Die neoklassizistische Fassade des „Hotel Hohenzollern Office Building“ erstrahlt in neuem, alten Glanz. Im Giebel ist der Schriftzug des Hotel-Namens zu sehen.
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Die neoklassizistische Fassade des „Hotel Hohenzollern Office Building“ erstrahlt in neuem, alten Glanz. Im Giebel ist der Schriftzug des Hotel-Namens zu sehen.

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Frankfurt: Gründerzeit-Hotel erstrahlt in neuem Glanz

  • Anja Laud
    VonAnja Laud
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Das Hotel Hohenzollern Office Building im Frankfurter Bahnhofsviertel ist eines von 69 Gebäuden, die in Hessen am Tag der Architektur geöffnet sind

Frankfurt – Reisende, die in der Gründerzeit in Frankfurt am Hauptbahnhof ankamen und in der Stadt übernachten wollten, konnten im Schatten von Bäumen zum nahegelegenen „Hotel Excelsior“ in der Poststraße/Ecke Düsseldorfer Straße flanieren. 1910 im neoklassizistischen Stil erbaut, galt es als „erstes Hotel am Platz“. Heute erstrahlt die Fassade wieder im alten Glanz. Wer mag, kann sich das frisch sanierte und restaurierte Geschäfts- und Bürogebäude an diesem Samstag anschauen. Die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen (AKH) lädt für dieses Wochenende zum „Tag der Architektur“ ein. Landesweit öffnen 69 Objekte ihre Türen. Sie gelten nach dem Urteil eines Gremiums von Fachleuten als „Beispiele guter Alltagsarchitektur“.

Wer heute das „Hotel Hohenzollern Office Building“ in der Poststraße über den Haupteingang, dem früheren Hotel-Entree, betritt, bekommt eine Ahnung davon, wie sich Hotelgäste gefühlt haben müssen, als sie das „Hotel Excelsior“, das später „Hotel Hohenzollern“ hieß, betraten. „Das Vordach am Eingang haben wir nach alten Fotos rekonstruiert“, sagt der Architekt Axel Krück, Leiter des Frankfurter Architektenkontors Faller + Krück works GmbH, das das denkmalgeschützte Gebäude im Auftrag der Urban Office RE Verwaltungsgesellschaft sanierte und restaurierte. Und auch das in der Sommerhitze angenehm kühle Vestibül erinnert mit seiner Lichtkuppel und bunten Rosette an die Anfangszeiten. „Hier war der Empfangstresen, dahinter gab es einen Durchgang zu Gasträumen, rechts vom Eingang war die Portiersloge“, erzählt Architekt Marcel Storck, der die umfangreichen Bauarbeiten, die im Frühjahr dieses Jahres endeten, als Projektleiter begleitete.

Gründerzeit-Hotel in Frankfurt: Zahlreiche Bauelemente bereits verloren gegangen

Den Empfangstresen und den Raum des Portiers gibt es längst nicht mehr. Neben dem Vestibül stammen im Inneren des alten Gebäudes im Wesentlichen nur noch das Treppenhaus mit der Treppe und dem sanft geschwungenen, hölzernen Handlauf aus frühen Zeiten. Alle anderen gründerzeitlichen Bauelemente, so Axel Krück, seien im Laufe der über einhundertjährigen Geschichte des Gebäudes verloren gegangen.

Axel Krück (links), Leiter des Architektenkontors Faller + Krück, und Projektleiter Marcel Storck, sanierten das Bürogebäude.

Als das „Hotel Excelsior“ 1910 erbaut wurde, verfügte es über Annehmlichkeiten, die für die Kaiserzeit nicht selbstverständlich waren. „Jedes der 250 Zimmer hatte ein Waschbecken, also fließend Wasser“, sagt Marcel Storck. Bäder und Toiletten befanden sich auf jeder Etage. Hinzu kamen Lese- und Schreibzimmer, ein Restaurant und kleine Geschäfte im Erdgeschoss.

