1. Startseite
  2. Frankfurt

Hungerstreik gegen iranisches Regime – „Man hat mir keine Wahl gelassen“

Erstellt:

Von: Timur Tinç

Kommentare

Ehsan Abasy campiert vor dem iranischen Generalkonsulat und fordert dessen Schließung.r
Ehsan Abasy findet, Deutschland habe bislang zu wenig Druck auf die Islamische Republik ausgeübt. © Monika Müller

In Frankfurt protestiert und campiert ein Mann vor dem iranischen Generalkonsulat in Frankfurt. Er fordert dessen Schließung sowie die Ausweisung des Botschafters.

Frankfurt – Ehsan Abasy war in den vergangenen Wochen auf vielen Demonstrationen gegen das iranische Regime. Eine große Wirkung haben die in Deutschland aus seiner Sicht nicht entfaltet, um Druck auf die Islamische Republik auszuüben. Deshalb ist er am Mittwoch in den Hungerstreik getreten und campiert in einem Zelt vor der Botschaft des iranischen Generalkonsulats in der Raimundstraße. „Man hat mir keine Wahl gelassen, wie wir die Stimmen unserer Schwestern und Brüder sein können“, sagt Abasy. Auf seinem Oberteil steht auf Persisch und Englisch: „Frauen, Leben, Freiheit“.

Er hat drei Forderungen. „Die Revolution im Iran muss als Revolution anerkannt werden, es ist kein Protest. Die Botschaft der Islamischen Republik Iran muss geschlossen werden. Und der iranische Botschafter muss ausgewiesen werden“, sagt Abasy mit Übersetzungshilfe von Leyla Schwarz.

Hungerstreik in Frankfurt: „Seit 44 Jahren versucht uns dieses Regime mit Angst kleinzuhalten“

Die 46-Jährige lebt seit 33 Jahren in Deutschland und ist stolz auf Abasy. Durch seine Initiative seien in den vergangenen Tagen wieder mehr Menschen vor das Konsulat gekommen. Am Freitagmittag sind es knapp zehn Leute. „Wir können keine Nacht durchschlafen“, sagt Schwarz. Seit dem Tod von Mahsa Amini am 16. September sind auch die Exil-Iraner:innen in Deutschland zu Hunderten auf der Straße.

„Seit 44 Jahren versucht dieses Regime uns mit Angst kleinzuhalten“, sagt Schwarz. Die Frauen hätten genug von der Scheinheiligkeit. „Sie sagen: Wir haben keine Angst zu sterben. Wir haben Angst vergewaltigt zu werden.“

Hungerstreik Frankfurt: Im Iran geht das Regime mit aller Härte gegen Demonstrierende vor

Seit dem Ausbruch der Proteste geht das Mullah-Regime mit aller Härte gegen Demonstrierende vor. Nach Einschätzungen von Menschenrechtsorganisationen sind 445 Menschen getötet worden. Die Teilnehmer:innen der Demo am Freitagmittag (25. November) in Frankfurt teilen Berichte vom Vorgehen der paramilitärischen Miliz und der Revolutionsgarde.

Ein Mann erzählt, dass sie aus Hubschraubern auf die Menschen mit großkalibrigen Waffen zielen. Bei einem der wenigen Anrufe, die er in die Heimat absenden konnte, wurde ihm vom Einsatz mit Nervengas berichtet.

Hungerstreik in Frankfurt: Seit Jahren gehen Exil-Iraner:innen in Deutschland auf die Straßen

„Wir haben es mit einer Regierung zu tun, die von Anfang an Gewalt benutzt hat“, beklagt Shahnaz Morattab. In den vergangenen Jahrzehnten hätten die Iranerinnen und Iraner in Deutschland Tausende Male geschrien und auf die Situation in ihrer Heimat aufmerksam gemacht. Man habe Männer und Frauen, die in den Iran abgeschoben werden sollten noch am Flughafen aus den Flugzeugen retten können. „Es geht nicht nur um den Iran“, betont Morattab.

Das Regime mische sich im ganzen Nahen Osten ein und entfache Konflikte in Ländern wie Pakistan, Syrien, Afghanistan oder im Jemen. „Wir verurteilen aufs Schärfste diejenigen, die das Regime immer noch unterstützen“, sagt Morattab.

Hungerstreik Frankfurt: Forderungen an die deutsche Regierung

Dazu gehört die deutsche Regierung. Es gebe iranische Firmen in Deutschland, sagt Leyla Schwarz, die ihre Regierung dabei unterstützten, das Internet im Heimatland zu blockieren. Sie steht mit einem Freund aus Kindertagen „in regelmäßigem Kontakt. Es besteht schon Informationsaustausch. Sie schaffen es zum Glück nicht, alles abzuschalten“, sagt Schwarz.

Ehsan Abasy hält sich inzwischen eine Wärmflasche an den Bauch. Er ist bereit, seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen. (Timur Tinç)

Auch interessant

Kommentare