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Forderungen nach Feldmanns Rücktritt sind hanebüchener Unsinn.

Rücktrittsforderungen

Ist OB Feldmann schuld am IAA-Debakel? Unsinn!

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Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann soll den Wegzug der IAA verschuldet haben und deshalb zurücktreten? Das ist Unsinn. Ein Kommentar.

Frankfurt - So geschockt hat man Markus Frank im Römer noch nie erlebt. Zwar hat der CDU-Mann gerade im Amt des Wirtschaftsdezernenten schon so manche Niederlage erlitten. Aber dass er am Mittwochabend den Journalisten in seinem Dienstzimmer den Wegzug der IAA verkünden musste, nahm ihn unfassbar mit.

Viel hätte nicht gefehlt, und der Christdemokrat wäre vor laufenden Kameras in Tränen ausgebrochen. Wer ihn oder auch den Chef der städtischen Wirtschaftsförderung, Oliver Schwebel, in diesen Momenten beobachtete, bekam eine Ahnung davon, wie hart die Entscheidung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) die Frankfurter Wirtschaft trifft.

IAA-Debakel in Frankfurt: Feldmann ist nicht verantwortlich

Dabei hatten Frank und Schwebel nicht damit rechnen können, dass Frankfurt die IAA behält. Von Anfang an war klar, dass der VDA einen Neuanfang mit der Messe starten will. Dass der Verband dafür einen neuen Ausrichter sucht, ist ebenso nachvollziehbar wie legitim. Dass es Frankfurt aber noch nicht einmal in die Endrunde schaffte, sondern schon bei der ersten Ausscheidung die Segel streichen musste, ist eine schallende Ohrfeige für die Stadt.

Verlust der IAA: VDA wollte offenbar die Stadt Frankfurt abstrafen

Verständlich ist diese Entscheidung nicht. Die Frankfurter Bewerbung, die auf ein offenes Messekonzept setzte, war gut. Doch der VDA wollte offenbar die Stadt abstrafen, in der er 70 Jahre lang gutes Geld verdient hat. Stilvoll ist das nicht.

Die Suche nach den Schuldigen begann wenige Minuten nach der Bekanntgabe der Entscheidung. Die CDU teilte mit, Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) habe mit seiner Kritik an der Messe einen Scherbenhaufen bei der IAA hinterlassen, später stimmten andere Politiker ein. Feldmann sei verantwortlich für das Scheitern der Bewerbung, er müsse zurücktreten, wahlweise als Aufsichtsrat der Messe oder als Oberbürgermeister oder am besten gleich von allen Ämtern.

Um es klar zu sagen: Solche Forderungen, die auf einer billigen Pauschalkritik fußen, sind hanebüchener Unsinn.

Frankfurt: Kritik von OB Feldmann nicht entscheidend für Verlust der IAA

Natürlich hat Feldmanns Kritik in der berühmten nicht gehaltenen, aber veröffentlichten Rede die Chancen Frankfurts auf den Verbleib der IAA nicht gesteigert. Aber glaubt tatsächlich jemand, die Worte eines Oberbürgermeisters seien für den VDA so bedeutsam, dass er alleine deshalb mit einer riesigen Messe in eine andere Stadt zieht?

Vor allem aber: Was hätte Feldmann anders machen sollen? Fakt ist erst einmal, dass der VDA ihn nicht als Redner zur Eröffnung der Messe eingeladen hatte. Das ist eine Unverschämtheit, die zeigt, dass die Autobauer weitgehend unfähig sind, mit Kritik umzugehen.

Frankfurt verliert IAA: OB Feldmann hat richtig gehandelt

Hätte Feldmann deshalb schweigen sollen? Sicher nicht. Er ist der Oberbürgermeister einer Stadt, in der die vielbeschworene Verkehrswende so nötig ist wie an kaum einem anderen Ort in Deutschland. Die Luft an den Ausfallstraßen ist so schlecht, dass immer noch Fahrverbote drohen. Natürlich muss ein Oberbürgermeister angesichts der IAA dann klarstellen, dass Frankfurt nicht noch mehr Autos verträgt. Alles andere wäre fahrlässig. Die Autobosse aber wollten das nicht hören und taten so, als seien sie immer noch in einer Position der grenzenlosen Stärke. Die Menschen in Frankfurt gaben ihnen darauf die passende Antwort und blockierten die Zugänge zum Messegelände.

Abzug der IAA aus Frankfurt wird auch Wahlkampf prägen

Und nun? Die Debatte, wer den wirtschaftlich sicherlich folgenschweren Abzug der IAA zu verantworten hat, wird wohl auch den Wahlkampf für die Kommunalwahl 2021 prägen. Leider. Viel sinnvoller wäre es, die Politik würde den Ratschlag von Eintracht-Vorstand Axel Hellmann, Mitglied der IHK-Vollversammlung, beherzigen: nicht jammern, sondern mit einem Bündnis für Mobilität den Verkehr der Zukunft planen. Das IAA-Konzept, das nun in Markus Franks Schublade liegt, kann dafür eine gute Grundlage sein.

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