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Frankfurt: Initiativen fordern Erhalt des Juridicums auf dem Uni-Campus

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Von: Florian Leclerc

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Im Juridicum sollen übergangsweise Geflüchtete unterkommen. Foto: Christoph Boeckheler
Im Juridicum sollen übergangsweise Geflüchtete unterkommen. Foto: Christoph Boeckheler © Christoph Boeckheler

Soll das Juridicum auf dem Uni-Campus Westend fallen? Das sieht die ABG so vor. Initiativen halten dagegen - und stellen eine mögliche Umnutzung bei einer Stadtteilversammlung vor.

Für die Umnutzung und den Erhalt des Universitätsgebäudes Juridicum auf dem Campus Bockenheim und eine weitere Bürgerbeteiligung bei der anstehenden Neugestaltung des Geländes sprechen sich mehrere Initiativen und Privatpersonen im Stadtteil aus.

Die Architektin Margit Meßmer wies am Mittwochabend im Studierendenhaus auf die immense graue Energie hin, die im Juridicum verbaut und gespeichert sei. Im Sinne des Klimaschutzes sei es nicht ratsam, das völlig funktionsfähige Gebäude abzureißen. Der Gebäudesektor sei ohnehin ein Treiber von Treibhausgasemissionen. Meßmer sprach sich für eine „Bauwende“ aus: weniger Abriss und Neubau, mehr Erhalt und Umnutzung bestehender Gebäude.

Astrid Wuttke vom Architektenbüro Schneider + Schumacher stellte eine mögliche Umnutzung des Juridicums vor. Demnach lässt sich das Mehrzweckgebäude umbauen, um Kultureinrichtungen, Coworking und Wohnungen unterzubringen. „Wir haben das Gebäude im Sommer besichtigt, es ist völlig intakt“, sagte sie. Zuvor müssten „juristische Hemmnisse“ aus dem Weg geräumt werden.

Sperrung der Bockenheimer Landstraße gefordert

Gemeint ist der Bebauungsplan aus dem Jahr 2016. Er sieht vor, dass die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMdK) an der Stelle des Juridicums errichtet werden soll. Wie Wuttke ausführte, gebe es auf dem 16 500 Quadratmeter großen Areal ausreichend Platz sowohl für das Juridicum als auch die HfMdK, Wohnen und weitere Nutzungen.

Grundlage dafür sind die Studie von Schneider + Schumacher mit dem Titel „Besser bauen im Bestand“ aus diesem Jahr und der Beitrag des Büros zum Architektenwettbewerb auf dem Campus aus dem Jahr 2013.

Die Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt im Römer hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen, das Juridicum zur Zwischennutzung der ADA-Kantine, kulturellen Einrichtungen und geflüchteten Menschen zur Verfügung zu stellen. Laut Wuttke ist dafür unter anderem der Einbau von Toiletten und Küchen nötig.

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding ist Eigentümerin des 16,5 Hektar großen Areals auf dem Uni-Campus. Sie will dort 300 bis 500 Wohnungen errichten. Die Stadt Frankfurt und das Land Hessen planen einen Architektenwettbewerb für den Neubau der HfMdK. Das Gebäude soll auf der Fläche des Juridicums entstehen, das 1967 unter Leitung von Architekt Heinrich Nietschke entstand. Die ABG will das Juridicum abreißen lassen. Ein Termin steht noch nicht fest. Das Juridicum ist nicht denkmalgeschützt.

Wilhelm Breder vom BUND warb für eine dauerhafte Sperrung der Bockenheimer Landstraße zwischen Gräfstraße und Senckenberganlage, um die Trennwirkung der Straße aufzulösen. Nötig sei, klimaresistente Büsche und Bäume zu pflanzen, sagte er.

Stadt und Land planen Architekturwettbewerb

Für die Linke im Ortsbeirat 2 forderte Annika Schipper, beim anstehenden Architektenwettbewerb sollten Stadt und Land den Erhalt von Bestandsbauten priorisieren. Sozialer und gemeinschaftlicher Wohnraum sei zu berücksichtigen. Die Flächen auf dem Areal müssten entsiegelt und klimagerecht angepasst werden. Dazu zähle die Sperrung der Bockenheimer Landstraße zwischen Nord- und Mittelteil des Campus.

Die Initiative „Zweite Chance Campus Bockenheim“ hatte am Mittwochabend zur vierten Stadtteilversammlung ins Studierendenhaus geladen. Der Humangeograf Bernd Belina von der Goethe-Universität moderierte die Sitzung. Etwa 60 Interessierte nahmen teil.

Bei der anschließenden Diskussion forderten Bürgerinnen und Bürger eine weitere Beteiligung bei der Umgestaltung des Campus. Die Planungswerkstätten, die es vor zehn Jahren gab, seien mittlerweile überholt.

Die Ausschreibung des Architekturwettbewerbs hat sich zuletzt verzögert. Strittig war, ob die Stadt alleine oder die Stadt und das Land das Zentrum der Künste finanzieren sollen. Für das Zentrum, in dem unter anderem das Frankfurt Lab und die Dresden Frankfurt Dance Company proben sollen, war lediglich ein Ideenwettbewerb, ohne konkrete Realisierungsabsicht, vorgesehen.

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