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Eduard M. Singer war bis 2019 Generaldirektor des Hessischen Hofs.

Corona-Krise

Grandhotel „Hessischer Hof“ - Eine Legende in Frankfurt macht Pleite

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Das Grandhotel „Hessischer Hof“ in Frankfurt schließt nach 68 Jahren in Folge der Corona-Pandemie.

  • Legendäres Grandhotel „Hessischer Hof" muss in Folge von Corona schließen.
  • Ein Hotel wie der „Hessische Hof" lässt sich momentan nicht wirtschaftlich führen.
  • Was aus dem Hotel und dem Grundstück in zentraler Lage passieren wird, ist ungewiss.

Frankfurt - Der Dalai Lama war dort ebenso zu Gast wie das belgische Königspaar. Die Gäste unzähliger Messen in Frankfurt übernachteten dort. Doch jetzt muss das Grandhotel „Hessischer Hof“ unmittelbar gegenüber dem Frankfurter Messegelände für immer schließen. Die Corona-Pandemie erzwingt nach 68 Jahren das Aus. „Die wirtschaftlichen Verluste durch Corona sind so groß, dass keine andere Wahl bleibt“, sagt Jens Huwald, der Sprecher der Hessischen Hausstiftung, in der das Landgrafengeschlecht von Hessen seine Besitztümer organisiert hat. „Aktuell und perspektivisch“ sei Frankfurt für Hotels „ein sehr schweres Umfeld“.

Corona-Krise sorgt für Pleite beim „Hessischen Hof“ in Frankfurt

Zutiefst getroffen zeigt sich Eduard M. Singer, der von 2009 bis 2019 den „Hessischen Hof“ als Generaldirektor führte. Der Vorsitzende der Hotel- und Gaststättenvereinigung (Dehoga) spricht von einer bedrückenden Nachricht für Frankfurt. „Mir tun die Menschen leid, die jetzt ihren Arbeitsplatz verlieren, oft sind es langjährige Mitarbeiter.“ 63 Beschäftigte werden entlassen, „es wird eine Sozialauswahl geben“, sagt Huwald. Der Beherbergungsbetrieb werde Schritt für Schritt heruntergefahren, im November oder Dezember stehe dann die endgültige Schließung an.

„Es wird weitere Schließungen von Hotels geben“, sagt Singer unmissverständlich voraus. Die wirtschaftliche Lage in der Branche sei desolat, die „pure Existenzangst“ gehe um. „Ein Hotel ist zur Zeit nicht wirtschaftlich zu betreiben“, sagt der Fachmann.

Keine wirtschaftliche Perspektive: Coronakrise führt zu Pleite des „Hessischen Hofs“

Es fehle an einer wirtschaftlichen Perspektive, weil wegen Corona der Messe- und Tagungsbetrieb schon jetzt bis weit ins Jahr 2021 hinein abgesagt sei. In den Hotels gebe es gegenwärtig kaum Umsatz, auch weil die ausländischen Gäste fehlten. Selbst wenn ein Impfstoff zum Einsatz komme, werde das Hotelgeschäft kaum wieder auf das alte Niveau zurückkehren.

Der „Hessische Hof“ gehört zusammen mit dem „Frankfurter Hof“ und der „Villa Kennedy“ zu den luxuriösesten Hotels in Frankfurt am Main. Berühmt waren die Partys, die hier gefeiert wurden, etwa während der alljährlichen Frankfurter Buchmesse. Legendär war auch die Clubatmosphäre in „Jimmy’s Bar“, in der noch ein strenger Dresscode herrschte. Dem Vorsitzenden des Sportkreises Frankfurt, Roland Frischkorn, war vom Türsteher einmal der Zutritt verwehrt worden, weil er einen Fanschal der Frankfurter Eintracht trug. „Der ,Hessische Hof‘ war eine Institution, er war eine der Säulen der Grande Hotellerie mit einem ganz besonderen Service, wie es sie heute immer weniger gibt“, urteilt der frühere Generaldirektor Singer.

Das Grundstück des Hotels, Friederich-Ebert-Anlage 40, befindet sich seit dem Jahr 1930 im Besitz der Unternehmensgruppe Prinz von Hessen. Eine erste Bebauung war durch die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs zerstört worden.

Hessischer Hof: Die Zukunft des Geländes und der Hotelgebäude ist ungewiss

Wie eine künftige Nutzung des Areals oder der Hotelgebäude aussehen könnte, sei derzeit noch völlig offen, sagte der Sprecher der Hessischen Hausstiftung. Nach seinen Worten hat die Unternehmensgruppe insgesamt 350 Beschäftigte. Das ebenfalls zur Gruppe zählende Schlosshotel Kronberg sei nicht betroffen, ebenso nicht das in Schleswig-Holstein gelegene Gut Panker.

Donatus Landgraf von Hessen nennt den Entschluss zur Schließung des „Hessischen Hofs“ schmerzhaft. Er diene aber dem Schutz der gesamten Unternehmensgruppe. Bei Tagungen, Messen und Geschäftsreisen müsse in den kommenden zwei Jahren mit Verlusten gerechnet werden, sagt der Adlige der Deutschen Presse-Agentur. (Von Claus-Jürgen Göpfert)

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