So sah das „Hotel Excelsior“ einst aus, links der Hoteleingang. Auch kleine Läden gab es schon im Erdgeschoss.

Im Gebäude befand sich auch ein Lichtspielhaus, übrigens das erste in Frankfurt. Zunächst als „Hohenzollern-Theater“ eröffnet, trug es von den 1930er Jahren an den Namen „Excelsior-Lichtspielhaus“, von Frankfurterinnen und Frankfurtern kurz „Exli“ genannt. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Haus fast unbeschadet. „Alle umliegenden Gebäude wurden zerstört“, sagt der Projektleiter und zeigt eine Fotografie, die kurz nach Kriegsende entstand.

Das „Exli“ schloss Ende der 1970er Jahre, das Hotel wohl Anfang der 1980er Jahre. Aus dem Kino wurde ein Nachtclub, der „Skyclub“, wie Axel Krück erzählt. Da, wo früher die Hotelzimmer gewesen waren, zogen Büros und Arztpraxen ein.

Die Fassade des alten Hotels verlor über die Jahre an Eleganz. „Bodentiefe Fenster wurden teilweise zugemauert“, sagt Marcel Storck. Als die Sanierungsarbeiten an dem Gebäude kurz vor dem Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 begannen, wurden Bausünden wie diese in Abstimmung mit dem Denkmalamt beseitigt. In weiteren Bauabschnitten wurde die Haustechnik, also elektrische Leitungen und das Heizungssystem, erneuert und Auflagen des Brandschutzes erfüllt. „Jedes der Geschosse ist individuell gestaltet“, erklärt Axel Krück. Die Urban Office RE Verwaltungsgesellschaft als Bauherr ließ sich die ehemaligen Räumlichkeiten des Kinos zu einer modernen Bürowelt ausbauen.

Tag der Architektur

Der „Tag der Architektur“ ist eine bundesweite Veranstaltung. Er steht in diesem Jahr unter dem Motto „Architektur baut Zukunft“ . Er wird in Hessen von der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen (AKH) organisiert und am kommenden Samstag und Sonntag, 25. und 26. Juni, abgehalten.

In Hessen können an beiden Tagen insgesamt 69 Objekte besichtigt werden, darunter sind Verwaltungs- und Kulturbauten, Schulen sowie Kindertagesstätten und Wohngebäude. Sie sind in diesem Jahr aus 89 Einreichungen von einem Expert:innen-Gremium als „Beispiele guter Alltagsarchitektur“ ausgewählt worden. Darüber hinaus werden auch Führungen durch Gebäude angeboten, die 2020 und 2021 das Gefallen der Fachleute gefunden hatten. Wegen der Corona-Pandemie konnten sie aber in den genannten Jahren nicht besichtigt werden.

In Frankfurt stehen insgesamt 35 Objekte offen. Hier eine Auswahl:

Der Neubau der Geschäftstelle und ProfiCamp der Eintracht Frankfurt , Im Herzen von Europa 1, nach Plänen des Architekturbüros Albert Speer und Partner, kann am Samstag von 10 Uhr bis 16 Uhr und am Sonntag von 11 Uhr bis 14 Uhr besichtigt werden. Führungen werden an beiden Tagen jeweils zur vollen Stunde angeboten. Treffpunkt: Vorplatz vor dem Haupteingang, Anmeldung: sekretariat@as-p.de

Das Gemeindezentrum und die Kirche St. Johannes der katholischen Kirchengemeinde St. Jakobus, Am Wiesenhof 76a, von Königs Architekten PartGmbH können am Samstag von 10 Uhr bis 13 Uhr und am Sonntag von 14 Uhr bis 18.30 Uhr besichtigt werden. Führungen werden am Samstag um 10 Uhr und 11.30 Uhr sowie am Sonntag um 14 Uhr, 15.30 Uhr und 17 Uhr angeboten. Anmeldung: zentralesbuero@ stjakobus-ffm.de oder Telefon 069/678 0865-0.

