1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt in Kauflaune

Erstellt:

Von: Timur Tinç

Kommentare

Am dritten Adventssamstag ist die Zeil voll.
Am dritten Adventssamstag ist die Zeil voll. © Renate Hoyer

Die Frankfurter Zeil ist zwei Wochen vor Heiligabend sehr gut besucht. Zweihundert Geschäfte nehmen an einem Aktionstag teil und hoffen auf gute Umsätze in der Weihnachtszeit.

Die Türglocke der Boutique Bunt klingelt am Samstag gegen 11 Uhr fast am laufenden Band. In dem Geschäft für Kinderschuhe und Kindermode in der Rendeler Straße in Bornheim drängelt sich eine ganze Delegation der Frankfurter Wirtschaft, um den „weihnachtlichen Aktionstag“ der Initiative „Frankfurt am Start“ im wahrsten Sinne des Wortes einzuläuten. „Die Weihnachtsstimmung kommt langsam, aber sie kommt“, sagt Nathalie Paschke, die im April die Boutique übernommen hat.

Die Menschen in dem Stadtteil seien dankbar gewesen, als sie erfahren hätten, dass der Laden weitergeführt würde. „Viele Eltern von Kleinkindern decken sich hier mit Schuhen, Mützen und Klamotten ein“, berichtet Paschke. „Die gehen lieber in das Geschäft im Stadtteil, als in die Innenstadt zu fahren.“ Paschke musste die Preise erhöhen, weil sich auch die Einkaufspreise erhöht haben. Die Kundinnen und Kunden merkten das zwar, aber sie habe noch keine negativen Erfahrungen gemacht, sagt sie.

„Wir wollen die Weihnachtszeit, die für die Händlerinnen und Händler wahnsinnig wichtig ist, nutzen, um zu zeigen, wie vielfältig es hier ist“, sagt Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP). In der Berger Straße nehmen am Samstag 71 Geschäfte an dem Aktionstag teil. Insgesamt sind es 200 im Grüneburgweg, in der Leipziger Straße, im Oeder Weg, in der Schweizer Straße und in der Töngesgasse. Gelb-schwarze Ballons und ein Plakat hängen vor den teilnehmenden Geschäften.

Eine Frau, die sich durch die Menschentraube vor der Tür gedrängt hat, berichtet, dass sie Weihnachtsgeschenke im Spielzeuggeschäft Meder besorgt habe. Die seien zwar teilweise 50 Prozent teurer als im Internet, aber sie unterstütze gerne die Geschäfte vor Ort. „Der Onlinehandel wird immer wichtiger, aber wir haben hier etwas Außergewöhnliches und zwar die inhabergeführten Läden, die Expertise haben“, lobt Wüst.

Expertise hat auch Messerschmiedin Andrea Müller von „Waffen Dotzert“ in der Töngesgasse. Gerade in der Weihnachtszeit, sagt sie, zeige sich der Unterschied zwischen den Einkaufsstraßen. „Die Leute fahren nach Frankfurt, um auf die Zeil zu gehen“, sagt Müller. Die wenigsten flanierten über die Töngesgasse, sondern kämen gezielt, aber dann aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet. Der Umsatz sei okay, aber nicht berauschend. „Für die Butter auf dem Brot müssen wir präsenter, sichtbarer werden und in die Köpfe der Leute rücken“, sagt Müller. Ein großes Problem seien die mangelnden Parkplätze und die schlechte Erreichbarkeit, während die Parkhäuser rund um die Zeil gut belegt sind.

Die Zeil ist schon mittags sehr voll. Weihnachtsbäume, Weihnachtskugeln, Lichterketten schmücken fast alle großen Geschäfte der Einkaufsstraße, mal dezent, mal pompös. Besonders herausgeputzt hat sich das My Zeil, das Kundinnen und Kunden von überall her anlockt. Matt war gerade mit seinem zehnjährigen Sohn im Lego-Geschäft und hält eine gelbe Tüte in der Hand. „Er wollte unbedingt ein Star-Wars-Raumschiff“, sagt er auf Englisch. Er habe seinen Sohn lieber mitgenommen, um später nach Weihnachten nichts umtauschen zu müssen, weil er etwas Falsches gekauft habe, fügt er scherzend hinzu. Wegen der Energiekrise müsse er den Gürtel schon etwas enger schnallen, aber da verzichte er lieber auf den Restaurantbesuch, als bei den Weihnachtsgeschenken zu sparen.

