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Frankfurt: In den Frühling gucken, bis die Augen jucken

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Von: Thomas Stillbauer

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Weiß’ Röckchen: Schneeglöckchen im Grüneburgpark. Danke, lieber Februar.
Weiß’ Röckchen: Schneeglöckchen im Grüneburgpark. Danke, lieber Februar. © Renate Hoyer

Kraniche und Pollen fliegen, Vögel singen – es wird doch wohl nicht schon der Lenz sein? Beobachtungen aus Frankfurt.

Manche Themen sind ein wenig untergegangen in letzter Zeit – es gab (und gibt) da etwas, das alles überschattete. Sie wissen schon, diese unangenehme Sache, die sich überall ausbreitete und mit C anfängt. Genau: Cocosmakronen. Nein, kleiner Scherz. Gemeint ist auch nicht Coldplay.

Aber im Ernst: Wir sollten wieder Mut fassen und nach vorn blicken, denn eins steht fest: Der nächste Frühling kommt bestimmt. Im Grunde genommen ist er schon da. Und wie wir alle wissen, ist der Februar der beste Monat überhaupt: Er birgt ein Potenzial an Vorfreude wie keine andere Jahreszeit. Der Februar ist der beste Freund des Menschen.

Am frühen Mittwochnachmittag wurde eine Biene in einer Christrose gesichtet. Marienkäfer wollen aus ihrem Winterquartier heraus. Aber es geht schon los, wenn Sie morgens um 6 Uhr zum Briefkasten eilen, um festzustellen, dass der Zeitungsbote verschlafen hat, aber was hören Ihre ebenso verschlafenen Ohren? Die Amsel! Den Hausrotschwanz! So früh im Jahr schon? Das Rotkehlchen! Die Meise! Und mehrere Autos mit kaputtem Anlasser – ach nein, das sind ja die Elstern! Es sind wieder mehr Vögel in der Stadt. Sie planen ihre Zukunft. Sie wollen in unserer Nachbarschaft wohnen. Ein Grund zum Tirilieren, natürlich auch für uns. Tirili!

Hup, huuup! Das kommt von oben – da sind nämlich noch viel größere Vögel. In enormen Trupps schwingen sie sich über die Stadt: Kraniche mit ihren typischen, an Autohupen in alten Schwarzweißfilmen wie „Väter der Klamotte“ gemahnenden Rufen. „Am Montag habe ich 80 Kraniche am Himmel gesehen“, sagt Ingolf Grabow, Naturschützer aus Passion, organisiert in den Umweltverbänden, Ansprechpartner für alles, was Flügel hat und nicht mit Kerosin betrieben wird. „Ich höre sie sofort“, die Kraniche, „und gucke hoch in die Luft.“

Das sollten alle viel häufiger tun, raus ins Grüne, den Blick in die Luft, Kraniche zählen. Das Niddatal ist eine ihrer bevorzugten Flugrouten, sagt Grabow. Auf der Internetseite ornitho.de ist nachzuverfolgen, wo sie schon überall auftauchen und wann sie unterwegs waren. Da ist auch ein großer Ausschlag im Dezember zu sehen – eigentlich nicht direkt eine Premium-Reisezeit für den Kranich. Entweder ist er dann schon längst im Winterurlaub im Süden, oder er hat sich entschlossen hierzubleiben.

Ein Wetterumschwung um Weihnachten herum ließ aber viele Kraniche ins Grübeln kommen, ob sie nicht doch lieber vor der Kälte flüchten. Man hätte gern mit der Vogelschutzwarte darüber gesprochen, aber die ist ja nach 80 Jahren nicht mehr vor Ort und informiert auf ihrer Internetseite: „Mit der Stadt Frankfurt wurde die Kooperation beendet.“ Ungeachtet dessen lassen sich viele Vögel jetzt schon hören. Das Morgenkonzert kann jedoch noch deutlich mehr Stimmen gebrauchen. Wenn es wärmer wird und heller, ist mit ihrem Einsatz stark zu rechnen. Und nicht nur damit. Schon jetzt spüren Allergiker, dass die Nase gern mal läuft und vor allem: dass die Augen jucken. Der Deutsche Wetterdienst sieht in seinem Pollenflug-Gefahrenindex zurzeit eine mittlere bis starke Belastung durch Hasel und Erle: Gefahrenstufe 5 bis 6 von insgesamt 7.

„Allergieratgeber.de“ hingegen siedelt die beiden Pollensorten bereits im roten Bereich an – Stufe 4 von 4! Und es blüht noch nicht mal die Birke! Aber die Website wird auch vom Hersteller einschlägiger Heuschnupfenmittel betrieben. Womöglich ist es gar nicht so schlimm.

Peinlich wird es sowieso erst, wenn wir Allergiker wieder Niesanfälle unter unserem Mund-Nase-Schutz kriegen und obenherum die Tränen fließen. Dann heißt es wieder: „Keine Angst! Bei mir ist es nur Heuschnupfen – und nicht Coldplay.“

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