Immer weniger Touristen kommen nach Frankfurt. Die Hotellerie leidet darunter.
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Immer weniger Touristen kommen nach Frankfurt. Die Hotellerie leidet darunter.

Folgen der Corona-Pandemie

Nach Aus für „Hessischer Hof": Hotellerie wegen Gästemangel unter Schock

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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In Frankfurt und Umgebung bleiben viele Gäste weg. Besonders die abgesagten Messen verhageln die Bilanz.

Frankfurt - Das Aus für den Hessischen Hof in Frankfurt hat die Branche in der ganzen Region aufgeschreckt. „Es ist ein Schock“, sagt Stefan Hofmann vom Parkhotel Waldlust in Oberursel. Die Corona-Pandemie hinterlässt auch im Familienbetrieb im Taunus Spuren. Die coronabedingten Ausfälle in der Saison schätzt Hofmann auf etwa 60 Prozent.

Gleichwohl bleibt der Hotelfachmann und Betriebswirt verhalten optimistisch. „Wir haben ganz gute Buchungen.“ Das Parkhotel lebt hauptsächlich von Tagungen und Veranstaltungen. Es ist gleichsam naturnah gelegen wie gut angebunden, die U-Bahn hält fast direkt vor dem Haus. Der angeschlossene Park tut sein Übriges. Eine ganze Reihe von Tagungsgästen haben die Tische rausgeräumt und an der frischen Luft konferiert. Unter strengem Hygienekonzept, betont Hofmann.

Geholfen hat, dass die Familie, mit seiner Frau bildet er die fünfte Generation, von Rücklagen zehren kann. „Unsere Vorfahren haben gut gewirtschaftet“, sagt er. Darum möchte er nun nicht negativ denken, lieber „den Bleistift spitzen und die Zahlen ganz genau anschauen“.

Nach „Hessischem Hof“ drohen weiteren Hotels in Frankfurt die Pleite

Klaus-Peter Sprungk tut das ebenfalls. Der Hessische Hof sei nicht das letzte Hotel, das aufgeben werde, sagt der Frankfurter Hotelmanager düster. „Er ist auch nicht der erste“, fügt er hinzu, bei vielen anderen, kleineren Häusern, sei es nur nicht so aufgefallen. Sprungks eigenes Refugium, das Ibis-Hotel am Rebstock, hat derzeit noch geschlossen. Er möchte darum auch gar nicht „global für den Konzern“ sprechen. Aber seine eigenen Gedanken als langjähriger Manager teilt er gerne, immerhin beobachte er das Geschehen seit 30 Jahren.

„Frankfurt ist für Hotels einer der teuersten Standorte überhaupt.“ Die Grundsteuer sei hoch, die Gewerbesteuer auch, die Immobilienpreise. Viele Ketten unterhielten überhaupt nur ein Hotel in der Stadt, um ihren Kunden eins anbieten zu können, aus Markenpflege, nicht um Geld zu erwirtschaften, sagt Sprungk.

Fehlende Messen bedrohen Hotel-Geschäft

Ohne die Messen sei für die wenigsten Hotels ein gutes Geschäft möglich. Und just die fallen vorerst aus, auf lange Sicht würden sie auch nicht mehr so groß wie früher, schätzt der Hotelmanager. Es kommen weniger Besucher, Aussteller, Messebauer. Auch der Flughafen stehe deutlich stiller als sonst. In Sachen Tourismus habe sich die Stadt gemacht. Es kommen mehr Gäste als früher, zumindest bis zur Pandemie ist das so gewesen.

„Aber von den Touristen alleine können die Hotels nicht leben“, sagt Sprungk. Die nutzen Frankfurt oft als Ausgangspunkt für eine größere Reise, durch Deutschland oder Europa. „Die bleiben eine Nacht und fahren dann weiter.“

Interessant werde sein, sinniert Sprungk, was mit den Immobilien geschehe, wenn die „Horrorvorstellung“ sich bewahrheite, wenn zahlreiche Hotels leerstünden. Sollen die zu Wohnungen werden? (Von George Grodensky)

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