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Frankfurt: In der S-Bahn zusammengetreten

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Von: Stefan Behr

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Das Jugendschöffengericht in Frankfurt verhandelt gegen ein Trio, das die Neujahrsnacht in der S3 zum Albtraum machte.

Die Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung, die am Mittwochmorgen vor dem Jugendschöffengericht verlesen wird, klingt wie ein Merkzettel, warum man Silvester am besten daheim feiern sollte: Drei junge Männer fahren in der Neujahrsnacht 2020 gegen 3.20 Uhr mit der S 3 von der Konstablerwache Richtung Bad Soden. In der Bahn flirten sie mit zwei fremden Frauen, indem sie diese beleidigen und in ihre Richtung spucken.

Es mag an diesem etwas archaischen Balzverhalten liegen, dass alle drei noch ledig sind. Oder an ihrem Alter (25, 24 und 23). Das Alter erklärt zumindest die Zuständigkeit des Jugendgerichts: Der jüngste war zur Tatzeit noch Heranwachsender.

An der Galluswarte wird es laut Anklage einem 30 Jahre alten Fahrgast zu bunt: Er fordert die drei auf, die Frauen in Ruhe zu lassen. Die Reaktion der Zurechtgewiesenen: Sie schlagen den Kavalier zu Boden und treten dann auf ihn ein, unter anderem indem sie sich „an den Griffen im Waggon festhalten und mit gestrecktem Bein auf seinen Kopf treten“. Dem 30-Jährigen brechen etliche Knochen im Kopf, er muss operiert werden.

Wie bei solchen Prozessen üblich, wollen sich die Täter nicht mehr so recht erinnern können - der Alkohol, das Gras, das Adrenalin. Zwei geben immerhin zu, das Opfer geschlagen zu haben, leugnen aber die Tritte gegen den Kopf. Ob der 24-Jährige mitgeprügelt hat, ist hingegen fraglich. Laut seiner eigenen Aussage, die von Zeugen bestätigt wird, habe er lediglich daneben gestanden und Maulaffen feilgehalten, was natürlich auch nicht schön ist.

Der Jüngste entschuldigt seine vorherige Rumspuckerei mit „Gewohnheit“ und dem Genuss von Kautabak. Der Älteste sagt aus, dass ihn der 30-jährige Georgier zuvor mit „Scheiß-Türke“ insultiert und wahrheitswidrig behauptet habe: „Ich ficke deine Mutter.“ Da könne man schon sauer werden.

Es ist nun allerdings auch nicht so, dass der 30-Jährige sich in dieser Nacht als weißer Ritter schützend vor die Damen gestellt hätte. Diese hatten das Trio infernale zuvor selbst aufgefordert, sich zu „verpissen“, was die drei an der Galluswarte auch tun wollten. Das spätere Opfer aber gibt selbst an, dem Jüngsten beim Aussteigen einen Schubser verpasst zu haben. Der Grund: Er habe bemerkt, wie dieser Speichel angesammelt hätte, um einen Abschiedsgruß an die Damenwelt zu speien. Bei Ausführung dieses Plans wäre jedoch er selbst in Gefahr geraten, einen Teil der Ladung abzubekommen. Ein verständliches Motiv, aber weniger ritterlich, als die Anklage behauptet.

Aufgrund der unklaren Beweislage und der Erinnerungslücken der Angeklagten sowie des Opfers beschließt das Gericht schließlich, einen weiteren Verhandlungstermin anzusetzen. An dem sollen dann auch weitere Zeugen wie ein am Mittwoch wegen Krankheit fehlender Mann, der Videoaufnahmen mit dem Handy gemacht hatte, sowie der damalige Begleiter des Opfers, der dazu wohl aus Tiflis anreisen muss, gehört werden.

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