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Frankfurt: Industrie schlägt Alarm

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Von: Christoph Manus

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Die IHK sieht nicht genug gewürdigt, wie wichtig die Industrie, hier im Industriepark Höchst, für Frankfurt ist.
Die IHK sieht nicht genug gewürdigt, wie wichtig die Industrie, hier im Industriepark Höchst, für Frankfurt ist. © ROLF OESER

Die Wirtschaftskammern in Frankfurt und Region sehen angesichts der hohen Energiepreise die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie gefährdet. Die Lage sei ernst und bedrohlich, heißt es.

Die Industrie- und Handelskammern in der Region Frankfurt/Rhein-Main beklagen eine mangelnde Wertschätzung und Unterstützung. Die Industrie sei zwar ein zuverlässiger Gewerbesteuerzahler und guter Arbeitgeber, doch das werde von der Politik nicht ausreichend gewürdigt, klagte Ulrich Caspar, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt und Vorsitzender der regionalen Initiative Perform am Montag bei der Vorstellung einer Studie über den Industriestandort. Vielmehr verschlechterten sich die Bedingungen etwa in Frankfurt zusehends.

Die Stadt weise, obwohl ihr der Flächenbedarf bekannt sei, seit Jahren keine neuen Gewerbeflächen aus und wandele weiterhin Standorte für das Gewerbe in Wohn- und Mischgebiete um, kritisierte Caspar. Das führe zur Verdrängung von Unternehmen, die in Frankfurt keine Möglichkeit für Wachstum sähen, und dazu, dass die Stadt großen Unternehmen, die sich ansiedeln wollten, nichts bieten könne. Der Mangel an günstigem Wohnraum verschärfe zudem den Fachkräftemangel.

Zahl der Beschäftigten sinkt

Nach Zahlen der Industriestudie ist die Situation gar nicht so schlecht. Ende März dieses Jahres arbeiteten demnach immerhin etwa 366 000 Menschen in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main in diesem Segment. Das waren zwar gut 18 500 weniger als vor drei Jahren, als die Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter im produzierenden Gewerbe den höchsten Stand der vergangenen Jahre erreichte, aber auch 19 000 mehr als noch im Jahr 2008.

In Frankfurt blieb die Beschäftigung trotz Konversion riesiger vormals industriell genutzter Flächen zuletzt ziemlich stabil. Sie sank von 2013 bis 2021 lediglich um 1,4 Prozent.

Doch die Energiekrise hat die Aussichten stark getrübt. Viele Unternehmen hätten nun so hohe Energiekosten, dass ihre Wettbewerbsfähigkeit stark sinke, sagte Jürgen Vormann, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Infraserv Höchst und Vorsitzender des Industrieausschusses der IHK Frankfurt. Ändere sich nichts, investierten immer mehr Unternehmen im Ausland statt in Deutschland. Das werde sich auch auf die Beschäftigtenzahlen auswirken. Die Öffentlichkeit nehme noch gar nicht wahr, wie ernst und bedrohlich die Lage sei, sagte er,

Unternehmer Christian Jöst sieht viele Industriebetriebe seit Ausbruch der Corona-Pandemie in einem „permanenten Krisenmodus“. Manche zahlten derzeit fünfmal so viel wie früher für Strom. Und der Fachkräftemangel sei so groß, dass sich die Betriebe gegenseitig die Leute abwürben, sagte der Vorsitzende des Industrieausschusses bei der IHK Darmstadt.

Große Herausforderungen sehen Caspar, Jöst und Vormann auch in der Transformation in Richtung Klimaneutralität. Dabei müsse man etwa Wege finden, um den Kohlendioxidausstoß zu reduzieren, ohne „ökonomischen Selbstmord zu begehen“, wie es Vormann formulierte. Die Industrievertreter fordern zudem eine „Technologieoffenheit“ in der Energiepolitik. Diese müsse sich dringend von „Dogmen“ befreien, hieß es.

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