Ein älterer Mann trägt im zweiten Stock des My Zeil ein schön verpacktes Geschenk vor sich her. „Das ist für meine Frau“, sagt er. Da er für keinen anderen ein Geschenk kaufen muss, hat er auch nicht auf das Budget achten müssen. Im Adidas-Store schauen die meistens jungen Menschen schon eher auf den Preis. „Das beides zusammen kostet 120 Euro“, sagt ein Verkäufer und deutet auf einen Zweiteiler aus Jogginghose und Kapuzenjacke. „Das T-Shirt kostet extra: 35 Euro.“ Der junge Mann, der nachgefragt hatte, lässt es dann lieber bleiben. Ordentlich Rabatt gibt es auf WM-Trikots der deutschen Nationalmannschaft, aber auch der spanischen. Aber für die interessiert sich niemand wirklich.

Viel größer ist das Interesse hingegen für die Buden am Weihnachtsmarkt, egal, ob auf der Zeil oder auf dem Römerberg. Die Leute kaufen Fleischspieße, Stockbrot, Glühwein oder gebrannte Mandeln. „Wir kommen jedes Jahr gerne“, sagt Manfred Schulz, der mit zwei Freunden den Weg nach Frankfurt gefunden hat und gerade eine Bratwurst isst. Dass die Preise an den Buden gestiegen seien, tue zwar weh, aber irgendwie müsse ja jeder über die Runden kommen. „Sonst gibt es irgendwann keinen Weihnachtsmarkt mehr.“ Er wird noch ein Geschenk für seine Frau kaufen, was verrät er aber nicht. „Sie wird sich freuen.“

Eine kleine Freude kann auch Sibylle Zolles ihren Kundinnen und Kunden machen. Jede und jeder, der etwas im Wächtershäuser in der Töngesgasse kauft, bekommt eine Einfädelhilfe geschenkt. Das Geschäft für Futterstoffe, Kurzwaren, Reißverschlüsse und Schneiderbedarf macht ebenfalls beim weihnachtlichen Aktionstag mit. „Das ist aber schön. Genau so eine hätte ich mir sonst jetzt gekauft“, freut sich Cäcilia Scholz. Sie bestelle auch ab und zu was im Internet, aber für Nähgarn und dergleichen komme sie gerne ins Geschäft.

„Der Sommer war so schlecht wie noch nie“, sagt Sibylle Zolles, Geschäftsführerin von Wächtershäuser. Normalerweise gingen in Zeiten der Rezension die Umsätze rauf, weil die Leute dann Flicken kauften und reparierten. „Dieses Jahr nicht.“ Jetzt kurz vor Weihnachten sei das Geschäft wieder angelaufen, aber man sei noch weit von den Umsatzzahlen von vor fünf Jahren entfernt. Der Lieferant habe in diesem Jahr alleine dreimal die Preise erhöht, so dass einige Produkte 20 Prozent teurer als im vergangenen Jahr seien. Auch die Lieferzeiten hätten sich verlängert. Das größte Problem seien aber die Anbieter im Netz, wie Amazon. „Das tut uns nicht gut.“ Vom Aktionstag erhofft sie sich wie alle anderen Gewerbetreibenden, einen Schub für das weihnachtliche Geschäft. Knapp zwei Wochen sind es noch bis zur Bescherung.

„Die Menschen schätzen die Qualität“, sagt Nathalie Paschke in Bornheim. Sie ist überzeugt, dass ihre Türglocke in den kommenden Tagen noch ganz oft weihnachtlich läuten wird.

Das My Zeil hat sich weihnachtlich herausgeputzt
Das My Zeil hat sich weihnachtlich herausgeputzt © Renate Hoyer
Nicht nur die Zeil, auch einige Menschen sind weihnachtlich dekoriert.
Nicht nur die Zeil, auch einige Menschen sind weihnachtlich dekoriert. © Renate Hoyer
Der Laden „Bunt“ von Nathalie Paschke in der Rendeler Straße nimmt am Aktionstag teil.
Der Laden „Bunt“ von Nathalie Paschke in der Rendeler Straße nimmt am Aktionstag teil. © Renate Hoyer

Auch interessant

Kommentare