Bahnverkehr

Frankfurt: Initiative gegen den Fernbahntunnel

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Der Fernbahntunnel in Frankfurt wird von der Politik einheitlich begrüßt. Die Initiative „Frankfurt 22“ fordert stattdessen einen oberirdischen Gleisbau.

Die Initiative „Frankfurt 22“ lehnt den Fernbahntunnel in Frankfurt ab. Stattdessen sollte die Deutsche Bahn den Abschnitt von der Deutschherrnbrücke über den Südbahnhof zum Hauptbahnhof, viergleisig ausbauen, sagte Sprecher Klaus Gietinger. „Wir fordern die Ertüchtigung des Zulaufs vom Südbahnhof zum Hauptbahnhof, und zwar so, wie es in Frankfurt Rhein-Main plus vorgesehen war, nämlich viergleisig, und jetzt mit der Tunneleuphorie begraben wurde“, sagte er.

Ein solcher Ausbau sei schneller umzusetzen und preiswerter als der Fernbahntunnel. Für diesen will die Bahn im Jahr 2021 eine Machbarkeitsstudie vorlegen. Dann würden 15 Jahre Planungs- und Bauzeit folgen. Die Kosten übernähme der Bund. Der Tunnel wäre sieben Kilometer lang. Er würde an der dritten Niederräder Mainbrücke beginnen und an die südmainische oder die nordmainische Strecke anschließen.

Ein Ausbau des Zulaufs könnte laut Gietinger in fünf Jahren fertig sein. Der Fernbahntunnel habe weitere Nachteile: Die Fernzüge der Main-Weser-Bahn (Kassel-Frankfurt) sowie die Fernzüge von und nach Darmstadt könnten nicht hindurchfahren. Falls der Fernbahntunnel südmainisch ende, werde die nordmainische Strecke in Richtung Hanau abgehängt, „es sei denn, man macht eine zweite, superteure Bohrung nach Nordosten“. Die Umsteigezeiten im unterirdischen ICE-Bahnhof unter dem Hauptbahnhof würden die Reisezeitgewinne von acht bis zehn Minuten aufheben. Die oberirdische Einfahrt der Fernzüge in den Bahnhof, welche zu den Attraktionen der Stadt zähle, falle weg. Vor allem seien die Kosten des Tunnels mit 3,5 Milliarden Euro zu hoch.

Die Bahn teilte auf Anfrage mit, der Ausbau des Zulaufs vom Südbahnhof zum Hauptbahnhof alleine reiche nicht aus, um die benötigte zusätzliche Kapazität im Fernverkehr zu schaffen. „Auch städtebaulich spricht viel für den Tunnel, da es aufgrund der engen Bebauung in Frankfurt kaum möglich ist, oberirdisch zusätzliche Gleise durch Wohngebiete zu verlegen“, sagte die Sprecherin.

Auf der Internetseite der Bahn zu Frankfurt Rhein-Main plus (www.frmplus.de) heißt es, „im Bereich Frankfurt Hauptbahnhof bis Frankfurt Süd werden die Bahnanlagen angepasst und teilweise neu gebaut“. Seit 2016 laufe eine „Grundlagenermittlung“. „Konkrete Termine gibt es noch nicht“, sagte die Sprecherin. Unklar blieb, wie viele Gleise die Bahn oberirdisch hinzu bauen will.

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hatte sich zuletzt dagegen ausgesprochen, den Südbahnhof zum Umsteigebahnhof auszubauen. Die Bebauung sei zu dicht, ein Pendeln zum Hauptbahnhof wäre unattraktiv.

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