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Frankfurt

Frankfurt: Immer noch stecken Familien in Afghanistan fest

  • Sonja Thelen
    VonSonja Thelen
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Auch Familien aus Frankfurt stecken noch in Afghanistan fest, das Dezernat weiß von 35 Fällen. Hinweise sollen gebündelt und an das Auswärtige Amt weitergegeben werden.

Fünf Schüler der Michael-Ende-Schule (MES) aus Rödelheim und ihre Familien stecken nach wie vor in Afghanistan fest. Das bestätigt Thomas Ludwig von der Jugendhilfe „Raum“ am Haupt- und Realschulzweig der MES. In den Sommerferien waren die Familien nach Afghanistan gereist und dort von der Machtübernahme durch die Taliban überrascht worden. Seither ist es ihnen nicht gelungen, wieder in ihre Heimatstadt Frankfurt zurückzukehren.

Vier der fünf Kinder haben die deutsche Staatsbürgerschaft, eine Familie verfügt über eine gültige Aufenthaltserlaubnis, berichtet Thomas Ludwig. Mit einigen der Betroffenen stünden Mitschüler:innen über ihr Handy in Kontakt, „aber sehr vorsichtig, damit niemand in Gefahr gebracht wird“, so Ludwig.

Staatliches Schulamt und Bildungsdezernat seien über die abwesenden Schüler:innen an der MES informiert, ergänzt Schulleiter Stefan Franz. „Unsere Schulgemeinschaft ist sehr betroffen und fühlt mit den Schülern und ihren Familien. Wir hoffen, dass alle wohlbehalten zurückkehren.“

„Erschüttert“ zeigt sich Jan Pasternack, Referent von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD): „Wie sind sehr dankbar für alle Meldungen, die uns von Lehrkräften, Schulleitungen, Nachbarn und Bekannten über abwesende Schüler und Familien erreichen, die sich vermutlich in Afghanistan aufhalten und nicht ’rauskommen.“

Das Dezernat selber habe keinen Überblick, wie viele Frankfurter Schüler:innen und ihre Familien derzeit noch in Afghanistan sind. Die Dezernentin habe ein Schreiben an das hessische Kultusministerium sowie an das Bundeskanzleramt und die Bundesministerien des Inneren, der Verteidigung und des Äußeren geschrieben mit der Bitte, den Betroffenen zu helfen, wieder nach Deutschland und Frankfurt zurückkehren zu können.

„Alle Daten, die wir bekommen, leiten wir an das Staatliche Schulamt als fürsorgepflichtige Stelle weiter“, berichtet Pasternack. 35 Fälle seien der Behörde aktuell aus Frankfurt bekannt, aus verschiedenen Stadtteilen und unterschiedlichen Schulformen, berichtet Evelin Spyra, Leiterin des Staatlichen Schulamts: „Das ist ein sehr trauriges und leidvolles Thema.“ Bislang habe sie von einer Familie gehört, der es gelungen sei, das Land am Hindukusch zu verlassen.

„Wir bieten betroffenen Schülern nach ihrer Rückkehr schulpsychologische Hilfe an, auch den Schulgemeinden, die hier Unterstützung und Beratung brauchen“, betont Spyra. Meldungen von betroffenen Familien, die ihr Amt von Schulen oder anderen Einrichtungen erhalte, werden an das Außenministerium an eine eigens dafür eingerichtete E-Mail-Adresse weitergeleitet, berichtet die Schulamtsleiterin.

Die zwei Stadtverordneten Emre Telyakar (Grüne) und Omar Shehata (SPD) haben sich mit dem Verein Zan zusammengetan, der afghanischen Frauen hilft, um Meldungen über betroffene Familien an das Außenministerium weiterzugeben. „Wichtig ist es, diese Infos zu bündeln“, sagt Omar Shehata, der wie Telyakar integrationspolitischer Sprecher seiner Fraktion im Römer ist. „Wir erfahren sporadisch etwas über sieben Familien, die ab und zu mit Lehrern in Kontakt stehen. Sie sind körperlich soweit okay, aber viele haben Angst, sind zum Teil von ihren Familien getrennt. Versuche, über den Landweg zu flüchten, sind gescheitert“, schildert Shehata, der sich mit Telyakar seit Ende August auch dafür einsetzt, Ortskräfte aus dem Land herauszuholen, die jahrelang für die Bundeswehr oder deutsche Institutionen gearbeitet haben.

Omar Shehata und Emre Telyakar haben eine E-Mail-Adresse eingerichtet, an die Informationen über in Afghanistan feststeckende Frankfurter geschickt werden können: evacuate.afghanistan@gmx.de

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