sehr gut. Besonders die Turniere machen mir Spaß. Es gibt Siege und auch Niederlagen.“

Die 43 Kinder sind zwischen sechs und 16 Jahre alt, den Großteil machen aber die Sechs- bis Siebenjährigen aus, so der Leiter. Die Teilnehmer kämen zudem aus verschiedenen Stadtteilen, aber die meisten aus den Vierteln südlich des Mains. Auffällig ist, dass kein einziges Mädchen am Camp teilnimmt.

„Das finden wir bedauerlich“, sagt Zwingenberger. In diesem Punkt sehe er Nachholbedarf - sowohl für das nächste Fußballcamp, das für den Herbst geplant ist, als auch bei der Jugendarbeit der Fußballvereine. Nur vereinzelt gebe es Mädchenteams, beim SV in Sachsenhausen fehle beispielsweise eine Mädchenmannschaft.

Zukünftig könne sich Im-Pulse auch Kooperationen mit weiteren Vereinen vorstellen, um die Inklusion im Fußball voranzutreiben. Alexander Radomski, Jugendleiter und Erster Vorsitzender des SV erklärt: „Wir wollen die Inklusion bei uns ausweiten und Kinder mit Behinderung bei unseren Jugendmannschaften mit angliedern.“ Zwingenberger sieht in der Stadt in diesem Bereich eine Lücke. Mannschaften, in denen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam spielen, dürften keine Ausnahme sein. Dazu müssten Übungsleiter auch fachlich im Umgang mit behinderten Menschen geschult werden.

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