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Frankfurt: Im Osthafen droht ein Containerstau

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Von: Christoph Manus

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Der Frankfurter Hafen ist der zehntgrößte Binnenhafen in Deutschland. Vergangenes Jahr wurden hier 2221 Schiffe umgeschlagen.
Der Frankfurter Hafen ist der zehntgrößte Binnenhafen in Deutschland. Vergangenes Jahr wurden hier 2221 Schiffe umgeschlagen. © Renate Hoyer

Das Niedrigwasser des Rheins bleibt ein Problem für den Osthafen in Frankfurt. Doch prinzipiell sind die Hafenanlieger zuversichtlich. Zwei Unternehmen planen große Investitionen.

Auf dem Contargo-Gelände im Frankfurter Osthafen stapeln sich dieser Tage mehr Container als sonst. Auch an einer Stelle, an der normalerweise Lastwagen halten, stehen bis zu vier aufeinander. „Wir laufen langsam zu, weil wir die Container nicht wegbekommen“, sagt Christian Eichmeier, Geschäftsführer von Contargo Rhein-Main.

Etwa 90 Prozent der Güterschiffe, die Frankfurt verlassen, fahren auf den Rhein, also etwa Richtung Antwerpen oder Rotterdam. Doch da geht trotz der Regenfälle der vergangenen Tage kaum noch etwas. Vorige Woche habe Contargo die Schifffahrt auf dem Mittelrhein aus Sicherheitsgründen eingestellt, berichtet Eichmeier, der auch Sprecher der Hafenanlieger ist, bei einer Tour durch das Hafengelände. Und ein Ende der Misere ist bisher nicht in Sicht. Der Pegel in Kaub könne bald wieder bei 50 bis 40 Zentimetern oder noch niedriger liegen, schätzt er.

Hafenanlieger in Frankfurt schätzen derzeitige Situation als sehr schwierig ein

Den Kunden bietet das Unternehmen „Landbrücken“ an, bei denen der Mittelrhein mit Lastwagen umfahren wird. Die Container kommen dann erst in Duisburg aufs Schiff oder verlassen es dort. Deutlich mehr Ware wird zudem per Zug transportiert. Etwas mehr als die Hälfte verlässt das Contargo-Terminal ohnehin bereits auf dem Schienenweg. Doch die Situation sei total schwierig, sagt Eichmeier bei der Hafentour mit Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP), IHK-Präsident Ulrich Caspar und Führungskräften der städtischen Hafen- und Marktbetriebe. Denn Transportkapazitäten jenseits des Schiffverkehrs seien nun sehr gefragt und entsprechend knapp. Entsprechend stauen sich bei Contargo langsam die Container.

Der Hafen

Der Frankfurter Hafen, zu dem außer dem Osthafen der kleine Gutleuthafen gehört, ist der zehntgrößte Binnenhafen Deutschlands. Betrieben wird er von der städtischen Managementgesellschaft für Hafen und Markt (HFM).

2221 Güterschiffe haben im vorigen Jahr im Frankfurter Hafen angelegt. Sie transportierten eine Ladung von zusammen 2,93 Millionen Tonnen. Im Jahr 2020 waren 2422 Schiffe mit einer Ladung von 3,26 Millionen Tonnen umgeschlagen worden. Den Rückgang erklärt die HFM unter anderem mit Corona-Lockdowns.

Mehr Güter als im Vorjahr kamen dagegen per Zug im Hafen an. Die Zahl der Waggons stieg um fast ein Viertel auf mehr als 40 000. Die umgeschlagene Menge wuchs sogar um fast 28 Prozent, auf 1,57 Millionen Tonnen.

Etwa 110 Unternehmen haben nach Zahlen der HFM ihren Sitz im Hafengelände. Dort arbeiten geschätzt rund 8000 Menschen.