Das gemeinschaftliche Wohnprojekt Uliba , Sossenheimer Weg 62, in Unterliederbach, entworfen von dem Architekturbüro Klaus Korbjuhn agplus, kann am Samstag von 14 Uhr bis 17 Uhr besichtigt werden. Führungen werden um 14.30 Uhr und 15.30 Uhr angeboten. Anmeldung: info@aplus.de oder Telefon 0174/9218741.

In Darmstadt werden Führungen durch sechs Gebäude angeboten. Hier eine Auswahl:

Der „Turm Observatory“ , das Observatorium der Technischen Universität Darmstadt, Hochschulstraße 4, ein Projekt der Sichau & Walter Architekten GmbH, kann am Sonntag von 13 bis 16 Uhr besichtigt werden. Führungen werden nach Bedarf angeboten. Treffpunkt: Hochschulstraße 6.

Das Stadion am Böllenfalltor , offiziell Merck-Stadion, Nieder-Ramstädter Straße 170, der Architekten 1100 Riehm Piscuskas PartGmbB BDA, kann am Samstag und Sonntag, jeweils 12 Uhr, bei einer Führung besucht werden. Anmeldung per E-Mail unter contact _ de@1100architekt.com oder per Telefon 069/244461070.

In Wiesbaden können insgesamt neun Objekte besichtigt werden. Hier eine Auswahl:

Der REWE Green Farming Pilotmarkt , Berliner Straße 277-279, eine Markthalle aus Holz nach Plänen des Architekturbüros ACME Berlin GmbH, kann am Samstag von 7 bis 22 Uhr besichtigt werden. Führungen werden um 14 Uhr und 15.30 Uhr angeboten. Anmeldungen: kommunikation@bgf-plus.de

Der Kinder- und Jugendtreff im ehemaligen Stellwerk, Holzstraße 60, nach Plänen der A-Z Architekten Holger Zimmer, kann am Samstag 15 Uhr bis 18 Uhr, und am Sonntag, 14 bis 17 Uhr., besichtigt werden. Führungen werden am Samstag um 16 Uhr und am Sonntag um 15 Uhr angeboten. Anmeldung: michael.feine@casa-wiesbaden.de

Zu den Albert Villen , Albert-Schweitzer-Allee 5-13, fünf Stadtvillen erbaut nach den Plänen des Architekturbüros grabowski.spork GmbH, werden am Samstag jeweils um 10 Uhr, 11 Uhr und 12 Uhr Führungen angeboten. Treffpunkt ist bei allen Führungen die Zufahrt zur Tiefgarage.

Darüber hinaus wird in Wiesbaden ein umfangreiches Rahmenprogramm zum Tag der Architektur geboten. Dazu gehört eine Architektur-Stadtbegehung am Samstag von 10 Uhr bis 14 Uhr. Treffpunkt ist die Haltestelle Dernsches Gelände. Eine Anmeldung ist für die Stadtbegehung nicht notwendig. Außerdem gibt es mehrere Filmvorführungen. Im Murnau-Filmtheater, Murnaustraße 6, ist beispielsweise am Sonntag, 19 Uhr, der Dokumentarfilm „Architektur der Unendlichkeit“ zu sehen. An die Vorführung schließt sich ein Gespräch mit dem Regisseur Christoph Schaub an. Karten: filmtheater@murnau-stiftung.de oder Telefon 0611/97708-41

Weitere Informationen zum Tag der Architektur in Hessen sowie das vollständige Programm sind auf der Webseite der AKH zu finden.

