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Frankfurt: IAA kommt erstmal nicht zurück

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Von: Florian Leclerc

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Auf dem Messegelände eröffnet die neue Halle 5 im Februar.
Auf dem Messegelände eröffnet die neue Halle 5 im Februar. Foto: Monika Müller © Monika Müller

Die Messe Frankfurt blickt auf schwierige Jahre zurück und will sich strategisch stärker auf westliche Länder ausrichten.

Er wolle die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) aus München zurück nach Frankfurt holen, hat der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) angekündigt und damit seinen Parteifreund Uwe Becker im Oberbürgermeisterwahlkampf in Frankfurt unterstützt. Am Montag saß Tarek Al-Wazir (Grüne), stellvertretender Ministerpräsident und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Messe Frankfurt, beim Jahresabschlussgespräch der Messe und musste auf die Frage, wie die Verhandlungen liefen, erst mal überlegen.

Der Branchenverband VDA habe sich bis 2025 vertraglich an München gebunden, sagte er. Bei der Bewerbung über den Verbleib der IAA in Frankfurt habe der Verband der Automobilindustrie die Stadt Frankfurt nicht mal in die zweite Runde gelassen. „Es war ziemlich klar, dass sich die IAA in einer anderen Stadt neu erfinden sollte.“

Der Radverkehr sei bei der IAA hinzugekommen, fügte Wolfgang Marzin an, der Vorsitzende der Messe-Geschäftsführung. Frankfurt wiederum habe nun die Fahrradmesse Eurobike. Das gelte es bei einer möglichen Rückkehr der IAA zu bedenken. Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP), die jetzt den Aufsichtsrat der Messe führt, meinte gleichwohl: „Zukunftsträchtiger Content“ sei in Frankfurt immer willkommen. Damit meine sie jede Form von Mobilität, auch das Auto.

Zahlen

Die Messe Frankfurt hat 2022 einen Verlust von 30 Millionen Euro erwirtschaftet (2021: 139 Millionen Euro Verlust). Der Umsatz lag 2022 bei 450 Millionen Euro (2021: 154 Millionen Euro).

Die Unternehmensgruppe organisierte 2022 weltweit 310 Veranstaltungen mit 3,3 Millionen Besucher:innen. 80 Veranstaltungen fielen pandemiebedingt aus. Messe-Gesellschafter sind die Stadt Frankfurt (60 Prozent) und das Land Hessen (40 Prozent). fle

Die Messe Frankfurt hat harte Zeiten hinter sich. Reisen wurden in der Pandemie beschränkt, Veranstaltungen fielen aus. Die Menschen merkten, wie viel sich über Onlinekonferenzen erledigen lässt. Trotzdem will die Messe auch weiterhin auf den persönlichen Kontakt setzen. Das wünschten sich die Kund:innen, sagte Geschäftsführer Detlef Braun: „Die Hütte ist voll.“ Gleichwohl werde in Digitalisierung investiert. Beim Umsatz erwartet Wolfgang Marzin eine deutliche Steigerung für 2024 und eine Rückkehr zum Umsatzrekord von 2019 (736 Millionen Euro) im Jahr 2025.

Strategisch werde sich die Messe künftig mehr „in westlichen Ländern“ engagieren, sagte er. Sprich, in den Vereinigten Staaten, in der Türkei, in Südamerika. Die enge Bindung an China, welche die Messe eingegangen sei, mache sie vulnerabel bei politischen Veränderungen – wie bei der chinesischen Null-Covid-Politik. Einen möglichen Krieg zwischen China und Taiwan erwähnte er nicht, das Thema stand aber im Raum. Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine lässt die Messe ihr Russlandgeschäft ruhen.

In Frankfurt wird Anfang Februar 2023 die neue Halle 5 in Betrieb gehen. Die Kosten von etwa 200 Millionen Euro würden eingehalten, sagte Geschäftsführer Uwe Behm. Um die Halle zu finanzieren, obwohl die Einnahmen wegbrachen, habe die Messe eine Eigenkapitalerhöhung durch ihre Gesellschafter in Anspruch (200 Millionen Euro) genommen. Um weitere 40 Millionen Euro erhöhten die Gesellschafter das Messe-Eigenkapital, damit sich das Unternehmen an Fairnamic beteiligen konnte, welche die Eurobike veranstaltet. Außerdem gaben die Gesellschafter ein Darlehen in Höhe von 150 Millionen Euro. „Ohne die Gesellschafter würde es uns jetzt nicht mehr geben“, hielt Wolfgang Marzin fest.

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