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Frankfurt: Info-Demo gegen Tunnel

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Von: George Grodensky

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Die Gegnerinnen und Gegner des Tunnelbaus machen mobil.
Die Gegnerinnen und Gegner des Tunnelbaus machen mobil. © Monika Müller

Initiativen gegen den U-Bahnbau im Grüneburgpark sagen, sie wollen aufklären. Verkehrsdezernat wartet für die Debatte die Ergebnisse des Umweltgutachtens ab.

Etwa ein Jahr wird es wohl dauern, bis das Bodengutachten belastbare Daten zu den Grundwasserströmen und der Beschaffenheit des Untergrunds unter dem Grüneburgpark liefert. Besagte Daten sollen helfen zu entscheiden, ob der Lückenschluss der U-Bahnlinie 4 als Tunnel unter dem Park verläuft und so eine U-Bahnhaltestelle auf dem Campus Westend ermöglicht oder ob die Route schnurstracks über die Haltestelle Botanischer Garten verläuft.

Die erklärten Gegner des Tunnelbaus wollen das Jahr nutzen, um zu informieren, wie sie sagen. Demonstrieren würde es auch treffen. Viele Menschen wüssten einfach nicht Bescheid, was die Stadt plane, sagen sie. Keine 100 Meter weit weg vom Bohrer, der mittels Sonden im Boden forscht, haben sie sich am frühen Donnerstagabend postiert und verteilen Flugblätter. „Rettet den Grüneburgpark“ steht auf einem Transparent.

Erstaunlicherweise sind viele, die vorbei kommen, tatsächlich reichlich uninformiert. Und das, wo die Debatte um das Vorhaben seit 2019 nicht wirklich voran gekommen ist. Den Stand hat auch Verkehrsdezernent Stefan Majer jüngst im Verkehrsausschuss nochmals bestätigt. „Es ist noch nichts entschieden.“ Es gelte abzuwarten, was das Umweltgutachten hervorbringe.

Hans-Jürgen Hammelmann von der AG Westend glaubt die Antwort bereits zu kennen. „Die Stadtverordneten müssen die Tunnelpläne begraben.“ Ein Tunnel quer durch den Grüneburgpark werde auf jeden Fall die Grundwasserströme stören. So eine Röhre habe 7,20 Meter Durchmesser und davon brauche es zwei. Alle geologischen Karten zeigten, dass das Grundwasser von der Bundesbank zum Main unter dem Park fließe.

Beim neuen Aufzug auf der Bockenheimer Landstraße, der die U-Bahnstation Westend barrierefrei machen soll, habe es ein interessantes Phänomen gegeben, berichtet Hammelmann. Vor dem Bau hätten die Messungen kein Grundwasser auf der Tunneldecke festgestellt, nach dem Bau schon. Der Aufzug habe das Wasser also gestaut. „Deswegen verzögert sich die Fertigstellung um ein halbes Jahr.“

Die VGF weist diese Darstellung allerdings zurück. Weder sei beim Bau ein Grundwasser-Phänomen aufgetreten, noch habe es eine Verzögerung im Bauablauf gegeben, so Sprecher Bernd Conrads. Der Aufzugsbau von Frühjahr 2021 bis September 2022 sei pünktlich im Zeitplan gewesen. Schichtenwasser habe sich oberhalb des Tunnels gesammelt. Das ist Wasser von der Oberfläche, das sich auf einer undurchlässigen oder wenig wasserdurchlässigen Bodenschicht sammelt, also auf der Decke des Tunnelbauwerks. Das sei beim Bau des  Aufzugsschachts im Sommer 2021 in die offene und noch nicht fertig gestellte Baugrube geflossen, aus der es abgepumpt wurde.

Ungeklärt sei aber auch, so Hammelmann, wo bei der U4-Verlängerung Fluchttreppen und Belüftung hinsollten, schlussendlich sei die Tunnelvariante zu teuer. Lieber sollte die Stadt die Buslinien rund um den Campus in Straßenbahnlinien umwandeln. Das sei günstiger und erschließe die Hochschule auch besser mit viel mehr Haltestellen. „Wenn man den Alleenring wirklich als Campusmeile aufwerten will“, sagt Hammelmann noch, müsse man den Verkehr reduzieren. Etwa, indem dort künftig eine Straßenbahn fahre.

Natürlich sei es reizvoll, vom Hauptbahnhof in zehn oder weniger Minuten zum Campus zu kommen, sagt derweil Reinhard Oswalt, Bewohner der zwischen Campus und Grüneburgpark gelegenen August-Siebert-Straße. Doch die Zeiten des Höher, Schneller, Weiter seien vorbei. Würde die Buslinie 64 als Tram vom Hauptbahnhof aus zum Campus fahren, sei das auch eine gute Anbindung. Die Zukunft liege in kleinteiligen, smarten Konzepten. Obendrein: Vor 2030 wäre das ambitionierte U-Bahnprojekt nicht umgesetzt. „Wer weiß denn, wie dann die Uni aussieht?“, fragt sich Oswalt. „Gibt es dann noch Präsenzlehre?“

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