www.akh-tda.de

Alle Projekte , die in Hessen am „Tag der Architektur“ zu sehen sind, können zusätzlich virtuell auf den Baukultour-Seiten der AKH besichtigt werden. lad

www.akh.de/baukultur/baukultour

Das „Hotel Hohenzollern Office Building“ gehört zu den 69 Objekten, die ein unabhängiges Gremium aus Fachleuten als „Beispiele guter Alltagsarchitektur“ herausgehoben hat. Architektenbüros aus ganz Hessen hatten sich mit insgesamt 89 Objekten um dieses Prädikat beworben. Die ausgewählten Gebäude können jetzt alle beim „Tag der Architektur“ besichtigt werden, den die AKH seit 1995 für Hessen organisiert. Zusätzlich zu den in diesem Jahr ausgewählten Objekten steht auch eine große Zahl von Gebäuden und Außenanlagen, die 2020 und 2021 ausgezeichnet worden waren, für Führungen offen. Wegen der Corona-Pandemie waren in den vergangenen beiden Jahren keine Besichtigungen möglich, begründet AKH-Präsidentin Brigitte Holz deren Aufnahme ins Programm. Sie hofft, dass trotz der Zwangspause viele Menschen den „Tag der Architektur“ nutzen. Bis zu 10 000 Menschen waren es landesweit vor Corona gewesen.

Über diese Treppen schritten schon die Hotelgäste.

„Architektur, Landschaftsarchitektur und Innenarchitektur bestimmen maßgeblich, ob wir uns in unserem Zuhause oder bei der Arbeit wohlfühlen, ob Kinder gern in die Kita oder in die Schule gehen, ob sich Seniorinnen und Senioren behütet fühlen“, sagt Brigitte Holz. „Gute Alltagsarchitektur“ berücksichtige sowohl die Bedürfnisse heutiger als auch zukünftiger Nutzerinnen und Nutzer, so die AKH-Präsidentin.

Hier war einst der Empfang des Hotels. Heute können von dort Aufzüge betreten werden.

„Architektur baut Zukunft“ ist das diesjährige Motto des „Tags der Architektur“, der bundesweit begangen wird. „Für die Zukunft zu bauen, heißt neben Funktionalität, Gestaltung und Wirtschaftlichkeit auch die Klimarelevanz unseres Handelns im Fokus zu haben“, sagt Brigitte Holz.

Für die Architekten Krück und Storck war die Sanierung und Restaurierung des alten Hotels eine reizvolle Aufgabe und eine Herausforderung. Letzteres, weil die Bauarbeiten „im laufenden Betrieb“ vonstatten gehen mussten. Firmen und Praxen, die dort schon vor Beginn der Bauarbeiten ihre Räumlichkeiten hatten, zogen nicht aus.

Der Eingang zum früheren Hotel in der Poststraße. Die Überdachung wurde nach alten Fotos gestaltet.

„Wir haben die Geschichte dieses Hauses fortgeschrieben. Wir haben der vielschichtigen Bauhistorie eine neue Schicht hinzugefügt“, meint Axel Krück. Sollten Architektinnen und Architekten in einhundert Jahren noch einmal eine Sanierung des „Hotels Hohenzollern“ in die Hand nehmen, werden sie auf jeden Fall gut aufgeräumte Leitungsschächte vorfinden. Diese waren vor den Bauarbeiten vollgestopft mit Leitungen aus der über 100-jährigen Baugeschichte. „Keiner wusste, welche noch aktiv und welche tot waren“, erzählt Marcel Storck und schmunzelt.

Sein Chef Axel Krück wünscht sich, dass der Bahnhofsvorplatz einmal wieder so schön wird, wie er zur Gründerzeit war, mit grünen Baumreihen, die den Autoverkehr zurückdrängen. „Dieses Haus ist so individuell und hat eine so gute Lage“, sagt er. Da wäre es gut, wenn auch das Umfeld wieder ansprechend entwickelt werde. (Anja Laud)

Das Hotel Hohenzollern Office Building, Ecke Poststraße/Düsseldorfer Straße, kann am Samstag von 14 bis 17 Uhr angeschaut werden. Führungen werden um 14 Uhr, 15 Uhr und 16 Uhr angeboten. Treffpunkt: Haupteingang Poststraße 2-6, Anmeldung: info@architektenkontor.com

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