Den Erhalt des Osthafens als Gewerbegebiet hat die Stadt bis 2050 zugesichert. Trotzdem weckt die Fläche immer wieder Begehrlichkeiten. cm

Eichmeier glaubt an die Zukunft des Osthafens. Contargo, eine Rhenus-Tochter, will kräftig wachsen, das bisher etwa 40 000 Quadratmeter große Areal um 20 000 Quadratmeter erweitern und einen dritten Kran aufstellen. Eichmeier spricht von einer Investition im zweistelligen Millionenbereich. Seine Zuversicht hat nicht zuletzt mit den Plänen für eine „Neue Seidenstraße“ zu tun. „Wir gehen davon aus, dass wir hier auch Züge aus China abwickeln werden.“

Unternehmen im Frankfurter Osthafen will aus Bauschutt neuen Beton machen

Bleiben und wachsen will auch Blasius Schuster. Das Unternehmen plant, wie Geschäftsführer und Gesellschafter Daniel Imhäuser vor Journalistinnen und Journalisten berichtet, im Osthafen eine Aufbereitungsanlage zu bauen, in der aus Bauschutt neuer Beton wird. Schon jetzt macht es mehr, als Baustoffe nach Frankfurt zu bringen und den Abtransport gigantischer Mengen an Erdaushub, die etwa auf der riesigen Baustelle für das Vier-Hochhäuser-Projekt „Four“ in der Innenstadt anfielen, zu organisieren. Immer stärker kümmert es sich selbst um die Wiederverwendung von Ressourcen. In einer großen Halle liegt etwa Schotter, der von Bahngleisen stammt. Der wird so wiederaufbereitet, dass er anschließend im Straßen- und Tiefbau Verwendung findet.

Auch bei Blasius Schuster heißt es dieser Tage improvisieren. Das Unternehmen setzt im Niedrigwasser auf sehr kleine Schiffe und hat die Bahnkapazitäten aufgestockt. Den Transport per Lastwagen will es gerne reduzieren, wie Imhäuser sagt. Umso wichtiger sei allerdings ein in ganzer Länge verlässlich schiffbarer Rhein. Ein durchschnittliches Binnenschiff mit bis zu 2500 Tonnen Fracht ersetze bis zu 150 Lastwagen, hieß es am Dienstag. Umgekehrt sind die Auswirkungen gewaltig, wenn wie jetzt große Teile des Schiffverkehrs ruhen.

Hafenanlieger im Frankfurter Osthafen fordern einen Ausbau des Mittelrheins

Die Hafenanlieger rechnen damit, dass Niedrigwasserphasen noch zunehmen könnten – und dringen auf einen Ausbau des Rheins. In den Engstellen des Flusses müsse die Fahrrinne vertieft werden, sagt Rolf Karpa, der Geschäftsführer der Hafenbetriebe. „Sonst können wir so nicht weiterarbeiten.“ 20 bis 30 Zentimeter mehr bei St. Goar müssten es schon sein, sagt Contargo-Geschäftsführer Eichmeier.

IHK-Präsident Caspar warnt die Politik davor, die Zukunft des Osthafens infrage zu stellen. Er wendet sich etwa gegen Pläne, das bis 2050 als Gewerbegebiet gesicherte Areal, das ohnehin immer mehr angeknabbert wird, für den Wohnungsbau zu öffnen und verweist auf eine im vergangenen Jahr präsentierte Studie zur Bedeutung des Hafens für die Stadt. Ohne die Binnenschifffahrt werde sich das Verkehrsproblem sehr verschärfen, warnt er. Und wirbt dafür, Wohnraum besser auf Äckern zu schaffen.

Einige Unternehmen im Frankfurter Osthafen wollen investieren. Blasius Schuster will eine neue Aufbereitungsanlage für Bauschutt bauen.
Einige Unternehmen im Frankfurter Osthafen wollen investieren. Blasius Schuster will eine neue Aufbereitungsanlage für Bauschutt bauen. © Renate Hoyer

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